Entscheidung noch abhängig von Kaufpreis
Vierer-Konsortium bietet für Kirch

Die Verlagshäuser Axel Springer und Heinrich Bauer haben die HypoVereinsbank und den Spiegel-Verlag als Partner ihrer Bietergruppe für die insolvente KirchMedia gewonnen.

Reuters HAMBURG/MÜNCHEN. Ziel des Konsortiums sei es, unter Führung der Verlage Springer und Bauer die Auffanggesellschaft, in die die Kerngeschäfte der Rechte- und TV-Gesellschaft überführt werden sollen, zu übernehmen, teilte Springer am Freitag mit. Dabei würden sich Springer und Bauer eine Mehrheit von 51 Prozent teilen, die übrigen 49 Prozent an der neuen KirchMedia gingen an den Spiegel-Verlag und die HypoVereinsbank, sagte ein Sprecher des Bauer-Verlages.

Die Partner würden nun die wirtschaftlichen Bedingungen eines solchen Engagements prüfen und bis Ende Juli ein vorläufiges Angebot vorlegen.

Der Springer- und der Bauer-Verlag hatten bereits im Juni angekündigt, ein Konsortium für die Übernahme der insolventen KirchMedia gründen zu wollen, gleichzeitig aber nach weiteren Partnern gesucht. Neben dieser Bietergruppe haben bislang auch ein Konsortium aus der Commerzbank und dem US-Studio Columbia Tristar sowie der französische Fernsehkonzern TF1 öffentlich ein Interesse an KirchMedia bekundet. Als weitere potenzielle Investoren gelten der US-Milliardär Haim Saban, der US-Medienkonzern Viacom und der italienische Konzern Mediaset.

"Die Finanzierung der Übernahme ist nun gesichert", sagte eine Sprecherin des Springer-Verlages. Es könnten aber auch noch weitere Partner in das Konsortium einsteigen. Klar sei, dass Springer und Bauer 51 Prozent der neuen Gesellschaft anstrebten und damit die unternehmerische Führung.

Eine Sprecherin der HypoVereinsbank sagte, die genaue Aufteilung der 49 Prozent zwischen der Bank und dem Spiegel-Verlag sei noch nicht klar. "Für die HVB ist das aber ein reines Finanzinvestment, das sicher nicht auf Jahrzehnte angelegt ist", sagte sie.

Die als Sanierungsexperten im Frühjahr engagierten KirchMedia-Geschäftsführer Wolfgang van Betteray und Heinz-Joachim Ziems hatten in der vergangenen Woche in einem Reuters-Interview die Zahl der Interessenten mit "mehr als zehn" beziffert. Rechtzeitig Gläubigerversammlung, die am 1. August geplant ist, wollen sie eine Liste der vorläufigen Angebote zusammenstellen, die bis September auf einige wenige eingegrenzt werden soll. Derzeit sind etwa 150 Vertreter der potenziellen Investoren in der KirchMedia-Konzernzentrale in Ismanig mit der Prüfung des umfangreichen Zahlenmaterials beschäftigt. Das sei sehr mühsam, sagte ein Beteiligter.

KirchMedia hatte als erste Gesellschaft des Medienimperiums von Leo Kirch am 8. April Insolvenz angemeldet. Betteray und Ziems wollen die Gesellschaft nun als integrierten Konzern mit Film- und Sportrechtehandel, einer stark reduzierten Produktion und der Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media erhalten.

Springer hält bereits 11,7 Prozent an der profitablen Sendergruppe, die als der wertvollste Teil von KirchMedia gilt. Springer-Chef Mathias Döpfner hatte schon früh die Absicht geäußert, aus diesem Engagement eine strategische Beteiligung zu machen, oder den Anteil zu verkaufen. "Ganz oder gar nicht", hatte er gesagt.

Nach Ansicht des Medienanalysten Bernard Tubeileh von der Investmentbank Merrill Lynch zeigt die Erweiterung des Bieterkonsortiums, dass eine Übernahme der KirchMedia durch ein deutsches Konsortium "sehr wahrscheinlich wird". Es sei das "stärkste deutsche Angebot".

Seiner Ansicht nach wäre die Integration der wichtigsten kommerziellen Privatsendergruppe mit sehr großen Vertretern der deutschen Verlagslandschaft "einzigartig in Deutschland". Daraus könnten sich "sehr große synergetische Effekte ableiten". Der Kaufpreis wird sich nach Ansicht von Tubeileh zwischen 2,0 und 3,5 Milliarden Euro bewegen.

Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer Verlags, bestätigte, dass der Springer-Verlag unter anderem mit dem US-Entertainmentkonzern Viacom und dem US-Milliardär Haim Saban über eine Beteiligung an der Bietergruppe verhandele. Für den Fall eines Einstiegs kündigte Döpfner die Änderung der KirchMedia-Ausrichtung an. "Klar ist, dass es nicht darum gehen kann, einen Filmhandel mit angeschlossenem Sendebetrieb zu unterhalten, sondern allenfalls einen Sendebetreiber, der von einem mit ihm verbundenen Filmstock profitiert", sagte Döpfner.

Derweil prüft der japanische Elektronikgigant Sony nach eigenen Angaben die Übernahme eines Minderheitsanteils an der KirchMedia. So könnte die Sony-Tochter Sony Pictures Entertainment die Filmbibliothek von KirchMedia übernehmen.

Wie der "Tagesspiegel" berichtete, ist im bevorstehenden Bieterverfahren das Konsortium aus Commerzbank und dem US-Filmstudio Columbia offenbar auf dem Rückzug. Ein Commerzbank-Sprecher sagte der Zeitung, ein Zuschlag bei Kirch stehe "nicht mehr im Vordergrund". "Wir grämen uns nicht, wenn ein anderes Konsortium zum Zuge kommt, das kompetent und zahlungsfähig ist", sagte der Sprecher. Die Commerzbank hat diese Darstellung mittlerweile zurückgewiesen.

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