Entscheidung noch offen
Telekom verhandelt über Voicestream-Zukunft

Die Deutsche Telekom führt Branchenkreisen zufolge mit mehreren Unternehmen Gespräche über ein mögliche Fusion ihrer US-Mobilfunktochter Voicestream.

Reuters FRANKFURT. Parallel dazu werde aber auch weiterhin eine eigenständige Zukunft für Voicestream geprüft. Wie es am Freitag in Kreisen hieß, befinden sich die Gespräche noch in einer sehr frühen Phase. Damit widersprachen die Kreise einem Bericht der "Financial Times" (Freitagsausgabe), wonach die Telekom und der US-Mobilfunkanbieter Cingular in weit fortgeschrittenen Verhandlungen über ein Zusammengehen von Voice-Stream mit dem zweitgrößten US-Branchenanbieter stünden. Eine Entscheidung zwischen den Alternativen Fusion oder eigenständiges Wachstum sei noch offen, hieß es. Als unwahrscheinlich gelte jedoch inzwischen ein Rückzug der Telekom aus dem US-Mobilfunkmarkt als dritte Option für die Zukunft von Voice-Stream.

Hintergrund der seit Wochen immer wiederkehrenden Berichte über Kontakte zwischen der Telekom und Voicestream einerseits und US-Mobilfunkanbietern mit gleichem Technikstandard wie AT&T Wireless oder Cingular andererseits sind finanzielle Engpässe bei der Telekom. Der Telekom fehlen den derzeitigen Planungen zufolge vier bis sieben Milliarden Euro, um die Verschuldung wie angekündigt auf 50 von derzeit 64 Mrd. Euro bis Ende 2003 senken zu können. Voicestream weist trotz steigender operativer Gewinne weiterhin auf Netto-Basis Verluste aus und kann daher sein Wachstum noch nicht selbst finanzieren. Zudem stehen rund 8 Mrd. Euro Schulden von VoiceStream in der Telekom-Bilanz.

Entscheidungen erst im November erwartet

Den Branchenkreisen zufolge ist in den nächsten Wochen nicht mit einer Ankündigung über eine Zusammengehen von Voicestream mit einem der größeren Wettbewerber mit GSM-Technologie zu rechnen. Denn die Telekom prüfe derzeit eine ganze Palette von Möglichkeiten zum Schuldenabbau und zur strategischen Ausrichtung. Mit Entscheidungen wolle sich das Unternehmen bis in den November hinein Zeit lassen. Entscheidungen über einzelne Maßnahmen seien daher bislang weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat gefallen.

Im Vordergrund der gegenwärtigen Bemühungen der Telekom zum Schuldenabbau dürfte den Kreisen zufolge der bereits seit längerem geplante Verkauf der restlichen TV-Kabelnetze stehen. Daraus erwartet das Unternehmen nach jüngsten Angaben einen Erlös von 2,5 bis 3,5 Mrd. Euro. Sollte der Verkauf abermals scheitern, würde sich den Kreisen zufolge die Notwendigkeit zum Schuldenabbau durch andere Maßnahmen erhöhen.

Erfolgreicher Marktstart in US-Bundesstaaten

Eine vollständige Trennung von Voicestream gilt nach dem derzeitigen Stand der Geschäftsentwicklung der US-Tochter als unwahrscheinlich. In den Unternehmenskreisen wird auf einen besser als erwartet verlaufenen Marktstart in den US-Bundesstaaten Nevada und Kalifornien verwiesen. Auch Analysten rechnen nach ihren jüngsten Gesprächen mit dem Telekom-Management im Rahmen einer Roadshow nicht mehr damit, dass der Bonner Konzern den teuer erkauften Markteintritt in den USA rückgängig machen wird. Als Begründung wird darauf verwiesen, dass Voicestream seine Kundenzahl schneller als erwartet steigere. Zudem sei der US-Mobilfunkmarkt lukrativ und verspreche im Gegensatz zu Europa noch erhebliches Wachstum.

Die Telekom-Aktien lagen am frühen Nachmittag in einem gut behaupteten Gesamtmarkt mit 4,6 % im Plus bei 10,10 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%