Entscheidung steht bevor – DSF verspricht schwarze Zahlen im nächsten Jahr
Berlusconis Mediaset bietet für Kirch Media

Am Mittwoch soll eine Vorauswahl beim Verkauf der insolventen Kirch Media getroffen werden. In letzter Minute entschied sich auch die italienische Fernsehgruppe Mediaset für eine Teilnahme am Bieterwettstreit.

MAILAND/DÜSSELDORF. Fast sieben Monate nach dem Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch herrscht noch keine Klarheit, wer bei der Kirch Media das Rennen macht. Wie am Dienstag bekannt wurde, wird nun auch der italienische Medienkonzern Mediaset für das ehemalige Herzstück der Kirch-Gruppe bieten. Kirch Media kontrolliert unter anderem den Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media.

Wie Mediaset-Präsident Fedele Confalonieri mitteilte, tritt die von Italiens Premierminister Silvio Berlusconi kontrollierte Fernsehgruppe dazu einem Bieterkonsortium von Altgesellschaftern (Prinz Al-Waleed, Handelskonzern Rewe, Commerzbank) unter Führung von Lehman Brothers bei. "Es wäre eine große Chance für uns, die zu Kirch gehörenden drei Sender im interessantesten Markt Europas betreiben zu können," sagte Confalonieri.

Die Kehrtwende von Mediaset kommt überraschend. Bis zur Insolvenz der Kirch-Media hatte sich das Unternehmen, das Berlusconis Familienholding Fininvest mit rund 48 % kontrolliert, zugeknöpft gezeigt. Man werde kein weiteres Geld in die Kirch-Gruppe investieren, lautete die stets gleiche Antwort auf Fragen nach einem Einstieg. Mediaset besaß 2,28 %, Fininvest weitere 2,48 % an der Kirch Media. Analysten haben bereits vor einem Engagement Mediasets bei Pro Sieben Sat 1 gewarnt.

Die Gläubigerversammlung von Kirch Media sollte ursprünglich heute über die Angebote für Kirch Media entscheiden. Wie Banken- und Kirchkreise übereinstimmend berichteten, werde lediglich eine Vorauswahl getroffen. Neben den Altgesellschaftern sind noch zwei weitere Konsortien im Rennen um Kirch Media: Als besonders aussichtsreich gilt der Verlag Heinrich Bauer, der zusammen mit der Hypo-Vereinsbank und dem Printkonzern Axel Springer Verlag bietet. Wie aus Bankenkreisen verlautete, hat Bauer gestern eine verbindliche Offerte vorlegt. Hier könnte auch noch der japanische Elektro- und Unterhaltungsriese Sony dazustoßen. Zudem haben der französische Sender TF1 und der amerikanische Investor Haim Saban ein Gebot abgegeben. Insider gehen davon aus, dass sich die bisherigen drei Konsortien noch ändern können. Ursprünglich sollte Kirch Media mit Filmrechtehandel, Filmbibliothek und der Mehrheit am TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 nach mehrmaligem Verschieben bis zum 30. Oktober verkauft werden. "Je länger der Verkaufsprozess dauert, desto billiger wird?s für die Investoren", sagte gestern ein Insider.

Bisher konnten die beiden Kirch- Media-Sanierer Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems nur einen Teilerfolg melden. Vor knapp zwei Wochen gelang es ihnen, die lukrative Tochter Kirch Sport AG an das Management um Ex-Fußballstar Günther Netzer und den französischen Investor und früheren Adidas-Sanierer Robert Louis-Dreyfus zu verkaufen.

Im Angebot ist auch das defizitäre Deutsche Sportfernsehen (DSF), 100-prozentige Tochter der Kirch Media. Senderchef Stefan Ziffzer bleibt gelassen: "Wir stehen als Teil des Ganzen auf dem Verkaufszettel. Wenn sich Einzelne interessieren, ist das auch in Ordnung." Das monatelange Pokerspiel schadet allerdings dem Sportkanal. "Wenn wir stabile Verhältnisse bei den Gesellschaftern haben, tun wir uns auch beim Verkauf von Werbezeiten leichter", prognostiziert Ziffzer. Für das DSF, das im Januar sein zehnjähriges Bestehen feiert, ist Ziffzer optimistisch: "Wir sind immer noch in den roten Zahlen, aber mit den bisher geringsten Verlusten in der Geschichte des Senders."

Quelle: Handelsblatt

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