Entscheidung über die Zukunft
T-Mobile USA wird vorerst nicht verkauft

Die Deutsche Telekom wird sich eigenen Angaben zufolge nicht von ihrer defizitären aber wachstumsstarken US-Mobilfunktochter trennen.

Reuters BONN. Ein Sprecher bestätigte am Mittwoch entsprechende Aussagen von Interims-Chef Helmut Sihler am Rande einer Demonstration von Konzernbeschäftigten in Bonn. Auf die Frage nach der Zukunft der bis vor kurzem unter dem Namen VoiceStream firmierenden US-Tochter T USA-Mobile habe Sihler gesagt, "ein Verkauf steht nicht an". Alle anderen Optionen blieben jedoch weiter bestehen. Damit kann die US-Tochter von der Telekom entweder in Eigenregie fortgeführt oder mit einem US-Konkurrenten zusammengelegt werden.

Am Donnerstag wird der Aufsichtsrat der Telekom eine Entscheidung über die Zukunft von T USA-Mobile treffen, wenn das Gremium über die weitere Strategie des hochverschuldeten Konzerns abstimmt. Die Telekom hatte die Firma im vergangenen Jahr für mehr als 40 Milliarden Dollar übernommen. T-Mobile ist der kleinste der sechs landesweiten Mobilfunkanbieter in den USA, hat jedoch seit Jahresbeginn rund 1,9 Millionen Kunden und damit mehr als die übrigen Konkurrenten hinzugewonnen. Mit steigender Kundenzahl kommt das Unternehmen dem kritischen Punkt näher, von dem an die Profitabilität gesichert ist.

Der Mitte Juli im Streit mit der Bundesregierung ausgeschiedene langjährige Telekom-Vorstandschef Ron Sommer hatte die Übernahme von VoiceStream eingefädelt und die Internationalisierung des Bonner Konzerns vorangetrieben. Angesichts der Schulden von rund 64 Milliarden Euro sucht das Unternehmen nach Sommers Abgang verstärkt nach Möglichkeiten, die Schulden zu reduzieren. Dazu sollen unter anderem Beteiligungen veräußert und Personalkosten gespart werden.

Analysten hatten in den vergangenen Monaten verstärkt dafür plädiert, VoiceStream zu verkaufen oder mit einem Konkurrenten wie AT&T Wireless oder Cingular zu fusionieren. Dadurch könnte der Konzern Milliardensummen bei den Netzinvestitionen sparen und Schulden aus der Bilanz tilgen, hatten die Experten geäußert. Gegen diese Überlegung sprach jedoch nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen der geringe Preis, der angesichts der am Boden liegenden Preise derzeit vür die US-Tochter zu erzielen wäre. Zudem habe sich herausgestellt, dass für eine Fusion mit einem Konkurrenten bis zu 15 Monate bis zur Genehmigung vergehen würden.

Interims-Chef Sihler wird am Donnerstag sein Amt niederlegen. Ein Telekom-Sprecher bestätigte Äußerungen Sihlers vom Mittwoch, wonach er am Donnerstag "definitiv aus dem Amt" scheiden werde. Bei der Wiederbesetzung des Vorstandsvorsitzes werde es "keine Überraschungen" geben, wurde Sihler zitiert. In den vergangenen Tagen hatte aus aufsichtsratsnahen Kreisen geheißen, dass T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke im Aufsichtsrat über eine solide Mehrheit verfüge, um Nachfolger von Sommer zu werden.

Anderen Stimmen zufolge steht aber auch noch ein bislang unbekannter Kandidat für die Sommer-Nachfolge bereit, der nicht zum Konzern gehöre. Ricke hat den Angaben zufolge vor allem die Arbeitnehmer hinter sich, um die angekündigte Streichung rund jeder fünften Stelle eventuell noch abzumildern.

Zudem hatte es in den Kreisen geheißen, dass Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus mittelfristig auf Betreiben der Bundesregierung als größtem Aktionär abgelöst werden soll. "Wer glaubt, dass Winkhaus auf der nächsten Hauptversammlung im Mai 2003 noch Aufsichtsratschef sein wird, ist ein Traumtänzer", hieß es in den Kreisen. Sihler zufolge steht am Donnerstag keine Entscheidung zum Aufsichtsratsvorsitz an: "Ich glaube nicht, dass da irgendeine Entscheidung in dieser Hinsicht fällt", zitierte ein Telekom-Sprecher den Noch-Unternehmenschef.

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