Entscheidung über Manila-Projekt bis Ende März: Fraport prüft weitere Abschreibungen

Entscheidung über Manila-Projekt bis Ende März
Fraport prüft weitere Abschreibungen

Der Flughafenkonzern Fraport nimmt bei seinem problematischen Auslandsprojekt in Manila weitere Abschreibungen ins Visier. Die Bilanzfachleute im Hause überprüfen derzeit einen solchen Schritt. Eine endgültige Entscheidung muss bis Ende nächsten Monats getroffen werden.

FRANKFURT/MANILA. Das umstrittene Terminalprojekt des Flughafenkonzerns Fraport in Manila droht neue Millionenlöcher in die Bilanz zu reißen. Informationen des Handelsblatts zufolge prüft der Vorstand, ob weitere Abschreibungen auf Fraports größtes Auslandsprojekt notwendig sind. Monatelange Gespräche mit der philippinischen Regierung haben bisher keinen Durchbruch gebracht. "Bis Ende März wird endgültig die bilanztechnische Bewertung des Manila-Engagements festgelegt", sagte ein Fraport-Sprecher.

Experten halten eine Wertberichtigung von rund 100 Mill. Euro für möglich. Für die Bilanz wäre dies ein schwerer Schlag: Diese Wertberichtigungen würden den Gewinn weitgehend aufzehren. Fraport erzielte 2001 einen Überschuss von rund 101 Mill. Euro. Das Jahresergebnis 2002 des Flughafenkonzerns will Fraport-Chef Wilhelm Bender am 29. April vorlegen. Im Terminalprojekt in Manila steht Fraport mit 383 Mill. $ im Risiko. Das Zerwürfnis mit dem lokalen Partner in der Projektgesellschaft Piatco sowie die Kontroverse mit der philippinischen Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo haben das einstige Prestigeprojekt für die Frankfurter in einen Albtraum verwandelt. Arroyo will die Konditionen, die Piatco mit ihrem über Korruption gestürzten Vorgänger Joseph Estrada ausgehandelt hat, nicht akzeptieren. Die Frankfurter drehten im Frühjahr 2002 den Geldhahn zu. Seitdem führt Fraport mit der Regierung Gespräche über eine Entschädigung des Projekts - bisher ergebnislos.

Fraport-Chef Wilhelm Bender hatte vor wenigen Wochen für 2002 noch ein stabiles Ergebnis in Aussicht gestellt. Der Konzernchef stellte die Prognose allerdings unter den Vorbehalt, dass mögliche Abschreibungen wegen Manila noch nicht enthalten seien. Doch die verfahrende Lage in Manila zwingt die Frankfurter wahrscheinlich zum Handeln. Denn eine Einigung über den Terminal ist nicht in Sicht. "Mit Sicherheit wird Arroyo in den kommenden Wochen keine Entscheidung treffen", hieß es in regierungsnahen Kreisen. Sie hat auch keinen autorisierten Verhandlungspartner ernannt.

Bender drohte jüngst mit einem Schiedsgericht bei der Weltbank, falls die philippinische Regierung nicht noch im Februar eine rechtlich bindende Entscheidung trifft. Der Fraport-Chef steht unter Zeitdruck: Der Vorstand muss jetzt über die Bilanz 2002 und weitere Abschreibungen entscheiden. Der Londoner Commerzbank-Analyst Dominic Edridge hält es für denkbar, dass die Wirtschaftsprüfer auf weitere Wertberichtigungen dringen, glaubt aber nicht, dass das Projekt vollständig abgeschrieben werden müsse. Bereits im vergangenen Jahr musste Fraport Sonderabschreibungen von knapp 60 Mill. Euro vornehmen.

Inzwischen sinkt der Wert des Fraport-Investments. Anfang Dezember legte der japanische Baukonzern Takenaka den 490 Mill. $ teuren Terminal still. Der insolvente Bauherr Piatco schuldet Takenaka rund 70 Mill $. Der Strom wurde abgeschaltet, die Klimaanlage steht still, die tropenempfindliche Elektronik wurde wieder ausgebaut und die 300 Informationsmonitore in Folien verschweisst. 42 Prüfvorgänge, darunter wichtige Sicherheitssysteme, sind unerledigt. Fertige Prüfungen müssten wiederholt werden, warnen die japanischen Prüfingenieure.

Das internationale Bankenkonsortium unter Führung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat sein Kreditpaket von 440 Mill. $ Ende Dezember 2002 gekündigt. Für die Inbetriebnahme - frühestens im Spätsommer - sind nochmals etwa 60 Mill. $ notwendig. Ende November 2002 hatte Arroyo alle Terminalverträge für null und nichtig erklärt. Begründung: Sie gingen zu Lasten des philippinischen Volkes.

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