Entscheidung über Sommer noch heute
T-Aktie am Tag der Entscheidung im Plus

Der Tag der Entscheidung des Telekom-Aufsichtsrats über Vorstandschef Ron Sommer ist von den Anlegern mit einem deutlichen Plus für die T-Aktie begrüßt worden.

HB FRANKFURT. Während die 20 Aufsichtsräte am Dienstagnachmittag ihre Sitzung in der Bonner Konzernzentrale begannen, verbuchte das Telekom-Papier einen Aufschlag von gut 5 % auf 10,83 ?. Bis zuletzt blieb unklar, ob eine Mehrheit für die erwartete Ablösung Sommers durch Technik-Vorstand Gerd Tenzer zu Stande kommen würde. Die Opposition verstärkte ihre Kritik am Vorgehen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der Regierung in der Telekom-Krise.

Händler sahen in dem Anstieg der Telekom-Aktie ein Zeichen für die Hoffnung der Anleger auf ein Ende des tagelangen Ringens um Sommer. "Ein gutes Zeichen ist, dass der Aufsichtsrat auf der heutigen Sitzung auf eine Entscheidung hinsteuert. Das beendet das unsägliche Hauen und Stechen und beruhigt die Anleger", sagte ein Händler. Andere sprachen wiederum von einer "technischen Reaktion" auf die drastischen Kursverluste des Vortages. Die T-Aktie hatte am Montag mehr als 15 % verloren. Auslöser war dem Vernehmen nach die Enttäuschung über die Kandidatur Tenzers.

Eine Berufung Tenzers galt als Notlösung. Sowohl im Vorstand wie auch im Aufsichtsrat gab es angeblich Widerstand gegen eine Berufung Tenzers. Die nach Spekulationen bereits sicher geglaubte Mehrheit von 14 der 20 Mitglieder für eine Ablösung Sommers war angeblich wieder ungewiss geworden. Sommer wollte früheren Informationen zufolge bei der Aufsichtsratssitzung um seinen Job kämpfen und seine Strategie verteidigen. Am Dienstag sickerten zunächst keine aktuellen Informationen aus Unternehmenskreisen durch. Offizielle Angaben gab es schon seit Tagen keine.

Nach Informationen des "Handelsblatts" sollen mehrere Aufsichtsräte vor der Sitzung sogar einen Rücktritt des Chefs des Gremiums, Hans-Dietrich Winkhaus verlangt haben. Sie hätten dem ehemaligen Henkel-Chef vorgeworfen, den Wechsel an der Telekomspitze dilettantisch vorbereitet zu haben. Er habe sich ohne Not auf die Einmischung von Schröder und Finanzminister Hans Eichel eingelassen.

An den Finanzmärkten wurde spekuliert, dass Sommer Vorstandschef des größten Telekommunikationsunternehmens bleiben könnte. Die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz erneuerte dagegen ihre Forderung nach einem Rücktritt des Telekom-Chefs.

Nach Aktienrecht war der Aufsichtsrat in der Pflicht, für eine Abberufung Sommers einen "wichtigen Grund" zu präsentieren. Als solche gelten grobe Pflichtverletzung, Unfähigkeit zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung oder Vertrauensentzug durch die Hauptversammlung. Sommer werden schon seit langem der Kursverfall der T-Aktie, drastisch überteuerte Unternehmenszukäufe und ein zu langsamer Abbau des Schuldenbergs von mehr als 60 Mrd. ? zur Last gelegt. Medienberichten zufolge soll der Kanzler seine Ablösung anstreben. Berlin hat stets eine Einmischung bei der Telekom zurückgewiesen.

Rund 250 Telekom-Mitarbeiter demonstrierten vor der Konzernzentrale in Bonn gegen eine Ablösung Sommers. "Lieber Sommer- Hoch als Schröder-Tief", war auf den Transparenten der Demonstranten zu lesen. Sie wurden in Bussen zum Hauptquartier gebracht.

Am Tag der Aufsichtsratssitzung tauchten neue Spekulationen über die wirtschaftliche Lage der Telekom auf. Die "Financial Times Deutschland" berichtete am Dienstag unter Berufung auf ein internes Papier, der Vorstand halte ein geringeres Wachstum beim Umsatz und beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) als bisher erwartet für möglich. Das EBITDA könnte bis 2005 jährlich um 9 bis 16 % wachsen, der Umsatz um 5 bis 14 %. Sommer hatte ein zweistelliges Plus als Ziel vorgegeben. Die Verlustzone werde die Telekom diesem Szenario zufolge erst im Jahr 2005 verlassen, schrieb die Zeitung.

Der Konzern dementierte einen Bericht der "Welt" (Dienstagausgabe), wonach das Auslandsgeschäft der Mobilfunksparte T Mobile - schlechter laufe als erwartet. Ein Telekom-Sprecher bestätigte einer Nachrichtenagentur zwar die im Zeitungsbericht genannte Zahl von 10 Mrd. ? an geplanten Investitionen in den Bereich. Diese seien jedoch für die Jahre 2003 bis 2005 schon seit längerem geplant gewesen und würden den Schuldenabbau nicht beeinflussen.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel warf der Bundesregierung beim Krisenmanagement für die Telekom erneut Versagen und stümperhaftes Vorgehen vor. CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz hielt der Regierung gezielte Stimmungsmache gegen Sommer vor. "Das gesamte Dilemma, das wir hier im Augenblick erleben, ist der Bundesregierung anzulasten", meinte er.

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