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Entscheidung über „Tagesspiegel“ vermutlich erst im Herbst

Die Entscheidung über die Neuordnung des Berliner Zeitungsmarkts zieht sich weiter in die Länge. Im Verfahren über einen möglichen Verkauf der "Berliner Zeitung" an den Holtzbrinck-Konzern ("Tagesspiegel", "Die Zeit") gibt es nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums keinen genauen Zeitplan für das weitere Vorgehen.

dpa BERLIN. Das Ministerium ließ am Samstag auch offen, ob nochmals eine Anhörung mit den beteiligten Verlagen stattfinden wird. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ist die Entscheidung frühestens im Herbst zu erwarten.

Der Holtzbrinck-Konzern will die "Berliner Zeitung" zusätzlich zum direkten Konkurrenten "Tagesspiegel" übernehmen, den er bereits besitzt. Das Bundeskartellamt hatte dies aus wettbewerbsrechtlichen Gründen abgelehnt. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat vor der Entscheidung über eine mögliche Sondererlaubnis zur Auflage gemacht, dass Holtzbrinck die Unverkäuflichkeit des "Tagesspiegels" nachweisen kann. Interesse an dem defizitären Blatt hat unter anderem der Bauer-Verlag ("Bravo", "TV Movie", "Neue Revue") aus Hamburg.

Mittlerweile liefern sich Holtzbrinck und Bauer eine heftige Auseinandersetzung. In einem Schreiben an Clement warfen Holtzbrincks Anwälte dem Konkurrenzverlag vor, die Marktlage in Berlin falsch einzuschätzen, wie ein Konzernsprecher am Samstag bestätigte. Möglicherweise handele es sich bei dem Angebot um ein "taktisches Manöver in Fremdinteresse". Damit spielten die Anwälte auf den Springer-Verlag an, der aus Sorge um seine eigenen Berliner Blätter verhindern will, dass "Berliner Zeitung" und "Tagesspiegel" unter ein Dach kommen.

Im Gegenzug hielt Bauer nach Informationen des "Spiegels" Holtzbrinck vor, bislang überhaupt keine ernsthaften Verkaufsbemühungen unternommen zu haben. Demnach bot Bauer für den "Tagesspiegel" 20 Millionen Euro und eine Bestandsgarantie von fünf bis sieben Jahren. In einem Brief an Clement habe sich Bauer bereit erklärt, das Blatt auch länger zu erhalten. Das Ministerium wollte zu dem Bieterverfahren, das von der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim geführt wurde, keine Stellung nehmen.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" lehnte Sal. Oppenheim das Bauer-Angebot ab, weil die "Grundlagen der Kaufpreisbindung nicht nachvollziehbar" seien. Eine Absage erteilte die Bank nach diesen Informationen auch dem Süddeutschen Verlag, der den "Tagesspiegel" mit dem Mantel der "Süddeutschen Zeitung" und einer 15-köpfigen Rest-Redaktion für das Lokale weiterführen wollte.

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