Entscheidung über Verkauf der Verlagssparte steht bevor
Vivendi-Chef bringt Sanierungsplan voran

Ans Eingemachte geht es nächste Woche für Jean-René Fourtou, Chef des französisch-amerikanischen Mischkonzerns Vivendi Universal. Er hat gute Karten, Anteilseigner, Banken und Aktionäre von seinem Sanierungsplan zu überzeugen. Vor allem bei der Cegetel-Beteiligung lässt Fourtou gegenüber Vodafone-Chef Gent die Muskeln spielen.

HB/cn/and PARIS/LONDON. Der Kalender von Jean-René Fourtou, Chef des französisch-amerikanischen Mischkonzerns Vivendi Universal (VU) ist prall gefüllt. Am Mittwoch stellt der VU-Chef dem Verwaltungsrat seinen Plan vor, wie er den mit 19 Mrd. Euro verschuldeten Konzern sanieren und neu aufstellen will. Kern ist der Verkauf der Verlagssparte Vivendi Universal Publishing (VUP). Bis Montag müssen Interessenten ihre Angebote abgeben, schon zur Verwaltungsratssitzung zwei Tage später will Fourtou entscheiden. Und ebenfalls am Montag läuft der Aktionärspakt von Cegetel ab.

Fourtou streitet mit Vodafone-Chef Chris Gent über die Kontrolle des profitablen Telefonkonzerns. Vivendi versucht den Briten momentan auszuspielen und verhandelt trotz eigener Finanzkrise mit der BT Group, die gerne ihre 26 % an Cegetel verkaufen möchte. BT-Manager Pierre Danon bestätigte gestern in London, dass sein Konzern sowohl mit VU als auch mit Vodafone über den Cegetel-Anteil verhandele. "Beide Firmen zeigen einiges Interesse an unserem Anteil", so Danon. Bislang galt Vodafone als klarer Kaufkandidat. Laut Danon hat sich durch den Bieterstreit der Preis für BT verbessert. Bislang hatte der Konzern mit 5 Mrd. Euro gerechnet. Analysten sehen den Wert des Cegetel-Anteils jedoch eher bei 3,7 Mrd. Euro.

Vivendi besitzt bereits 44 % an Cegetel. Fourtou will den Anteil ausbauen und damit die Kontrolle über einen Cash-Flow von 2 Mrd. Euro bekommen. Ein Bankier in Paris lobt die Strategie: "Cegetel ist eine Milchkuh, die Fourtou melken will." Aber das möchte auch Mobilfunkexperte Gent.

Fourtou will aber hart bleiben: Denn über Cegetel kontrolliert VU 80 % am Mobilfunkanbieter SFR, Frankreichs Nummer zwei - und SFR will Fourtou auf keinen Fall hergeben. Ein Übernahmeangebot Gents für SFR lehnte er vor kurzem bereits ab.

Mit seiner Strategie hat Fourtou, der Anfang Juli den VU-Chefsessel von seinem geschassten Vorgänger Jean-Marie Messier übernommen hat, einiges erreicht. Die Verkäufe des Internetportals Vizzavi, des Dekoderproduzenten Canal Plus Technologies und der Presseaktivitäten brachten 500 Mill. Euro in die klamme Konzernkasse.

Dass Fourtou wie angekündigt in neun Monaten für 5 Mrd. Euro Konzernteile verkauft möchte, stärkt das Vertrauen der Banken. Rechtzeitig vor der Verwaltungsratssitzung bekam Fourtou diese Woche Rückendeckung. Die Banken sagten ihm einen Kredit über 3 Mrd. Euro zu. Dieser ersetzt den Notkredit von 1 Mrd. Euro, den er kurz nach Amtsantritt bekam. "Bis Sommer 2003 haben wir damit Zeit gewonnen", heißt es bei Vivendi erleichtert.

Kurz vor dem Abschluss steht auch der Verkauf des italienischen Pay-TV-Senders Telepiù an Rupert Murdochs News Corp - auch wenn Fourtou dem Vernehmen nach beim Preis deutliche Abstriche hinnehmen muss: Er wollte 1,5 Mrd. Euro, dürfte aber nur 1,1 Mrd. Euro bekommen. Absegnen wird der Verwaltungsrat zudem die Börsengänge der neuen Canal-Plus-Gruppe sowie der Videospielsparte VUG von VUP. Jeweils 2 Mrd. Euro hofft Fourtou damit im Frühjahr einzunehmen.

Problematischer für Fourtou ist wie Cegetel auch VUP. Der VUP-Verkauf trifft auf politische Hürden in Paris. Frankreichs Regierung fordert von Fourtou, dass das französische Verlagsgeschäft in französischer Hand bleibt. Fourtou will jedoch VUP, zu dem außer einer Reihe französischer Traditionsverlage auch der US-Verlag Houghton Mifflin gehört, als Ganzes verkaufen. Er hofft auf 3,5 Mrd. Euro.

Drei US-französische Konsortien bieten um VUP. Nach Presseberichten ist das Konsortium aus den US-Investmentfirmen Apax Partners, Thomas H. Lee Partners, Blackstone Group und Bain Capital sowie der Pariser Paribas Affaires Industrielles der Favorit Fourtous.

Quelle: Handelsblatt

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