Entscheidung über Zulassung der Klage steht aus
Eschede-Opfer klagt in USA gegen Bahn

Mehr als 80 Hinterbliebene und Opfer des verheerenden Zugunglücks von Eschede wollen jetzt in den USA hohe Schmerzensgelder erstreiten. Zunächst hat in New York ein amerikanisches Opfer der Zugkatastrophe eine Schmerzensgeldklage gegen die Deutsche Bahn AG eingereicht, teilte US-Anwalt Ed Fagan am Dienstag in Berlin im Namen der 25-jährigen US-Amerikanerin mit.

HB/dpa BERLIN. Sie hatte das Unglück schwer verletzt überlebt. Der Klage wollen sich nach Angaben des deutschen Anwalts Reiner Geulen 84 Deutsche anschließen, die bei der ICE-Katastrophe am 3. Juni 1998 Angehörige verloren hatten oder verletzt wurden.

101 Menschen starben bei dem schwersten Zugunglück in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Hochgeschwindigkeitszug war wegen eines gebrochenen Radreifens entgleist und gegen eine Brücke nahe dem niedersächsischen Eschede geprallt.

Vor der Konzernzentrale der Bahn in Berlin versammelten sich am Dienstag zusammen mit den Anwälten einige Hinterbliebene. Sie trugen Plakate wie "Gerechtigkeit für ICE-Opfer". Der Sprecher des Vereins Selbsthilfe Eschede, Heinrich Löwen, sagte, die Hinterbliebenen würden von der Bahn schäbig behandelt. Erst im September hatte ein Berliner Gericht höhere Schmerzensgeldforderungen zurückgewiesen. Zunächst muss das New Yorker Gericht über die Zulassung der Klage entscheiden. In den USA können hohe Schmerzensgelder eingeklagt werden.

Die Deutsche Bahn AG betonte in einer Stellungnahme, sie habe Opfern und Hinterbliebenen unbürokratisch bislang rund 25 Mill. Euro gezahlt, obwohl die Schuldfrage noch nicht geklärt ist. In einem Strafprozess müssen sich derzeit in Celle drei Ingenieure verantworten. Auch an die verletzte Amerikanerin sei mehr gezahlt worden als nach deutschem Recht üblich.

Bahnchef Hartmut Mehdorn bedauerte erneut die Katastrophe und erklärte zugleich: "Wenn gewisse Anwälte, die vor allem selbst erheblich daran verdienen, jetzt in die USA gehen, weil sie in Deutschland nach Recht und Gesetz dieses Millionen-Geschäft auf Kosten der Opfer nicht machen können, so sollen sie das tun."

US-Anwalt Fagan, der durch seine Holocaust-Sammelklagen bekannt geworden war, erhob schwere Vorwürfe gegen die Bahn. Das Unternehmen habe den Profit über die Sicherheit der Passagiere gestellt. Der ICE sei nicht sicher genug gewesen. "Die Deutsche Bahn hat uns furchtbar behandelt", warf er dem Konzern vor.

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