Entschlossene Kämpfer aus Pakistan
Wieder Zivilisten bei US-Luftangriffen getötet

Bei neuen amerikanischen Luftangriffen im Raum Kabul sind nach Augenzeugenberichten am Sonntag zehn Zivilisten getötet worden. Erstmals wurde auch das Gebiet der Nordallianz getroffen, die Verbündeten der USA im Kampf gegen die gegen die Regierung. In zwei Dörfern starben nach Berichten der Bewohner drei Menschen.

Reuters KABUL. Im benachbarten Pakistan machten sich am Sonntag 4500 bewaffnete Freiwillige wieder auf den Weg nach Afghanistan, um der dortigen Regierung der radikalislamischen Regierungspartei Taliban gegen die USA zu helfen. Nach den Anschlägen am 11. September haben die USA einen Feldzug gegen die ihrer Meinung nach Verantwortlichen begonnen.

Die Nachtangriffe waren nicht so intensiv wie die als besonders heftig beschriebenen Einsätze von Freitag auf Samstag, gingen aber auch bei Tagesanbruch weiter. Sie sollen der Nordallianz, der früheren Regierung, den Vormarsch nach Kabul ermöglichen, von sie die Taliban 1996 vertrieben. In der Hauptstadt gab es am Morgen zwei Einschläge. Nahe einer Flugabwehrstellung der Regierungstruppen im Stadtteil Kalaje Chatir wurde ein Haus getroffen. Die Mutter berichtete weinend, ihr Mann und ihre sieben Kinder seien tot. Sie hätten gerade beim Frühstück gesessen. Augenzeugen berichteten, an einer anderen Stelle Kabuls sei ein Kleinbus mit einer anderen Familie getroffen worden, die vor den Luftangriffen habe fliehen wollen. Zwei Menschen seien getötet, die anderen verletzt worden.

Beim ersten versehentlichen Einschlag in besiedeltem Gebiet der Nordallianz starben am Samstag drei Menschen. In der Ortschaft Ghanichel trugen am Sonntag die Menschen die Frau zu Grabe, die von einer Rakete getötet worden war. Zehn weitere Bewohner des Dorfes wurden verletzt. Ein paar Kilometer weiter südlich, in der Ortschaft Chanaka, habe eine Rakete zwei Kinder getötet, berichteten verletzte Durchreisende dem Ortskommandanten Isatullah. Der arabische Fernsehsender El Dschasira meldete den Tod von zehn Menschen in einem Dorf der Nordallianz, nannte aber keinen Ortsnamen.

Die Regierung sagt, seit Beginn des Luftkrieges am 7. Oktober seien etwa 1000 Zivilisten ums Leben gekommen. Zudem zwangen irrtümliche Treffer in Lagerhäusern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Kabul die Hilfsorganisation am Samstag, die Versorgung der Menschen in der Hauptstadt einzustellen.

Kenner des Landes sagten am Wochenende in einer Zwischenbilanz, die Taliban hätte ihre 90 % des Landes so fest im Griff wie zuvor. Die Taliban-Strukturen seien noch völlig intakt, sagte Fasal-ur-Rahman, ein Wissenschaftler des pakistanischen Institutes für Strategische Studien. Ein Sprecher der französischen Hilfsorganisation Action Contre la Faim, die mit 700 Mitarbeitern in Afghanistan vertreten ist, bestätigte dies. Von einem Zusammenbruch könne derzeit keine Rede sein. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte, ihr Fanatismus werde die Taliban vielleicht noch bis nächstes Jahr durchhalten lassen.

Zu den entschlossensten Kämpfern gehören die Freiwilligen aus den arabischen Staaten, Pakistan und Tschetschenien in den Verbänden der Taliban und der El Kaida. Diese internationale Organisation des moslemischen Extremisten Osama bin Laden vermuten die USA hinter dem gewaltsamen Tod von vermutlich mehr als 5400 Menschen am in New York sowie bei Washington und Pittsburgh.

In Pakistan sind seit Samstag 4500 weitere Freiwillige mit Bussen, Lastwagen und anderen Fahrzeugen zur afghanischen Ostprovinz Kunar unterwegs, um sich dem Kampf gegen die USA anzuschließen. Sie sind unter anderem mit Sturmgewehren und Garantwerfern bewaffnet. Sie hatten zwölf Kilometer vor der Grenze übernachtet. Pakistan hat sich den USA beim "Feldzug gegen den internationalen Terrorismus" angeschlossen, doch sieht sich Präsident Pervez Musharraf wachsendem Widerstand der eigenen radikalen Moslems gegenüber. Die Freiwilligen-Brigade wird von einem der Wortführer der Islamisten, Sufi Mohammad, kommandiert. Für Montag hat die Partei Dschamiat Ulema Islam zu landesweiten Protesten aufgerufen.

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