Entsendung britischer Soldaten
USA unterstützen die Nordallianz mit Luftangriffen

Mit der Bombardierung von Stellungen der Taliban an der Frontlinie zur oppositionellen Nordallianz haben die USA in der Nacht zum Dienstag ihre Luftangriffe in Afghanistan fortgesetzt.

rtr WASHINGTON/KABUL. "Unsere Bemühungen aus der Luft dienen ganz klar dazu, diese Truppen (der Nordallianz) am Boden dabei zu unterstützen, dass sie mehr Land erobern können", sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Washington. Der Vertreter der Nordallianz in den USA, Haron Amin, rief die USA dazu auf, die Angriffe eng mit den Truppen der Opposition abzustimmen, damit diese stärker gegen die Taliban und die Organisation des moslemischen Extremisten Osama bin Laden, El Kaida, vorrücken könne.

"Wir waren dazu bereit, und sind es ganz sicher immer noch, die Truppen der Allianz vorwärts zu bringen, sowohl im Norden wie im Süden", sagte Rumsfeld. Die Kampfflugzeuge griffen Stellungen der regierenden Taliban nördlich von Kabul und bei der im Norden des Landes gelegenen Stadt Masar-i-Scharif an. Die Stadt ist ein wichtiger Stützpunkt für den Nachschub für die von den Taliban beherrschte Hauptstadt. Die Nordallianz kontrolliert etwa zehn Prozent des Landes. Sie kündigte einen baldigen Sturm auf Masar-i-Scharif an.

Stellungen der Taliban wurden nahe Kali Nasru in zwei Wellen mit je zwei Flugzeugen angegriffen. Nach der ersten Welle stieg schwarzer Rauch auf, nach der zweiten gab es zwei heftige Explosionen. Die Taliban reagierten mit Abwehrfeuer. General Baba Dschan von der Nordallianz sagte in seinem etwa fünf Kilometer entfernten Hauptquartier, das Ziel sei offenbar genau getroffen worden. Was das Ziel gewesen war, sagte er nicht. Nordallianz-General Baryalai sagte in Deschitikala, ein Angriff auf Masar-i-Scharif stehe unmittelbar bevor. "Wir wollen heute angreifen", sagte er. Ein offenbar einzelnes Kampfflugzeug griff Augenzeugenberichten zufolge am frühen Dienstagmorgen Ziele in der Hauptstadt Kabul an. Es habe vier bis fünf Explosionen gegeben. Die genauen Ziele waren jedoch zunächst unklar.

Nordallianz-Sprecher Amin sagte im US-Fernsehsender PBS, die Allianz werde auf Kabul vorrücken, die Stadt jedoch nicht erobern. Zunächst müsse die politische Zukunft Afghanistans geklärt sein. Die Allianz arbeite mit den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft zusammen, sagte Amin. Er begrüßte die jüngsten Angriffe der USA. Diese richteten sich nach seinen Angaben gegen Taliban-Kämpfer, die sich verschanzt hätten und gegen Stellungen an der Front zur Allianz. Die USA sollten ihre Angriffe eng mit der Nordallianz koordinieren. In diesem Fall sei es möglich, "die Zahl der Taliban und die der El Kaida enorm zu reduzieren".

Großbritannien will nach Angaben aus Verteidigungskreisen rund 1000 Soldaten in die Region um Afghanistan entsenden. Unter den Soldaten befänden sich auch Mitglieder der Eliteeinheit Special Air Service (SAS), hieß es am Dienstag in den Kreisen. Möglicherweise würden auch Fallschirmjäger und Marinesoldaten entsendet, um Einsätze der SAS zu schützen, sagten Verteidigungsvertreter. Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte dem Radiosender BBC, der Einsatz britischer Bodentruppen sei eine Option. "Wir haben immer Truppen bereit, die sehr kurzfristig eingesetzt werden können", sagte er.

Schily: El-Kaida-Mitglieder vielleicht noch in Deutschland

Mitglieder der El-Kaida-Organisation des moslemischen Extremisten Osama bin Laden könnten sich Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) zufolge noch in Deutschland aufhalten. Vielleicht gebe es noch einige Personen, die noch nicht bekannt seien, sagte Schily in Washington. Die größte Bedrohung gehe von "kriminellen und terroristischen Netzwerken" aus, zu denen aber nicht nur El Kaida gehöre. Mehr als 3,2 Millionen Moslems leben in Deutschland, sagte Schily, die meisten von ihnen seien friedlich und rechtschaffend. Es gebe aber eine kleine Minderheit, die die Anschläge in den USA befürwortet habe. Dagegen müsse vorgegangen werden.

Während seines Besuchs in Washington sollte Schily mit US- Justizminister John Ashcroft sowie Vertretern der US- Bundespolizei FBI und des Geheimdienstes CIA sprechen. Von den vermutlich 19 Attentätern, die an den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das US-Verteidigungsministerium bei Washington beteiligt gewesen sein sollen, studierten mindestens drei in Hamburg. Schily zufolge arbeiten die deutschen Behörden bei den Ermittlungen mit dem FBI zusammen. Die USA haben Bin Laden für die Anschläge vom 11. September verantwortlich gemacht, bei denen vermutlich etwa 5 400 Menschen starben.

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