Enttäuschende Geschäftszahlen vieler Dot.com-Firmen
Internetfirmen: Trend zu Fusionen und Übernahmen

Der Trend zu Fusionen und Übernahmen bei Internetfirmen am Frankfurter Neuen Markt wird sich nach Analysteneinschätzung im kommenden Jahr verstärken.

Reuters FRANKFURT. Zu den Gewinnern dieses Prozesses dürften laut einer Reuters-Umfrage unter Analysten vom Freitag Unternehmen zählen, die in der Euphorie-Phase Anfang 2000 an die Börse gegangen seien, einen hohen Emissionserlös erzielten und somit jetzt genügend Finanzmittel für Akquisitionen besäßen. Eine Internet-Euphorie wie im Frühjahr dieses Jahres wird es ihrer Einschätzung 2001 nicht geben. Die Investoren würden bei ihren Kaufentscheidungen selektiver vorgehen und nicht mehr jede Internet-Firma in ihr Depot legen, sagten die Analysten.

Die Zeiten am Neuen Markt, als die Anleger alles gekauft hätten, was mit Internet zu tun habe, seien vorbei, sagte BW-Bank-Analyst Viktor Hund. Diese Meinung teilen Stefan Borscheid, Analyst der HypoVereinsbank, und Michele Lang vom Bankhaus Sal. Oppenheim. "Dieses hohe Niveau werden wir 2001 nicht mehr sehen", sagte Lang. Auch DG-Bank-Analyst Matthias Dürr geht davon, dass die Euphorie nach Internet-Werten "wir in dieser Form nicht mehr bekommen werden". Der im Mai dieses Jahres offiziell ins Leben gerufene Index Nemax-Internet, der alle Internet-Titel des Neuen Marktes umfasst, erreichte am 16. desselben Monats sein Jahreshoch bei 114,39 Zählern. Im März hätte der Nemax-Internet sogar über 180 Punkten gelegen, wäre er damals schon eingeführt gewesen, sagte Dürr. Anfang Dezember notierte der Index auf seinem vorläufigen Jahrestief bei 35,79 Punkten. Der alle Werte des Neuen Marktes umfassende Nemax-All-Share erreichte sein Jahreshoch Mitte März bei 8546,19 Punkten und sein Tief Anfang Dezember bei 2849,09 Zählern.

Die Analysten führten den Einbruch bei den Internetwerten auf die zunehmend enttäuschenden Geschäftszahlen vieler Dot.com-Firmen zurück. "Die hohen Bewertungen und Wachstumsprognosen waren einfach nicht mehr aufrechtzuhalten", sagte Borscheid. Als die ersten Internet-Firmen in Liquiditätsschwierigkeiten gerieten, sei dies die "Initialzündung für den Abwärtstrend" gewesen, sagte der Analyst. Nach Einschätzung Dürrs platzte die Blase am Neuen Markt, als an der US-Technologiebörse Nasdaq die ersten Pleiten zu sehen waren. Die Investoren hätten daraufhin vorsichtiger agiert und angefangen, das Geschäftsmodell der jeweiligen Internet-Firma zu hinterfragen.

Angesichts der Verluste, die viele Anleger mit Internet-Aktien in diesem Jahr erzielt hätten, erwartet Hund, dass sich der Internet-Sektor im Jahr 2001 schlechter als der Gesamtmarkt entwickeln werde. Auch die anderen Analysten gehen davon aus, dass die Anfang 2000 erzielten Steigerungsraten bei Internet-Aktien im kommenden Jahr nicht wieder erreicht würden. "Für die Unternehmen kommt es nun darauf an, ihr Business-Modell zu konsolidieren, um in absehbarer Zeit einen Ertrag zu erwirtschaften", sagte Dürr. "Wachstumspotenzial ist nach wie vor vorhanden, da viele Firmen in Deutschland noch enormen Nachholbedarf beim Einsatz der Internet-Technologie besitzen", sagte Borscheid.

Allerdings rechnen die Finanzexperten damit, dass sich im kommenden Jahr die Spreu vom Weizen trennen wird. "Der bereits eingeleitete Konzentrationsprozess wird 2001 definitiv zunehmen", sagte Dürr. Nur wer eine kritische Größe erreiche und über eine gewisse Marktbekanntheit verfüge, könne auf Dauer bestehen, sagte Lang. Die besten Erfolgsaussichten besäßen dabei die "Unternehmen der ersten Stunde". Wer rechtzeitig an die Börse gegangen sei, habe genügend Kapital aufnehmen können, um seine Marktposition zu festigen und auszubauen, sagte Borscheid. Der Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft Union Investment, Rüdiger Ginsberg, hält es für wahrscheinlich, dass rund zwei Dutzend der am Neuen Markt notierten Aktien in den kommenden Monaten wieder vom Kurszettel verschwinden. Besonders Internet-Portale ohne Markennamen und Internet-Service-Provider seien aufgrund kostspieliger Marketingmaßnahmen von ihrer Existenz bedroht, sagte Ginsberg bei der Vorlage des Geschäftsberichts Ende November.

Gute Chancen, sich im nächsten Jahr erfolgreich am Markt zu behaupten, sieht Dürr bei der Web.de AG, deren Business-Modell schnelle Profitabilität erwarten lasse. Sein Kollege von der HypoVereinsbank rechnet mit einer überdurchschnittlichen Entwicklung bei Pixelnet. Lang von Sal. Oppenheim empfiehlt die Tomorrow Internet AG und United Internet AG zum Kauf.

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