Enttäuschende Prognose von Intel – Motorola erstmals seit 2000 wieder mit Quartalsgewinn
Chipbranche vor schwachem Weihnachtsgeschäft

Der Ausblick für die Hersteller von Speicherchips und Mikroprozessoren ist auch zu Beginn der Weihnachtssaison trübe. Hatten die Kurse der Technologiewerte in den vergangen Tagen noch rasant zugelegt, so brachen sie gestern wegen enttäuschender Quartalszahlen des Marktführers Intel Corp. ein.

FRANKFURT/MÜNCHEN. Die Amerikaner sorgten zudem mit sehr verhaltenen Prognosen für Ernüchterung an den Börsen. Intel-Finanzvorstand Andy Bryant warnte, dass das derzeit laufende vierte Quartal "am unteren Ende dessen ausfallen wird, was wir normalerweise erwarten." Intel geht von einem Umsatz zwischen 6,5 Mrd. $ und 6,9 Mrd. $ aus. Sollte es dabei bleiben, würden die Einnahmen zum Jahresende - einer normalerweise sehr umsatzstarken Zeit - im Vergleich zum dritten Quartal stagnieren. Von Juli bis September hat Intel 6, 5 Mrd $ umgesetzt.

"Die Leidensfähigkeit der Firmen ist groß", beschreibt Intel-Deutschland-Chef Jürgen Thiel die Kaufzurückhaltung vor allem bei den wichtigen Unternehmenskunden. Selbst veraltete Systeme würden derzeit nicht ersetzt, klagt der Manager. Immerhin: Der Gewinn lag in Deutschland mit 686 Mill. $ deutlich über dem Vorjahreswert von 106 Mill. $.

Die nun schon seit mehr als einem Jahr andauernde Krise der Halbleiterbranche hinterlässt tiefe Wunden in den Bilanzen der Produzenten. Ein Beispiel: Die großen Investmentbanken gehen davon aus, dass die deutsche Infineon AG das vergangene Geschäftsjahr, das am 30.9. endete, mit mehr als 1 Mrd. Euro Verlust abgeschlossen hat. Für 2002 prognostiziert der Marktforscher Gartner der Branche Umsätze von insgesamt 152 Mrd. $ - das ist nicht mehr als im Vorjahr und enttäuschend für Unternehmen, die über Jahrzehnte zweistellige Wachstumsraten gewohnt waren. Erst 2003 soll die Nachfrage wieder leicht steigen.

Die lange Flaute macht den Firmen besonders zu schaffen, weil das Geschäft wegen des rasanten technologischen Fortschritts extrem kapitalintensiv ist. Doch die geringe Nachfrage nach Personalcomputern - in die wird die Hälfte der weltweit produzierten Halbleiter eingebaut - lässt die Preise für Speicherchips und Prozessoren immer weiter in den Keller gehen. Infineon hat deshalb eine drastische Kürzung der Investitionen angekündigt.

Eine weitere bittere Folge des Einbruchs: Der in der Halbleiterbranche übliche Kreislauf aus Überversorgung und Lieferengpässen fällt stärker aus als je zuvor. Wegen der sinkenden Nachfrage bauen die Unternehmen Kapazitäten ab und investieren weniger in neue Fabriken. Zieht die Nachfrage wieder an, sind Lieferengpässe unvermeidbar. "Es ist praktisch unmöglich, Angebot und Nachfrage langfristig ins Gleichgewicht zu bringen", urteilt Derek Lidow, Chef von Isuppli, einem Spezialisten für den Einkauf elektronischer Bauteile.

Um nicht ganz in die Falle zu laufen und für einen möglichen Aufschwung gerüstet zu sein, baut Intel seine Kapazitäten wesentlich weniger ab als nötig - nimmt dafür aber eine geringere Marge in Kauf. Die Bruttomarge lag jetzt mit 49 % am unteren Ende der Erwartungen.

Doch es gibt auch positive Zeichen: Der Auslastungsgrad der Chipproduzenten steigt wieder. Schon für 2004 rechnen Experten mit Lieferengpässen. "Weltweit produzieren derzeit rund 1 100 Chipfabriken Halbleiter", rechnet Lidow vor. "Drei bis vier Jahre" dauere der Aufbau einer Chipfabrik, bis voll produziert werden könne. "Derzeit gibt es aber nur acht neue Chipfabriken, die im Stadium der Fertigstellung sind." Höhere Preise seien also schon jetzt absehbar.

Der US-Technologiekonzern Motorola Inc. hat erstmals seit dem Jahr 2000 wieder einen Quartalsgewinn ausgewiesen - trotz gesunkener Umsätze. Allerdings ging der Umsatz in der Sparte Personal Communications, die Mobiltelefone herstellt, um 2 % zurück, die Aufträge brachen um 16 % ein. Deshalb senkte der Konzern seine Prognose für den weltweiten Absatz von Mobiltelefonen für 2002 um zehn Millionen auf 390 Millionen Handys. Grund für die geringere Erwartung sei vor allem die schwache Nachfrage nach Handys in Europa und Asien.

Quelle: Handelsblatt

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