Enttäuschendes Quartal
Linde korrigiert Prognosen nach unten

Die anhaltend schlechte Konjunktur hat dem Wiesbadener Mischkonzern Linde im zweiten Quartal deutlich zu schaffen gemacht. Das Unternehmen verfehlte die Erwartungen der Analysten beim Ergebnis und revidierte zudem seine Ertragsprognosen für das Gesamtjahr.

Reuters FRANKFURT/M. 2002 werde Linde beim Vorsteuerergebnis (Ebt) das Niveau des Vorjahres voraussichtlich nicht erreichen, teilte der Industriegase- und Gabelstaplerspezialist am Donnerstag mit. Beim Umsatz rechne der Konzern allerdings im Vorjahresvergleich weiterhin mit einer Steigerung. Konkrete Zahlen nannte Linde indes nicht. Bislang hatte es geheißen, im Gesamtjahr 2002 werde voraussichtlich auch das Vorsteuerergebnis zunehmen. Linde stellte aber auf Grund eines außerordentlichen Ertrages einen Jahresüberschuss über dem Niveau des Vorjahres in Aussicht. Analysten bezeichneten die vorgelegten Quartalszahlen als enttäuschend, die Linde-Aktie gehörte am Donnerstag zeitweise zu den größten Verlieren im Deutschen Aktienindex.

Linde legte mit dem Zwischenbericht erstmals die Rechnungslegung nach den IAS-Bilanzierungsregeln vor. Die Vergleichszahlen des Vorjahres wurden entsprechend angepasst.

Gabelstapler-Geschäft belastet

Das Konzernergebnis bei Linde wurde im zweiten Quartal vor allem durch deutliche Einbußen im Geschäftsfeld Material Handling, der Gabelstaplersparte, belastet. "Die Entwicklung im Gabelstaplergeschäft verbessert sich nicht so schnell, wie wie erwartet hatten", sagte Linde-Finanzchef Hero Brahms. Dort brach das operative Ergebnis (Ebita) im Vergleich zum Vorjahresquartal um ein Drittel auf 38 Millionen Euro ein. Im Bereich Gas und Engineering sowie in der Kältetechnik verzeichnete Linde hingegen Ergebniszuwächse.

Auf Konzernebene wies Linde im zweiten Quartal beim Ebita im Vergleich zum Vorjahresquartal einen Rückgang von 13,2 Prozent auf 151 Millionen Euro aus. Das Vorsteuerergebnis (Ebt) fiel um ein Drittel auf 63 Millionen Euro. Analysten hatten im Durchschnitt beim Ebita mit 190,7 und beim Ebt mit 124,5 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz lag mit 2,164 Milliarden Euro 3,3 Prozent unter Vorjahr. Analysten hatten mit einem höheren Umsatz von 2,190 Milliarden Euro gerechnet.

Ausblick bleibt schwierig

Ungüstige Aussichten für den deutschen Markt und zunehmende Währungsveränderungen machten es schwierig, eine verlässliche Prognose für 2002 abzugeben, teilte Linde weiter mit. Bei der Gablerstapler-Sparte gehe Linde für 2002 von einem Umsatz und einem Ergebnis unter dem Niveau von 2001 aus, hieß es. Zur Zeit sei eine Abschwächung des europäischen Gabelstaplermarktes von etwa neun bis zehn Prozent festzustellen, sagte Linde-Finanzchef Brahms. Für das gesamte Jahr rechne Linde mit einem Rückgang der Auslieferungen, der unter sechs Prozent liegen werde. Insgesamt sei auf dem Markt im Juli aber eine leichte Verbesserung festzustellen. "Dies werde hoffentlich weiter so gehen", sagte Brahms.

Für die Gase und das Engineering werde hingegen für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von Umsatz und Ertrag gerechnet, bei der Kältetechnik werde ein Ertragsplus bei gleich bleibendem Umsatz erwartet.

Analysten enttäuscht

Analysten zeigten sich von den vorgelegten Zahlen enttäuscht. "Vor allem das Ergebnis bei Material Handling hat mich enttäuscht", sagte Hans-Peter Wodniok, Analyst bei Credit Lyonnais in Frankfurt. Auch scheine es, dass Linde allgemein die Personalkosten nicht im Griff habe. Carsten Kunold, Analyst bei der ING BHF Bank, begründete die Abweichungen der Expertenschätzungen von den ausgewiesenen Ergebnissen zum Teil mit der Umstellung von HBG auf IAS. "Doch auch sonst waren die Zahlen nicht besonders gut." Vor allem im Bereich Gabelstapler rechne Kunold mit einem starken Margenrückgang. Im Gegensatz dazu stehe Linde im kleineren Anlagenbaubereich Engineering "extrem gut" da.

Die Linde-Aktie gab in einem freundlichen Gesamtmarkt um 5,50 Prozent auf 43,85 Euro ab. Der Dax lag gleichzeitig mit 0,6 Prozent im Plus bei 3891 Punkten.

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