Enttäuschung in den USA wächst – Auch in Deutschland kein Ende der Krise in Sicht
IT-Industrie vertagt Aufschwung

In den USA hatte sich die IT-Branche vom Ende der Ferienzeit einen Aufschwung erhofft. Traditionell steigen im Herbst die Verkäufe von PCs. Doch in diesem Jahr bleibt die Nachfrage mager und die Prognosen müssen revidiert werden. Auch in Deutschland sinken die Chancen auf ein Wachstum der Branche.

SAN FRANCISCO/FRANKFURT. Die Chancen der IT-Industrie, das Jahr 2002 durch einen Schlussspurt noch halbwegs erfolgreich abzuschließen, sinken immer weiter. Lange Zeit hatten Top-Manager der amerikanischen High-Tech-Firmen die Hoffnung, dass nach der Sommerflaute die Erholung einsetzen könnte. Doch jetzt macht sich auf beiden Seiten des Atlantiks herbe Enttäuschung breit.

In den USA haben der Chiphersteller Intel sowie die Computerkonzerne Hewlett-Packard (HP) und Sun Microsystems in den vergangenen Wochen bereits ihre Umsatzprognosen gesenkt. Doch was noch schlimmer ist: Niemand scheint zu wissen, ob die Durststrecke 2003 vorüber sein wird. "Seit ich mich erinnern kann, erleben wir erstmalig zwei Jahre in Folge, in denen sämtliche Prognosen der Experten falsch waren", stellte Henning Kagermann, Vorstandssprecher des deutschen Softwareriesen SAP nüchtern fest.

Analysten bleiben skeptisch

Noch rechnen die Walldorfer Spezialisten für Unternehmenssoftware zwar mit 5 bis 10 % Wachstum, doch viele Analysten sind skeptischer. Die Investmentbank Goldman Sachs hat vorsichtshalber das Kursziel für SAP-Aktien gesenkt. Der Grund: "Wir haben uns mit wichtigen Partnern von SAP getroffen, und da zeichnete sich ab, dass der Ausblick für die zweite Jahreshälfte schlechter als von uns erwartet ist."

Konsolidierungskurs der IT-Industrie setzt sich fort

Auch der deutsche Branchenverband Bitkom schlägt bei seinem Ausblick verhaltene Töne an: "Die konjunkturelle Lage hat sich - wie Anfang des Jahres noch erhofft - nicht aufgeklärt und der Konsolidierungskurs in der IT-Industrie setzt sich fort", sagte Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder dem Handelsblatt. Nach den Fertigungsbetrieben in der Hardwarebranche habe es in Deutschland jetzt die Software- und IT-Service-Unternehmen erwischt. Besonders Softwareunternehmen, die individuelle Lösungen für Unternehmen programmieren, und IT-Service-Anbieter befinden sich derzeit "in der schwierigsten Situation, die es bisher in dieser Branche gegeben hat", so Rohleder. Doch gleichzeitig betonte er, dass es parallel auch Wachstumsfelder gebe. So könnten beispielsweise Internetanbieter wie T-Online mit einem kräftigen Wachstum aufwarten.

USA setzt Hoffnungen auf "Back-to-School-Verkauf"

In den USA ruhten große Hoffnungen der Branche auf dem "Back-to-School-Verkauf" am Ende der Sommerferien. Dann legten im größten IT-Markt der Welt in der Vergangenheit auch die PC-Verkäufe zu. Doch in diesem Jahr fällt der Aufschwung offensichtlich schwächer aus als erhofft.

"Die Idee einer Erholung in der zweiten Jahreshälfte ist so ziemlich gestorben", sagte Brett Barry, Fondsmanager beim Investmenthaus Bailard, Biehl & Kaiser. Zum Wochenbeginn revidierte der Marktforscher IDC seine PC-Markt-Prognose für das Jahr 2002 deutlich nach unten. So sollen nach neuesten Schätzungen in diesem Jahr weltweit zwar 135,5 Mill. Computer verkauft werden. Doch das ist gegenüber dem Vorjahr lediglich ein Plus von 1,1%. Im Frühjahr war IDC noch davon ausgegangen, dass die Verkäufe um 3% steigen. "Es kann gut sein, dass wir bis Mitte nächsten Jahres warten müssen, bevor sich der Aufschwung einstellt", so IDC-Analystin Loren Loverde.

Kurz zuvor hatte das Investmenthaus UBS Warburg den Ausblick für die Nachfrage nach Computerchips gesenkt: Der Umsatz mit Halbleiterprodukten werde 2002 bestenfalls um 2 % steigen und schlimmstenfalls um 2 % fallen. Bis vor kurzem hatte die UBS noch ein Wachstum von bis zu 5 % in dieser Sparte voraus gesagt. So hat sich auch die Erholung der Speicherchippreise vom Frühjahr inzwischen in Luft aufgelöst. Das Researchunternehmen SES rechnet für den deutschen Chiphersteller Infineon in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von 9,25 %. Auch den Chipmaschinenherstellern, deren Geschäft häufig als erste Frühindikatoren für die gesamte Technologiebranche gewertet werden, geht es nicht besser. Der Umsatz soll im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 % sinken.

Doch auch langfristig scheint sich die Branche auf härtere Zeiten einzurichten. "Die IT-Branche steht unter enormem Druck und wir glauben, dass der bestehen bleibt, auch wenn sich die Gesamtwirtschaft erholt", sagte HP-Chefin Carly Fiorina vor Analysten.

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