Enttäuschung über Arbeit der Justiz
Korruptions-Richter von Chirac-Affären gibt Amt auf

Der Untersuchungsrichter diverser Finanzaffären um Staatspräsident Jacques Chirac hat aus Enttäuschung über die Arbeit der Justiz sein Amt aufgegeben.

dpa PARIS. Die Untersuchungen der millionenschweren Affären um Parteispenden und öffentliche Bauaufträge seien "sabotiert" worden, sagte der 42-jährige Eric Halphen der Tageszeitung "Le Parisien" (Montagausgabe).

"Man hat mich ständig daran hindern wollen, die Untersuchungen weiter zu führen", sagte der Richter, der von 1994 bis Herbst 2001 die Untersuchungen aus Chiracs Amtszeit als Pariser Bürgermeister geleitet hatte. Er habe sein Ideal vom gleichen Recht für alle verloren, sagte er. "Ich habe die Schattenseite des Systems kennen gelernt". Genaue Pläne über seine Zukunft hat der Richter noch nicht. "Ich werde auf Arbeitssuche gehen. Man muss auch mal wagen, sein Leben zu verändern".

Im März vergangenen Jahres hatte Halphen mit einer Vorladung an Chirac zu einer Zeugenvernehmung großes Aufsehen erregt. Der Staatspräsident hatte die Vorladung strikt abgelehnt und mit seiner Immunität als Staatspräsident begründet. Im September 2001 wurde Halphen die Untersuchung der Affäre entzogen.

Eine Videokassette mit posthumen Geständnissen eines Eintreibers illegaler Spenden hatte diese Affäre vor zwei Jahren ins Rollen gebracht. Es geht dabei um 600 Mill. Franc (200 Mill. DM) Schmiergelder bei der Vergabe öffentlicher Bauaufträge zwischen 1977 bis 1995, als Chirac Bürgermeister von Paris war.

Die Gelder sollen Chiracs neogaullistischer Partei RPR zugeflossen sein. In der Videokassette hatte ein Bauunternehmer erklärt, Chirac sei "Anstifter und hauptsächlicher Nutznießer" dieses illegalen Finanzierungssystems gewesen.

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