Enttäuschung über EZB-Beschluss
Euro auf Jahrestief gefallen

Der Euro ist nach dem Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag, die Leitzinsen in der Euro-Zone unverändert zu lassen, auf den tiefsten Stand in diesem Jahr gefallen. Händler begründeten das mit der Sorge, die EZB werde womöglich zu spät mit einer Zinssenkung auf das sich abschwächende Wachstum in der Euro-Zone reagieren.

rtr FRANKFURT. Am Devisenmarkt war in den vergangenen Tagen wegen Äußerungen führender EZB-Vertreter die Spekulation über eine Zinssenkung gewachsen. Die EZB hat die Leitzinsen seit Oktober 2000 stabil gehalten, während die Notenbanken in den USA und Japan ihre Geldpolitik wegen der dort schlechten Konjunkturaussichten bereits gelockert haben. Der Euro war kurz nach dem EZB-Beschluss mehr als einen halben US-Cent auf 0,8821 $gefallen und konnte sich dann nur kurzzeitig etwas erholen.

In New York ging der Euro am Abend (MESZ) mit 0,8826/30 $aus dem Handel.Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor mit 0,8840 (0,8860) $f estgelegt. Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Kurs des Euro mit unverändert 0,8868 $ festgestellt. Damit kostete der Dollar weiter 2,2055 DM.
"Die EZB hat den Markt heute enttäuscht und weitere Enttäuschung wird zu Verlusten beim Euro führen", sagte ein US-Devisenanalyst. Wenn eine Notenbank bei nachlassendem Wachstum eine konjunkturstützende Haltung einnehme, nütze dies der Währung. "Aber die EZB fühlt sich offenbar ihrem Inflationsziel stärker verpflichtet als dem Wachstum", sagte Nick Stamenkovic von Nomura International in London. Die Entwicklung der Inflation und der Geldmenge sind die beiden Säulen, an der die EZB ihre Geldpolitik ausrichtet. Oberstes Ziel dabei ist ein stabiles Preisniveau.

EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte sich allerdings in der vergangenen Woche skeptisch zu den Wachstumsaussichten der Euro-Zone geäußert. Analysten hatten das als klares Signal für eine bevorstehende Zinssenkung gewertet, und an den Finanzmärkten hatten Issings Äußerungen die Spekulation auf einen solchen Schritt schon in dieser Woche entfacht. Vor kurzem noch hatten sich die EZB-Vertreter optimistischer über das Wachstum geäußert, das sie bisher in diesem Jahr mit knapp drei Prozent nur etwas schwächer veranschlagten, als es im Vorjahr ausgefallen war. In der Euro-Zone mehren sich allerdings die Anzeichen, dass sich die Konjunktur stärker verlangsamt als bisher angenommen. So war die Industrieproduktion im Januar knapp zwei Prozent gesunken. In Deutschland und Frankreich hat die Zuversicht der Unternehmen für die Wirtschaft stark abgenommen.

Auch der Yen steht unter Druck

Die meisten Volkswirte waren von dem Stillhalten der EZB nicht überrascht. Sie halten eine Zinssenkung aus konjunkturellen Gründen für geboten und erwarten sie nun beim nächsten Ratstreffen am 11. April oder spätestens im Mai. Einige Volkswirte teilten jedoch die Sorge der Finanzmärkte, die Notenbank könne zu lange warten und die schwächere Konjunktur zusätzlich dämpfen. "Hoffentlich werden sie bei ihrem nächsten Treffen in zwei Wochen etwas unternehmen, sonst haben wir weitere Turbulenzen zu befürchten", sagte Adolf Rosenstock von der japanischen Bank Nomura.

Erneut unter Druck wegen trüber Konjunkturaussichten war auch der Yen. Die Sorgen um die wirtschaftlichen Aussichten Japans haben am Donnerstag nach Angaben von Händlern neue Nahrung durch unerwartet schwache Produktionsdaten und den höchsten Tagesverlust der Tokioter Börse seit April letzten Jahres erhalten. Zudem zeichnete Notenbank-Chef Hayami ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Perspektiven seines Landes. Hayami hatte in Tokio gesagt, das Wirtschaftswachstum sei zum Stillstand gekommen und werde vermutlich für einige Zeit stagnieren. Der Yen verlor zeitweise mehr als ein Prozent zu Euro und Dollar und notierte am späten Abend wieder etwas stabiler mit 123,66/76 Yen pro Dollar. Der Euro gab seine Kursgewinne zur japanischen Währung wieder ab und kostete 109,17/35 Yen nach in der Spitze 109,62 Yen.

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