Enttäuschung über Wirtschaftsdaten
Fed-Zielsatz bleibt unverändert

Die US-Notenbank Fed hat die Leitzinsen am Dienstag erwartungsgemäß unverändert auf dem niedrigsten Stand seit vier Jahrzehnten gelassen und zugleich ihre Bereitschaft zu weiteren Zinssenkungen signalisiert, sofern dies erforderlich werden sollte.

HB/dpa WASHINGTON. Die amerikanische Notenbank (Fed) ist mit der Wirtschaftsentwicklung seit dem Ende des Irak-Kriegs unzufrieden. Dennoch beließ sie die Leitzinsen am Dienstag unverändert bei 1,25 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit mehr als 40 Jahren. Der Zinssatz gilt seit vergangenen November.

"Die jüngsten Daten zur Wirtschaftsaktivität und zur Situation auf dem Arbeitsmarkt sind enttäuschend, obwohl sie überwiegend Entscheidungen reflektieren, die vor dem Ende der Kampfhandlungen getroffen worden", teilte die Notenbank mit. Der für die Zinsentscheidung zuständige Offenmarktausschuss wollte sich nicht festlegen, ob daraus eine weitere Abkühlung oder ein Konjunkturaufschwung anzuleiten sei.

Es bestehe aber die Gefahr eines erheblichen Inflationsrückgangs, eine Entwicklung, die die Notenbank als "unwillkommenen" bezeichnet. Ökonomen sehen darin die Gefahr einer Abwärtsspirale in Richtung Deflation. Die Wahrscheinlichkeit sei allerdings gering, hieß es. In der Gesamtbetrachtung liege das Risiko deshalb eher bei anhaltender Konjunkturschwäche "auf absehbare Zeit".

Trotzdem geht die Notenbank nach eigenen Angaben bis auf weiteres davon aus, dass sich die Wirtschaft dank gesunkener Ölpreise, gewachsener Verbraucherzuversicht und niedriger Zinsen von allein erholt. Weitere Zinssenkungen sind nach Überzeugung langjähriger Fed - Beobachter damit nicht ausgeschlossen. Die Risikoeinschätzung der Notenbank gilt als Indikator für zukünftige Zinsentscheidungen.

Die Hoffnung auf einen kräftigen Aufschwung nach dem schnellen Ende des Krieges haben sich bislang nicht erfüllt. Die Arbeitslosenquote in den USA stieg im April weiter auf sechs Prozent. Dagegen äußerten sich Verbraucher wieder zuversichtlicher als im Monat davor. Der Index, den das Conference Board, ein Forschungsinstitut der Privatwirtschaft erhebt, legte im April mit knapp 20 Punkten so stark zu wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Ob sich dies aber in größerer Ausgabefreudigkeit widerspiegelt, bleibt abzuwarten. Die US-Verbraucher tragen mit ihren Ausgaben zwei Drittel der Wirtschaft.

Präsident George W. Bush wirbt deshalb aggressiv für eine weitere Steuersenkung, die nach seiner Überzeugung Unternehmer zu Investitionen und Verbraucher zum Geldausgeben animieren würde. Sein Plan, die Steuer auf Dividenden abzuschaffen, scheint im Kongress aber keine Mehrheit zu bekommen. Als Kompromiss arbeiten die Ausschüsse an einem Vorschlag zur Senkung der Dividenden- und Kapitalertragssteuer auf 15 Prozent. Bush will über die nächsten zehn Jahre mindestens 550 Milliarden Dollar Steuern erlassen. Kritiker halten das ausufernde Haushaltsdefizit dagegen und wollen die Steuersenkung erheblich begrenzen.

Die US-Wirtschaft wuchs im 1. Quartal um 1,6 Prozent auf hochgerechneter Jahresbasis, nach 1,4 Prozent im Vorquartal. Ökonomen rechnen bis Ende des Jahres mit einem Wachstum um drei Prozent.

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