Enttäuschung wegen G20-Treffen
Euro bricht auf neues Rekordtief ein

Der Euro ist am Mittwoch erstmals in seiner Geschichte weniger als 0,83 US-Dollar wert gewesen.

dpa-afx FRANKFURT .Der Euro ist am Mittwoch erstmals in seiner Geschichte weniger als 0,83 US-Dollar wert gewesen. Die Währung sackte auf das Rekordtief von 0,8284 US-Dollar ab. Der Markt reagiere enttäuscht darauf, dass auf dem Treffen von 20 führenden Industrie- und Schwellenländern Schritte zur Stützung der Gemeinschaftswährung ausgeblieben seien, berichteten Händler. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 0,8307 (Dienstag: 0,8386) US-Dollar fest und damit so niedrig wie nie zuvor. Der Dollar kostete daher 2,3544 (2,3323) DM.

Keine Interventionen erwartet

Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt erwarten keine Euro-Interventionen als Ergebnis des Treffens der G20 in Montreal. Zusätzlich laste ein Interview von US-Finanzminister Larry Summers auf der Gemeinschaftswährung. "Ich habe den Grundsatz der Vereinigten Staaten, dass ein starker Dollar in unseren Interessen liegt, viele Male erklärt", hatte Summers am Dienstag gesagt. Die negative Grundstimmung für die Gemeinschaftswährung sowie die am Dienstag unerwartet schwach ausgefallene Industrieproduktion des Euroraums verschärften den Abwärtstrend noch, erklärten die Volkswirte. Im Euroraum war die Industrieproduktion im August gegenüber dem Vormonat nur um 0,2% gestiegen, obwohl 0,6% erwartet worden waren.

Neue Kurstiefen in Sicht

Neue Kurstiefen seien in Sicht, warnte Devisenhändler Russell Bloom von Standard & Poor's. Auf den Märkten machten immer mehr Gerüchte die Runde, dass die niederländische Bank ING für die US-Investmentbank Bear Sterns ein Übernahmeangebot unterbreite. Damit würde noch mehr Kapital aus dem Euroraum in die US-Wirtschaft fließen.

Der Euro bleibe auf seinen Tiefständen, prognostizierte ein japanischer Händler. Die Europa-Währung dürfte noch die Marke von 0,80 US-Dollar testen. Die EZB scheine abzuwarten und eine nachhaltige Erholung des Euro nicht voranbringen zu wollen. Was den Euro wirklich beflügeln könne, sei eine Rezession in den USA, sagte der Händler.

Enttäuschendes G20-Treffen

Das G20 Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer habe bisher nicht die erhoffte Schubkraft für den Euro entwickelt, erklärte der Händler. Der Devisenmarkt erwarte Maßnahmen der G20 gegen den Euro. Blieben diese aus, so dürfte der Euro in den kommenden Tage heftig nach unten absacken. Eine Stützungslinie macht der fernöstliche Händler bei 0,8320 USD aus.

Vor den umstrittenen Kommentaren von EZB-Präsident Wim Duisenberg in der vergangenen Woche habe der Schwellenwert noch bei 0,85 US-Dollar gelegen. Mittlerweile rechneten Anleger damit, dass die EZB erst bei Kursen von weniger als 0,82 in die Devisenmärkte eingreifen werde.

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