Entwarnung bei Inflation wäre verfrüht
EZB: Warnung vor Gefahren der Preisstabilität angesichts anhaltend hoher Ölpreise

Reuters FRANKFURT. Angesichts anhaltend hoher Ölpreise hat EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing am Montag erneut vor Gefahren für die Preisstabilität in der Euro-Zone gewarnt. Es sei zu früh von einer Entwarnung bei der Inflation zu sprechen, sagte Issing am Rande einer Wissenschaftskonferenz über die EZB in Frankfurt. "Die jüngsten Ölpreisveränderungen tragen nicht zu einem ruhigeren Umfeld für die Inflation bei", fügter er hinzu. Dass weiterhin potenzieller Inflationsdruck bestehe, habe die Europäische Zentralbank (EZB) bereits in ihrem letzten Monatsbericht dargelegt. Einen Zusammenhang zwischen den Inflationsdaten und dem Marktzins beim Zinstender sieht Issing jedoch nicht.

Auf ihrer Ratssitzung am 8. Juni hatte die EZB bei ihren Hauptrefinanzierungsgeschäften den Wechsel vom Mengen- zum Zinstender angekündigt. Am Nachmittag ist der erste Zinstender mit dem von der EZB angekündigten Mindestbietungssatz von 4,25 % ausgeschrieben worden.

Issing verteidigte die EZB gegen Vorwürfe, sie äußere sich nicht eindeutig über ihre Geldpolitik und es mangele deshalb an Transparenz. Die Grundaussagen, die die EZB über ihre verschiedenen Kanäle - von der Pressekonferenz, über den Monatsbericht bis zu den einzelnen Ratsmitgliedern - kommuniziere, wichen nicht substanziell voneinander ab. "Leicht (unterschiedliche) Nuancen in der Darstellung der Nachricht sollten nicht mit Unterschieden in der Substanz verwechselt werden", fügte er an die Adresse der EZB-Beobachter gerichtet hinzu.

Teil der "Kommunikationslücke" zwischen EZB und Öffentlichkeit sei die "unverhältnismäßig" hohe Aufmerksamkeit, die die Medien und die Öffentlichkeit dem Wechselkurs des Euro schenkten, sagte Issing weiter. Die Medien sähen die Währungsunion und den Euro häufig als eine Art "olympisches Wettrennen" mit anderen wichtigen Währungen. Doch gehe es der EZB primär darum, den Binnwenwert des Euro zu stabilisieren und damit Bedingungen für dauerhafte Stabilität und Wohlstand in Europa zu erreichen. Transparenz sei für eine junge Institution wie die EZB von entscheidender Bedeutung. Doch habe die Transparenz und Vorhersagbarkeit der Geldpolitik auch Grenzen. Einfache Regeln, wie beispielsweise die vorherige Ankündigung eines zukünftigen Zinspfades oder anderer geldpolitischer Maßnahmen seien sehr skeptisch zu beurteilen, erklärte der EZB-Chefvolkswirt. Solche Maßnahmen könnten zu einer "oberflächlichen und irreführenden" Transparenz mit scheinbarer Genauigkeit führen, die sich negativ auf die Glaubwürdigkeit der EZB auswirken könne.

Gleichzeitig verteidigt Issing die an der Geldmenge und an den für die Preisentwicklung wichtigen Faktoren orientierte Zwei-Säulen-Strategie der EZB. Offenkundig zeigten Indikatoren beider Säulen zeitweise in unterschiedliche Richtungen. "Diese Art widersprüchlicher Daten ist ganz normal... Ich sehe dass als eine Stärke, nicht als eine Schwäche unseres Ansatzes an", fügte er hinzu.

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