Entwicklung der Bankgeschäfte und die internationale Bankenaufsicht
Kapital ersetzt kein internes Kontrollsystem

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland wird im Laufe des Jahres vierzigtausend übersteigen. Und wie bei allen Wirtschaftskrisen zuvor, werden die Banken auch dieses Mal auf dem falschen Fuß erwischt. Ihre Bilanzen werden durch hohe Risikovorsorgen verhagelt.

Auf der Ertragsseite ist nach dem starken Margenverfall im Kreditgeschäft kein Ausgleich zu erwarten. Überdies ist das lukrative Provisionsgeschäft im Zuge schwacher Finanzmärkte eingebrochen.

Müssen wir uns vor diesem Hintergrund um die Stabilität unseres Finanzsystems sorgen? Werden nach dem Desaster mit der Bankgesellschaft Berlin und der Schmidt Bank noch weitere Banken in den Strudel der Pleitewelle gezogen?

Risikomanagement und Anreizsystem: Wieso werden die Banken auch in diesem Zyklus in vollem Umfang von der Rezession getroffen? Haben Sie nicht hohe Summen in neue Risikomanagementsysteme investiert, die internen Prozesse und Kontrollen verbessert?

Kreditinstitute haben risikosensitive Systeme aufgebaut

Zahlreiche Kreditinstitute, angefangen mit den Großen, wie Deutsche Bank oder Hypovereinsbank haben tatsächlich risikosensitive Systeme aufgebaut. Sie bilden die notwendige Voraussetzung um unnötige Risiken zu vermeiden, gewinnbringende Risiken richtig zu bepreisen und einen risikogerechten Puffer für unerwartete Verluste vorzuhalten.

Fraglich ist jedoch deren Bedeutung im Entscheidungsprozess. Noch immer hängen die persönlichen Zielboni der operativen Entscheider, die nicht selten weit mehr als die Hälfte des gesamten Jahressalärs betragen, von Volumina und Bruttoerträgen ab.

Risikoadjustierte Kennzahlen, die bereits im Zeitpunkt der Kreditentscheidung das Risiko adäquat berücksichtigen, fehlen nahezu gänzlich in den Anreizsystemen. Hier müssen unverzüglich Anpassungen vorgenommen werden.

Die Risikosysteme sind so weiterzuentwickeln, dass sie integrierte Ertrags-Risikokennzahlen liefern. Und diese Kennzahlen müssen in Anreizsysteme eingebaut werden. Kreditinstitute, denen dies gelingt, werden sich vom Wirtschaftszyklus entkoppeln.

Pleitewellen, die Kreditinstitute heute noch fürchten müssen, werden ihnen bei konsequenter Umsetzung die Bilanz im Kreditgeschäft nicht länger verhageln.

Die internationale Bankenaufsicht hat diese Probleme erkannt. Bislang war nach dem Baseler Akkord von 1988 (Basel I) die Anwendung interner Modelle - sofern diese von der nationalen Bankenaufsicht anerkannt sind - nur zur Steuerung des Marktrisikos für die bankenaufsichtliche Eigenkapitalberechnung zulässig.

Als konsequente Weiterentwicklung von Basel I enthält das zweite Konsultationspapier vom Januar 1999 (Basel II) Vorschläge, die Eigenkapitalanforderungen an Kreditinstitute auch für Kreditrisiken und operationelle Risiken vom ökonomischen Risiko abhängig zu machen und das Risikomanagement der Banken zu stärken. Das Konzept basiert auf drei Säulen.

Kernstück der ersten Säule ist die Zulassung interner Modelle zur Berechnung der Eigenkapitalunterlegung für Kreditrisiken und - getrennt hiervon - für operationelle Risiken.

Grundvoraussetzung ist, dass die Kreditinstitute ihre Risiken auch tatsächlich mit diesen Modellen steuern.

Risikomanagement und Anreizsysteme für die Entscheider in den Banken müssen zusammen passen.

Die zweite Säule - das aufsichtliche Überprüfungsverfahren - stellt ein Paradigmenwechsel zu einer stärker qualitativ ausgerichteten Bankenaufsicht dar. Die Stabilität des Bankensystems oder die Solvenz einer Bank kann nicht alleine durch eine risikoadäquate Eigenkapitalausstattung gewährleistet werden.

Im Mittelpunkt steht die Forderung nach einer angemessenen Eigenkapitalausstattung einer Bank im Verhältnis zu ihrem Risikoprofil. Die Weiterentwicklung und Verbesserung der Risikomangementverfahren zur Steuerung und Überwachung der Risiken spielt hierbei eine wichtige Rolle: Die jüngste Vergangenheit hat eindrucksvoll gezeigt, dass Kapital kein Ersatz für ein schwaches internes Kontrollsystem bzw. ein unzureichendes Risikomangement ist.

Eine qualitative Bankenaufsicht erfordert qualitative Normen. Die ""Risk Management Group"" des Baseler Ausschusses hat hierzu zahlreiche Dokumente veröffentlicht. Diese gelten als Benchmark in der internationalen Bankenaufsicht.



  • Karlheinz Bölz und Stefan Thorsch, Senior Manager Ernst & Young



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%