Entwicklung hängt vom Irak-Krieg ab: Flughafen Wien-Ergebnis wie erwartet

Entwicklung hängt vom Irak-Krieg ab
Flughafen Wien-Ergebnis wie erwartet

Die Flughafen Wien AG liegt mit den heute veröffentlichten endgültigen Zahlen 2002 in etwa in den Erwartungen von Analysten. Diese hatten im Mittel einen Konzernumsatz von 318,78 Millionen Euro geschätzt, das Betriebsergebnis (Ebit) im Mittel mit 96,58 Millionen Euro angenommen.

Reuters WIEN. Der von Reuters erhobene Mittelwert für den Jahresüberschuss lag hingegen etwas höher bei 75,28 Millionen Euro.

Bei einem Konzernumsatz von 318,4 (320,1) Millionen Euro sei ein EBIT von 97,1 (85,2) Millionen Euro und ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von 105,6 (96,9) Millionen Euro erzielt worden. Der Jahresüberschuss habe 70,3 (66,3) Millionen Euro betragen. Flughafen Wien bilanziert nach International Accounting Standards (IAS).

Ausschlaggebend für die Ergebnisse seien die insgesamt gute Verkehrsentwicklung und der Einmaleffekt durch Rückstellungen für Pensionen in der Höhe von 19,9 Millionen Euro gewesen. Für 2002 wolle Flughafen Wien eine höhere Dividende von 2,0 (1,9) Euro je Aktie ausschütten.

"Der Gewinn je Aktie ist um sechs Prozent auf 3,4 Euro je Aktie gestiegen und da wir wieder 60 Prozent des Überschusses ausschütten, ergibt sich eine höhere Dividende von zwei Euro je Aktie," erklärte Flughafen Wien-Vorstandssprecher Herbert Kaufmann am Donnerstag vor Journalisten.

An der Wiener Börse notierten die Aktien gegen 13:50 MESZ bei 30,97 (30,79) Euro fester. Seit Jahresbeginn haben sie damit 3,2 Prozent an Wert verloren. Der ATX hat seither rund drei Prozent zugelegt.

Entwicklung 2003 stark von Dauer des Irak-Krieges abhängig

Für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich Flughafen Wien vorsichtig. Im Jänner war man für 2003 noch von einem Plus bei den Passagieren von über vier Prozent und von plus zwei Prozent bei den Flugbewegungen ausgegangen. Die damalige Prognose hatte keine Auswirkungen des Irak-Krieges beinhaltet. "Die Auswirkungen können noch nicht genau abgeschätzt werden, da wir nicht wissen, wie lange der Krieg dauern wird," sagte Kaufmann.

Der März zeige jedenfalls im vorläufigen Verkehrsergebnis erste Dämpfer bei den Passagierzahlen. Konkret sei ein Rückgang um 0,5 Prozent auf 911.432 beförderte Passagiere verzeichnet worden. Für die ersten drei Monate 2003 ergebe sich ein Plus von 7,0 Prozent auf 2,519.610 beförderte Passagiere. Das für die Erträge wichtige Höchstabfluggewicht (MTOW) habe sich im März um 6,8 Prozent auf 413.276 Tonnen erhöht. Im ersten Quartal sei das MTOW um 9,9 Prozent auf 1,191.694 Tonnen gestiegen.

Flughafen Wien wird laut Kaufmann auf Veränderungen mit einer Kostenreduktion reagieren. Reaktionsmöglichkeiten wären der Überstundenabbau und der Abbau von Urlaubsrückstellungen.

Weiter könnten geplante Investitionen verschoben werden. "Das Investitionsprogramm könnte z.B. beim Terminalausbau VIE-Skyline, in den wir - vorausgesetzt, es kommt zu keinen wachstumsdämpfenden Effekten - bis 2008 rund 414 Millionen Euro investieren wollen, flexibler gestaltet werden," so Kaufmann. 2002 seien die Investitionen wegen der schwachen Verkehrsentwicklung in den ersten Monaten von geplanten 153,2 Millionen Euro auf 79,6 Millionen Euro gekürzt worden.

Weiterer Unsicherheitsfaktor für die Verkehrsentwicklung im Jahr 2003 sei die Lungenentzündung SARS, sagte Kaufmann. "Das dämpft sicher das Verkehrsaufkommen, aber im Moment ist in Wien davon noch nichts sichtbar," betonte Kaufmann. Seiner Meinung nach liege das daran, dass die Zielflüge von Flughafen Wien weg nicht direkt ins Krisengebiet gehen. "Man muss dazu sagen, dass der Ferne Osten und Australien insgesamt nur 7,9 Prozent Anteil an unserem Passagieraufkommen haben," so Kaufmann. Der Ferne Osten und Australien waren 2002 mit plus 17,0 Prozent die Region mit dem höchsten Wachstum.

Analyst: Verkehrszahlen 2003 unter jenen aus 2002

Stefan Maxian, Analyst bei der Raiffeisen Centrobank (RCB) hält die Entwicklung im Irak für schwer abschätzbar, geht aber davon aus, dass der Krieg bis Juni dauern werde. Der Analyst rechne damit, dass die Verkehrszahlen 2003 unter jenen des Vorjahres liegen werden. 2002 hatte Flughafen Wien ein leichtes Plus bei den Passagierzahlen von einem Prozent verzeichnet. "Vielleicht geht sich 2003 noch ein knappes Plus bei den Passagieren aus, da die Monate Jänner und Februar sehr gut waren, die ersten Monate 2002 aber aufgrund des 11. September schwach waren," sagte Maxian.

Negativ auf Flughafen Wien könnte sich die Entwicklung des Hauptkunden Austrian Airlines AG auwirken. Positiv sei hingegen, dass die "Billigflieger" Germanwings und Air Berlin nun verstärkt Wien anfliegen, erläuterte Maxian. "Die AUA muss massiv Kapazitäten kürzen, während die Low-Cost-Carrier ihre Frequenzen stetig erhöhen", sagte Maxian. Germanwings und Air Berlin, die seit Dezember 2002 den Wiener Flughafen anfliegen, zahlen laut Kaufmann die vollen Tarife und hätten sich nun auch entschieden, das Handling von Flughafen Wien abwickeln zu lassen.

"Der Anteil der beiden Billigflieger ist steigend, allein im Jänner und Februar brachten uns Germanwings und Air Berlin 60 000 Passagiere. Ohne diese hätten wir einen Rückgang von fünf Prozent bei den Passagieren", so Kaufmann. Die angekündigte rund zehnprozentige Reduktion der AUA-Flüge verursache für Flughafen Wien einen Rückgang von rund sechs Prozent bei den Passagierzahlen, der mittels Billigflieger kompensiert werden könne, sagte Kaufmann.

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