Entwicklung schlechter als erwartet
Bei Unternehmensbonds wird die Auswahl wichtiger

Die Anleihen von Unternehmen haben in diesem Jahr nicht das gehalten, was Analysten gehofft haben. Die wesentlich schlechter als erwartete Konjunktur, Bilanzskandale und steigende Kreditausfälle zusammen mit weiter einbrechenden Aktienmärkten machten den Schuldverschreibungen der Firmen zu schaffen.

FRANKFURT/M. Die Risikoaufschläge von in Euro begebenen Unternehmensanleihen sind seit Jahresbeginn um etwa 40 auf 140 Basispunkte gegenüber Staatsanleihen gestiegen. Experten bewerten Unternehmensanleihen nicht nach absoluten Kursgewinnen, sondern nach der Entwicklung der Renditeaufschläge zu einem entsprechenden Maßstab wie etwa Staatsanleihen.

Die Renditeaufschläge haben sich zwar schon wieder von ihren Höchstständen entfernt, dennoch gehen die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) "vorsichtig" ins nächste Jahr. Vor allem das makroökonomische Umfeld mahne zur Vorsicht, schreibt DKW in einem Ausblick.

Auch David Brickman, Portfoliostratege bei BNP Paribas, meint, dass zumindest das erste Quartal für die Unternehmensanleihen schwierig wird. Langfristig setzt er jedoch darauf, dass sich Unternehmensanleihen mit einsetzender moderater Konjunkturerholung wieder besser entwickeln werden. Zunächst müsse sich jedoch die Situation im Irak entspannen. Belebende Impulse für die Wirtschaft könnten Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und mögliche fiskalpolitische Maßnahmen in den USA geben, sagt Brickman.

DKW hebt positiv hervor, dass die Erwartungen der Märkte bezüglich der Wirtschaftsentwicklung niedriger seien als Anfang dieses Jahres. Auch die prognostizierten geringeren Anleihe-Ausfälle sprächen für Unternehmensbonds. Besonders wichtig ist für DKW, im nächsten Jahr einzelne Emittenten genau anzusehen, statt auf gesamte Branchen zu setzten. Generelle Einordnungen nach Branchen oder defensiven Werten seien nicht mehr angesagt.

Das meint auch Matt King, Kreditstratege bei JP Morgan. Dennoch ist er allgemein optimistisch für die Entwicklung der Unternehmensanleihen. Firmenbonds sollten sich von der Entwicklung der Aktienmärkte abkoppeln und diese überflügeln. Dieses Szenario könne allerdings durch einen Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession und einen weiteren deutlichen Einbruch der Aktienmärkte zunichte gemacht werden. Von beidem geht JP Morgan nicht aus. Besonders wichtig sei, dass die Unternehmen bereits begonnen haben, Schulden abzubauen. "Dieser Trend wird sich fortsetzen", sagt King.

Die absolute Verschuldung vieler Unternehmen sei nach wie vor hoch, hält DKW dagegen. Die Analysten bezweifeln, dass sich das für Anleihebesitzer wichtige Verhältnis von Nettoverschuldung im Vergleich zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) deutlich verringern wird. Dagegen sprächen die schlechten Gewinnaussichten vieler Firmen.

King ist hoffnungsvoller. Rückläufige Gewinne seien kein Problem so lange sie für Schuldenreduzierung verwendet würden.

Einig sind sich die Experten darin, dass es kein den Markt belastendes Angebot an neuen Anleihen geben wird. DKW prognostiziert für das kommende Jahr neue Unternehmensanleihen in Euro über 90 Mrd. bis 110 Mrd. und damit etwa so viele wie in diesem Jahr.

Unstrittig ist für die Experten auch, dass Telekomanleihen wegen des anhaltenden Schuldenabbaus als Branche im nächsten Jahr gut abschneiden werden. Dennoch sei es auch hier wichtig, sich die einzelnen Unternehmen genau anzusehen. DKW setzt besonders auf Telecom Italia, Vodafone, British Telecom und MMO2. JP Morgan empfiehlt Telecom Italia, KPN und Sonera.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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