Entwicklungs-Investitionen werden nicht als Kreditsicherheit akzeptiert
Software-Produzenten werden benachteiligt

Die Investition in das Produktionsmittel Software kann in Deutschland so gut wie nie über Kredite finanziert werden. Das liegt vor allem an den rechtlichen Grundlagen in Deutschland, die strenger ausgelegt werden, als in anderen Ländern.

Kleinen und mittleren Unternehmen sowie Existenzgründern im Bereich Softwareentwicklung droht die Gefahr, sich formal-juristisch "bilanziell zu überschulden". Bei Investitionen in Produktionsanlagen wie zum Beispiel Maschinen tritt dieser juristische Effekt allerdings nicht auf. Unternehmen, die digitale Produkte entwickeln, werden somit nach deutschem Bilanzrecht benachteiligt. Die Finanzierung der Softwareentwicklung gestaltet sich schwierig und die Investitionskraft wird gehemmt.

Als Beispiel kann man eine typische mittelständische Investition in die Entwicklung einer neuen Software von 300 000 ? über einen Zeitraum von einem Jahr betrachten. Das Unternehmen wird mit 100 000 ? Eigenkapital gegründet. Da die Software noch nicht fertig gestellt ist, fallen im ersten Jahr noch keine Verkaufserlöse an. Trotz eines Kredites über 300 000 ? ist das Unternehmen mit 200 000 ? bilanziell überschuldet und zur Geschäftsaufgabe gezwungen. Das gilt auch, wenn feste Kaufaufträge für das zweite und dritte Jahr vorliegen, mit denen die Kredite zurückgezahlt werden könnten.

Anders verhält es sich nach deutschem Recht, wenn im ersten Jahr Investitionen von insgesamt 300 000 ? in Maschinen anstatt in die Software getätigt würden. Die Maschinen würden mit ihrem Wert aktiviert. Ein Kredit von 300 000 ? würde nicht zur bilanziellen Überschuldung führen. Dieses stellt eine klare gesetzliche Benachteiligung der digitalen Wirtschaft dar. Eine Bank wird an Softwareunternehmen auch bei besten Geschäftsaussichten keinen Kredit vergeben, wenn eine bilanzielle Überschuldung drohen könnte und somit der Kredit durch Unternehmensschließung verloren ginge.

Den Softwareunternehmen bleibt daher nichts anderes übrig, als die Entwicklungskosten komplett mit Eigenkapital zu finanzieren. Für mittelständische Unternehmen oder Unternehmensgründer mit dünner Kapitaldecke ist dieser Weg nicht oder nur erschwert möglich. Erschwerend kommt heute der kaum noch vorhandene Zugang zu Venture Capital hinzu. Die Innovationskraft der mittelständischen deutschen Wirtschaft wird dadurch erheblich eingeschränkt.

Der Deutsche Multimedia Verband (dmmv) setzt sich in seiner Initiative für den Mittelstand für die Öffnung des deutschen Kreditmarktes zur Software-Entwicklung ein. So darf beispielsweise in den USA selbsterstellte Software aktiviert werden und fungiert somit als Kreditsicherungsmittel. Eine bilanzielle Überschuldung kleiner Unternehmen wird vermieden.

Das deutsche Bilanzrecht bedarf daher dringender Reformen. Ein Wahlrecht für die Aktivierung selbsterstellter Software sollte unbedingt zugelassen werden. Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen entstehen die innovativsten neuen Software-Produkte.

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