Entwicklungskosten werden nur zum Teil erfasst
Bilanzvorschrift IAS sorgt für höhere Gewinne

Ertrag minus Aufwand gleich Gewinn. Diese Rechnung aus dem betriebswirtschaftlichen Einmaleins stimmt zwar im Prinzip, ist jedoch in der Praxis komplizierter.

DÜSSELDORF. So dürfen nicht alle Kosten als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung angesetzt werden. Und umgekehrt kann man Kosten - wie bei Worldcom geschehen - nicht einfach aus der Erfolgsrechnung herauslassen.

Ein typisches Beispiel liefert die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit (F+E) von Unternehmen, etwa die der Autoindustrie. In Entwicklungsabteilungen fallen im Gegensatz zum "normalen" Geschäftsbetrieb zwar Kosten an, die aber überwiegend erst in späteren Geschäftsjahren zu einem nutzungs- bzw. vermarktungsfähigen Produkt führen.

Nach dem Deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) und den amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften US-GAAP sind entsprechende Kosten als Aufwendungen zu betrachten und in der Erfolgsrechnung zu berücksichtigen. Die Folge: Sie senken als Aufwendungen in voller Höhe den Gewinn.

Für Gesellschaften mit glänzenden Geschäften wie Porsche ist dies kein Problem. Die schwäbische Sportwagenschmiede, die nach HGB bilanziert, steckt die jährlich etwa 5 % vom Umsatz betragenden Kosten - im Berichtsjahr 2000/2001 (31.7.) wären dies rund 220 Mill. Euro - locker weg.

Wettbewerber Daimler-Chrysler tut sich da schon schwerer. Rund 5,4 Mrd. Euro F+E-Aufwendungen musste der Konzern im Geschäftsjahr 2001 vor dem Hintergrund einer schwierigen Gewinnsituation verkraften. Die Stuttgarter weisen bei einem Konzernumsatz von 136 Mrd. Euro unter dem Strich ein Minus von 0,7 Mrd. Euro aus.

Während bei Porsche und Daimler die F+E-Kosten voll als Aufwand in der Erfolgsrechnung verarbeitet werden müssen, gilt für VW und BMW die Vorschrift, einen Teil der Ausgaben aus der Gewinnermittlung herauslassen. Denn beide Gesellschaften bilanzieren nach den Internationalen Standards IAS. Danach müssen unter bestimmten Voraussetzungen die Entwicklungskosten als immaterielles Wirtschaftsgut (Intangible Asset) in die Vermögensaufstellung der Bilanz hinein genommen werden (Aktivierungspflicht).

Bei BMW (38,5 Mrd. Euro Umsatz, 1,87 Mrd. Euro Jahresüberschuss) ergibt sich im 2001er Jahresabschluss dadurch eine Entlastung (aktivierte Entwicklungskosten minus Abschreibung) von rund 220 Mill Euro, bei VW (88,5 Mrd. Euro Umsatz) macht dies sogar einen Betrag von rd.1,3 Mrd. Euro aus - also beinahe die Hälfte des 2001er Nettogewinns von 2,9 Mrd. Euro.

Quelle: Handelsblatt

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