Entwurf der EU-Prospektrichtlinie in der Diskussion
Optionsschein-Emittenten blicken nach Brüssel

Eine Delegation unter Führung der Stuttgarter Optionsscheinbörse Euwax weilt zurzeit in der belgischen Hauptstadt, um im Gespräch mit EU-Kommission und anderen Institutionen noch einmal für die deutschen Forderungen bei einer europäischen Regelung über die Anforderungen an Börsenprospekte zu werben. Denn die Brüsseler Behörde will schon bald einen überarbeiteten Richtlinienentwurf vorlegen. In Bankenkreisen heißt es, dies könne bereits in den nächsten Wochen der Fall sein.

HB BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Die heimische Derivateindustrie befürchtet, dass die bislang relativ einfache Zulassung von Optionsscheinen & Co durch komplizierte Vorschriften erschwert wird und drückt deshalb der deutschen Verhandlungsdelegation jetzt kräftig die Daumen.

Unabhängig von der Initiative der Euwax erklärte der Bundesverband deutscher Banken (BdB), dass er sich schon frühzeitig für die deutschen Belange eingesetzt und die Richtlinie keinesfalls verschlafen habe. "Der Zentrale Kreditausschuss hat den Entwurf der Prospektrichtlinie von Anfang an umfassend und nachhaltig begleitet und bereits in seiner ersten Stellungnahme vom 15.8.2001 unter anderem auf die besonderen Erfordernisse für derivative Instrumente hingewiesen", sagt BdB-Geschäftsführer Thomas Weisgerber. Dabei sei man durchaus erfolgreich gewesen. So habe man sich erst kürzlich zusammen mit dem europäischen Bankenverband die Unterstützung der kommenden dänischen EU-Präsidentschaft gesichert.

Viele Emissionsbanken betonen, es sei letztlich egal, wer die deutsche Position vertrete, so lange die Wünsche überhaupt gehört würden. "Unser Eindruck ist jedoch, dass in Brüssel erst ein Bewusstsein für die deutschen Belange geschaffen werden muss", sagt Stefan Armbruster, zuständig für das deutsche Derivate-Geschäft bei ABN Amro.

Erfolgreich waren die deutschen offenbar beim britischen EU-Abgeordnete Chris Huhne. "Es ist gut, dass die Euwax auf die Probleme mit den EU-Wertpapierprospekten hingewiesen hat", sagte Huhne. Der Brite versicherte, dass er sich für die Interessen des deutschen Optionsscheinhandels einsetzen wolle. "Letztlich geht es hier nicht nur um deutsche Interessen. Derivate werden auch an anderen Finanzplätzen gehandelt, zum Beispiel in London. Wir müssen dafür sorgen, dass der Handel mit derivaten Produkten überall in der EU störungsfrei weiterlaufen kann", sagte Huhne.

Kritik übte der liberale EU-Abgeordnete an den Finanzministern der EU-Staaten: Sie hätten bislang wenig getan, um die Anliegen der Banken zu berücksichtigen. Anders sei es im Europaparlament. Die Volksvertretung habe die EU-Kommission ausdrücklich aufgefordert, die speziellen Bedürfnisse des Derivatehandels bei der Prospekt-Ausgestaltung zu berücksichtigen. Ähnlich äußerte sich der Europäische Bankenverband. Das Parlament habe sich "sehr empfänglich" gezeigt für die Nöte des deutschen Optionsschein-Handels. Der EU-Finanzministerrat stelle sich hingegen taub, hieß es.

Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Hans Eichel sagte, man unterstütze grundsätzlich die Forderungen der Euwax. Er verwies jedoch darauf, dass auf EU- Ebene eventuell Kompromisse gefunden werden müssen.

Derzeit ist noch unklar, inwieweit die EU-Kommission die Bedenken des deutschen Optionsscheinhandels berücksichtigt. Ein Sprecher von EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein betonte zwar, man werde die Forderungen des Parlaments ernst nehmen. Bislang haben die EU-Parlamentarier aber weder eine ausdrückliche Ausnahme des nationalen Optionssscheinhandels von der europäischen Börsenprospektpflicht noch eine verkürzte Genehmigungsfrist für Optionsscheine gefordert. Sie verlangten lediglich, dass eine EU-Verordnung spezielle Mindeststandards für Prospekte von Optionsscheinen und anderen Derivaten festlegen solle. Konkrete Empfehlungen zur Art der Standards hat das Parlament dabei allerdings nicht formuliert.

Quelle: Handelsblatt

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