Entwurf für einen Ehrenkodex am Kapitalmarkt - Überwachung beim Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel - Hohe Geldbußen geplant
Analysten, Journalisten und Tipp-Geber sollen kontrolliert werden

Mit hohen Geldstrafen von bis zu 50 000 Euro müssen Analysten und Journalisten rechnen, wenn sie gegen die von der Bundesregierung geplanten neuen Verhaltensrichtlinien verstoßen. Der Entwurf des "Kodex für anlegergerechte Kapitalmarktinformationen" sieht die empfindlichen Bußgelder für Einzelpersonen vor. Für Unternehmen soll die Maximalstrafe sogar 500 000 Euro betragen. Beim Analystenverband DVFA stößt das Vorhaben auf Zurückhaltung.

HB FRANKFURT/M. Mit den bisher unter dem Schlagwort "Analystenkodex" diskutierten Regeln will die Bundesregierung auf Kritik reagieren, Analysten seien nicht immer unabhängig. Insbesondere nach den Kurseinbrüchen am Neuen Markt sind Vorwürfe laut geworden, Analysten gäben zu optimistische Ertragsprognosen für Unternehmen ab. Das dem Handelsblatt vorliegende Papier, das gestern in der Börsensachverständigen-Kommission (einem Beratungsorgan des Bundesfinanzministeriums) erstmals diskutiert wurde, bezieht sich nicht nur auf Analysten.

Auch "Gurus" sollen unterschreiben

Nach Ansicht der beiden Autoren, die Professoren Rüdiger von Rosen und Wolfgang Gerke, sollte der Kodex nicht nur für Analysten, sondern auch für Journalisten, Internetforen und alle "Gurus" oder "Tipp-Geber" gültig sein, die öffentlich Wertpapiere empfehlen. Anerkennen können den Kodex neben Einzelpersonen auch Unternehmen, wie Banken oder Berufsverbände wie Analystenorganisationen. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass möglichst viele Personen dem Kodex unterworfen sind.

Dem Entwurf zufolge müssen bei Aktien-Empfehlungen verschiedene Sachverhalte offen gelegt werden, die zu einem Interessenkonflikt führen könnten. Dazu zählt der Besitz der analysierten Wertpapierart ab einem Wert von 5 000 Euro. Ist der Arbeitgeber, bei Analysten etwa eine Bank, über reine Handelsbestände hinaus an dem besprochenen Unternehmen beteiligt, in dessen Aufsichtsrat vertreten oder Marktmacher in der jeweiligen Aktie, muss dies ebenfalls vermerkt werden. Ebenso sind die Banken verpflichtet, auf Unternehmensstudien mitzuteilen, ob sie in den letzten drei Jahren Wertpapiere der Firma platziert haben.

Außerdem dürfen Analysten und Journalisten keine Aktien von Unternehmen handeln, die sie im Rahmen ihrer Arbeit kontinulierlich verfolgen. Banken sollen sie die Papiere dagegen handeln dürfen, wenn eine Weitergabe von Informationen aus dem Research an den Handel durch "chinesische Mauern" zwischen den Abteilungen verhindert wird. Untersagt wird Analysten auch der Kauf von Aktien bei einem überzeichneten Börsengang, sofern ihre Bank dem Emissionskonsortium angehört. Beteiligungen an Friends & Family-Programmen oder die Annahmen von Geschenk im Wert von mehr als 100 Euro sind unzulässig.

Überwacht werden soll der geplante Kodex nach Ansicht der Autoren durch einen beim Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) angesiedelten Beirat. Diesem Gremium sollen außer dem BAWe-Präsidenten Vertreter von Analystenverbänden, des Deutschen Presserates, der Kreditwirtschafts sowie Anlegerschützer angehören.

Lob und Tadel geerntet

Der Beirat, der auch von Kleinanlegern angerufen werden kann, soll die Sanktionen verhängen. Sie reichen von einer schriftlichen Verwarnung über die Abschöpfung von unredlich erzielten Gewinnen und die Verhängung von Bußgeldern bis zum Ausschluss aus Berufsverbänden, falls diese den Kodex anerkannt haben. Die Bußgelder sollen dem BAWe zufließen.

Der Entwurf geht weiter als die vom Analystenverband DVFA angekündigte Neufassung der eigenen Standesregeln. Die DVFA, die ihre Vorschläge am Montag präsentiert hat, sieht Strafen in Höhe von lediglich 5 000 Euro vor. Außerdem dürfen Analysten künftig nicht mehr mit Wertpapieren handeln, über die sie berichten. Vorgesehen ist darüber hinaus eine Darstellung von potenziellen Interessenkonflikten.

Von den Vorschlägen der beiden Professoren ist DVFA-Vorstandschef Fritz Rau "etwas enttäuscht", da es sich sich lediglich um eine freiweillige Vereinbarung handele. Offen bleibe die Frage, "wie man die Leute veranlassen will, sich dem Kodex zu unterwerfen." Zu begrüßen sei dagegen der Versuch, über Analysten hinaus auch andere Personen zu erreichen. Speziell für die eigene Zunft hält er einen Kodex nach der Verschärfung der eigenen Standesregeln indes für nicht nötig. Trotzdem werde die DFVA den geplanten Kodex "anerkennen, wenn es der Sache dient".

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