Eon-Ruhrgas-Deal
Kommentar: Hartmann gelingt der Coup

Obwohl Eon einige Kröten wird schlucken müssen, ist der zehn Milliarden Euro schwere Deal der Ruhrgas-Übernahme ein strategischer Befreiungsschlag für den Düsseldorfer Energiekonzern. Die notwendigen Opfer bedeuten keineswegs einen Pyrrhussieg. Denn Eon-Chef Ulrich Hartmann ist seinem Ziel näher gekommen, in der globalen Liga der Energieversorger einen Spitzenplatz zu konsolidieren.

DÜSSELDORF. Nach dem erfolgreichen Einstieg auf dem amerikanischen Wachstumsmarkt Strom ist Eon nun auch bei der Wachstumsenergie Erdgas in allen Wertschöpfungsstufen präsent. Diese vertikale Integration sowohl beim Strom als auch beim Erdgas macht Eon von Schwankungen auf einzelnen Marktstufen unabhängiger und ermöglicht einen stabilen Wachstumskurs. Die unternehmerische Bewährungsprobe steht aber noch an. Angesichts der Erfahrungen im Gasgeschäft wäre die Ruhrgas das richtige Kompetenzzentrum, um alle Gasaktivitäten des Düsseldorfer Energiekonzerns von der Produktion bis zum Endvertrieb zu bündeln. So ließe sich das Know-how der Ruhrgas am besten nutzen.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist der Deal zudem erst dann gerechtfertigt, wenn die Düsseldorfer für den Aufschluss neuer Gasbezugsquellen für Deutschland milliardenhohe Investitionen tatsächlich tätigen. Hierzu zählen Engagements und Allianzen sowohl in Russland als auch in Norwegen. Um die Abhängigkeiten vom Pipeline-Gas zu vermindern, ist darüber hinaus die Teilhabe am internationalen Flüssiggashandel notwendig. In Wilhelmshaven besitzt die Ruhrgas schon lange die Option für den Bau eines Flüssiggasterminals. Betriebswirtschaftlich rechnet sich eine solche Anlage derzeit nicht. Volkswirtschaftlich könnte sich ein solcher Terminal zur Verminderung der Versorgungsrisiken schon in der nächsten Dekade als attraktiv erweisen.

Durch den Eon-Ruhrgas-Deal sind aber nicht nur die Karten im Gaspoker neu verteilt worden. Mit dieser Transaktion ist eine industrielle Neuordnung an Rhein und Ruhr verbunden. Die RAG, ehemals Ruhrkohle AG, erhält durch die Übernahme der Eon-Chemie-Tochter Degussa eine Perspektive, welche die Abhängigkeit vom Kohlegeschäft nachhaltig vermindert. Die Deutsche Bahn bekommt durch den Kauf der Eon-Logistik-Tochter Stinnes breiteren unternehmerischen Spielraum. Und die Ruhrgas droht nicht zum Übernahmeobjekt ausländischer Energiegesellschaften zu werden, sondern kann sich auf der Basis der Eon-Ressourcen auch in der Gasproduktion angemessen aufstellen. Diese Pluspunkte haben zweifellos dazu beigetragen, dass Hartmann bei den Gesprächen mit der Bundesregierung die intensive Unterstützung der nordrhein-westfälischen Politik und der Gewerkschaft IG BCE erhalten hat.

In Deutschland bleiben die Spielräume für nachhaltige Wettbewerbsprozesse in der Gas- und Stromversorgung erhalten. Die nationalen Energiegrenzen werden sowieso immer stärker abgebaut. Sowohl internationale Ölunternehmen als auch ausländische Gasversorger forcieren hier zu Lande die Konkurrenzprozesse beim Erdgas. Durch die Veränderungen in der Aktionärsstruktur der Ruhrgas werden eher Wettbewerbskräfte frei als gelähmt. Die ausscheidenden Ruhrgas-Aktionäre BP, Esso und Shell werden nun selbstständige Konkurrenzprozesse auslösen. Die Gaskunden können daher darauf vertrauen, dass eine Vielzahl potenter Anbieter mit attraktiven Konditionen eine Offensive startet.

Quelle: Handelsblatt

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