Eon-Ruhrgas-Fusion: Analyse: Ein teuer erkämpfter Trumpf

Eon-Ruhrgas-Fusion
Analyse: Ein teuer erkämpfter Trumpf

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon hat für die Übernahme von Deutschlands größtem Ferngasunternehmen Ruhrgas wesentlich mehr Opfer bringen müssen, als ursprünglich geplant war.

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon hat für die Übernahme von Deutschlands größtem Ferngasunternehmen Ruhrgas wesentlich mehr Opfer bringen müssen, als ursprünglich geplant war. Der Deal wird am Ende beinahe elf Mrd. Euro kosten, wobei die strategische Prämie auf ein knappes Zehntel veranschlagt werden kann. Der Aufpreis ist aber unternehmensstrategisch gerechtfertigt.

Denn die nun mögliche Bündelung von Strom und Gas auf europäischer Basis ist ein nachhaltiger Vorsprung, den die Konkurrenten erst allmählich wettmachen können. Durch die Akquisition der Essener Ruhrgas können sich die Düsseldorfer wettbewerbsfähig auf einem dynamischen Wachstumsmarkt positionieren. Sie erhalten attraktiven Zugang zum längerfristig wichtigsten Input für die Stromerzeugung: Erdgas.

Jetzt geht es darum, die Integrationsvorteile aus dem Strom- und Gasverbund so zu nutzen, dass internationale Beschaffungsmöglichkeiten dauerhaft optimiert werden können. Konkret heißt dies nichts anderes, als dass die von Eon zugesagten Investitionsmittel von 6 bis 8 Mrd. Euro von der Ruhrgas effizient eingesetzt werden. Die Projekte in Russland, Norwegen oder Nordafrika müssen sorgfältig geprüft werden, damit allzu teure Akquisitionen verhindert werden können. Denn die ausländischen Gasproduzenten wissen genau, dass Ruhrgas über eine gut gefüllte Kriegskasse verfügt.

Die Internationalisierung der Ruhrgas muss jedoch rasch voranschreiten. Daran führt kein Weg vorbei. Die Essener müssen mit den finanziellen Ressourcen der Eon in allen Wertschöpfungen des Gasgeschäfts ihre Präsenz ausbauen. Nur durch eine solche vertikale Integration können bei der globalen Wachstumsenergie Erdgas Marktanteile nachhaltig erobert werden. Mit dieser Investitionsoffensive im ausländischen Upstream-Bereich (Exploration und Produktion) werden die Diversifizierungsmöglichkeiten nicht zuletzt für Deutschland als den größten Energieverbraucher Zentraleuropas vergrößert. Außerdem kann die Gasinfrastruktur europaweit in Richtung des wichtigsten Transitlands Deutschland fortentwickelt werden.

Die Bundesregierung hat in ihrer Bewertung der Eon-Ruhrgas-Fusion als energiestrategisches Asset für Deutschland mit der wachsenden Energieimportabhängigkeit richtig gelegen. Ein nationaler Player kann jetzt mit der ausländischen Konkurrenz aus der Ölwirtschaft und von staatlich gestützten Konzernen auf der Basis ausreichender finanzieller Ressourcen um Spitzenplätze streiten. Die Energieversorgungsrisiken können durch Kooperationen mit den Gasproduzenten gemindert werden. Die lange Auseinandersetzung über die vom Bundeswirtschaftsministerium erteilte Ministererlaubnis für die Eon-Ruhrgas-Fusion hat aber auch deutlich gemacht, dass die Rahmendaten für den Vollzug kalkulierbarer gemacht werden müssen.

Trotz des grünen Lichts aus Berlin mussten die Fusionskandidaten mit den Beschwerdeführern mit Haken und Ösen verhandeln. Es ist für den künftigen Einsatz des Instruments der Ministererlaubnis unerlässlich, dass die Rechte Dritter bei Fusionskontrollverfahren restriktiver definiert werden. Sonst geht die eigentlich gewollte politische Souveränität bei der Genehmigung verloren. Gleichzeitig sollte aber das Parlament in den Genehmigungsprozess einbezogen werden.

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