Eon und Co. werden bedeutendere Spieler auf dem Bondmarkt – Renditen vergleichsweise niedrig
Versorgeranleihen stabilisieren das Depot

Mit Renditen von meist weniger als fünf Prozent sind Anleihen von Versorgern auf den ersten Blick nicht sehr attraktiv. Dafür sind sie nicht so volatil wie andere Firmenbonds. Außerdem gibt es immer mehr Versorgeranleihen.

FRANKFURT/M. Hoher Schuldenstand, Angst vor deutlichen Bonitätsherabstufungen und schwaches Geschäftsumfeld - das sind Nachrichten, die Besitzer von Versorgeranleihen kalt lassen. Denn die als relativ konjunkturunabhängig geltende Branche bleibt von solchen Hiobsbotschaften weitgehend verschont. Dementsprechend stabil notieren auch die Anleihen der Versorger. Die Kehrseite der Medaille: Die Renditen der Versorgerbonds von im Schnitt unter 5 % sind nicht besonders attraktiv. "Insgesamt ist die Branche aber durchaus interessant", urteilt Claus Huber, Bondstratege für Privatkunden bei der Deutschen Bank.

Ein Grund für die im Vergleich zu anderen Unternehmensanleihen niedrigen Renditen sind die hohen Ratings in der Branche. Den meisten europäischen Versorgern bescheinigen die Ratingagenturen Standard & Poor?s (S&P) und Moody?s mit Bonitätsnoten innerhalb des Einfach- oder Doppel-A-Bereichs eine gute Kreditwürdigkeit.

Vor einigen Jahren waren die Ratings noch besser, doch im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes sind die Konzerne internationaler geworden und haben zugekauft. Das finanzierten sie durch die Ausgabe neuer Anleihen, was die Versorger in diesem Jahr zu ebenso bedeutenden Emittenten wie Telekomkonzerne am Bondmarkt machte. Nach Berechnungen von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) haben Versorger in diesem Jahr neue Anleihen in Euro über 22,2 Mrd. begeben und damit mehr als Telekomkonzerne (17,6 Mrd. ) und fast so viele wie Autokonzerne (25,7 Mrd. ). Im nächsten Jahr sollten die Größenverhältnisse ähnlich sein.

Die höhere Verschuldung machte sich aber auch in etwas schlechteren Ratings bemerkbar. So hatte zum Beispiel RWE im Frühjahr noch von beiden Agenturen ein Doppel-A-Rating, das unter anderem wegen der Übernahmen des US-Wasserversorgers American Waterworks und der britischen Innogy herabgestuft wurde. RWE will aber "zumindest in den nächsten zwei Jahren keine größeren Zukäufe machen", wie Finanzvorstand Klaus Sturany bei der Vorlage der Quartalszahlen vor gut einer Woche betonte. Die aktuellen Ratings will der Essener Konzern nicht gefährden.

Anders sieht das bei Eon aus, von der im nächsten Jahr weitere Akquisitionen in den USA erwartet werden. Ein Rating-Downgrade um eine Stufe auf A+ bzw. A1 von S&P und Moody?s sei aber bereits in den Bondkursen enthalten, meint Christian Albrecht von der DZ Bank. Zudem bewertet er das Finanzprofil von Eon als positiv.

Für sehr attraktiv hält Albrecht auch die Anleihen der schwedischen Vattenfall, die nach der Übernahme von HEW, Bewag und Veag in Deutschland nach Eon und RWE der drittgrößte Energiekonzern ist. Da Vattenfall zu 100 % in staatlichem Besitz ist und die schwedische Regierung derzeit keine Privatisierung von Vattenfall plant, stuft die DZ Bank den Konzern nach einem internen Bewertungssystem mit AA ein. Angesichts dieser Bonität seien die Renditen hoch, sagt Albrecht. Die Ratingagenturen bewerten Vattenfall dagegen etwas schlechter.

Anders sieht das bei der französischen Eléctricité de France (EDF) aus, von der sich der Staat zunehmend zurückzieht. Die West LB empfiehlt deshalb und wegen der EDF-Verluste in Lateinamerika, die Bonds unterzugewichten. Unter Engagements im krisengeschüttelten Argentinien und Brasilien leiden auch die Anleihen der spanischen Endesa und der portugiesischen Electricidade de Portugal (EDP), die wesentlich volatiler sind als die deutscher Versorger.

Vorsichtig ist die West LB auch bei Anleihen des italienischen Versorgers Enel, der wegen der Liberalisierung des italienischen Strommarkts vor Problemen steht, denn die Strompreise in Italien liegen um rund 20 % über denen in Europa. Außerdem plant Enel die Bilanz belastende Akquisitionen in den USA.

Als attraktiver gelten die Bonds von Vivendi Environnement (VE). Der französische Versorger dürfte davon profitieren, dass die verschuldete Vivendi Universal sich von einem weiteren Anteil an VE trennen will. Huber von der Deutschen Bank ist es angesichts des bisherigen Schlingerkurses von Vivendi Universal allerdings zu unsicher, ob der Konzern tatsächlich weitere Anteile an VE abgeben wird. Albrecht von der DZ Bank rechnet dagegen damit und betont außerdem, dass VE vom operativen Geschäft her gut dastehe. Von der Bonität her liege VE aber eher auf einem Niveau mit Telekom - und Autoanleihen. Die bieten im Vergleich höhere Renditen und seien von daher attraktiver, meint Albrecht.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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