Eon und RWE zählen zu "Stoiber-Aktien": Versorgertitel sind typische Stoiber-Aktien

Eon und RWE zählen zu "Stoiber-Aktien"
Versorgertitel sind typische Stoiber-Aktien

Bislang reagiert die Börse noch nicht auf die Ernennung Edmund Stoibers zum Kanzlerkandidaten der Opposition. Doch wenn sich abzeichnet, dass einer der beiden Kandidaten die Wahl gewinnt, werden einzelne Branchen und Aktien stärker laufen. Der Grund: Es gibt Schröder- und Stoiber-Aktien.

HB DÜSSELDORF. Wer rechtzeitig vor der US-Wahl auf "Bush-Aktien" setzte, hat viel gewonnen. Gemeint sind Werte solcher Unternehmen, die von einem Präsidenten George W. Bush profitieren: Tabak-, Rüstungs- und Ölkonzerne. Viele Investmentbanken gaben "Bush-Zertifikate" heraus, mit denen Anleger zum Teil kräftig verdienten. Denn das Konzept ging auf: Die favorisierten Branchen gehören seit dem Amtsantritt des konservativen Texaners tatsächlich zu den Gewinnern. Dürfen sich Anleger in Deutschland auf ähnliche Favoritenbranchen einstellen?

Investmentstrategen sind skeptisch, dass die Kandidaten Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber(CSU) ähnliche Phantasien an der Börse auslösen wie Bush (Republikaner) und Al Gore (Demokraten). Der Grund: Nur in den USA wird schon im Wahlkampf deutlich, welche Unternehmen mit Gegenleistungen rechnen dürfen, weil sie dem Präsidentschaftskandidaten finanziell unter die Arme griffen. So war es nie ein Geheimnis, dass der Tabakkonzern Philip Morris Bush Junior unterstützte und eine mildere Haltung der Regierung zu den Milliardenklagen der Raucher-Geschädigten erwartete.

Doch ein paar Schlüsse lassen sich auch aus den Äußerungen der deutschen Kandidaten ziehen. "Die Aktien werden steigen, sollte Stoiber die Wahl gewinnen", erwartet Vermögensverwalter Jens Erhardt. Allerdings sei es für solche Szenarien noch zu früh. "Erst muss sich ein Wahlsieger abzeichnen, dann reagiert die Börse entsprechend", ist sich Erhardt sicher.

Telekom und Post profitieren von SPD

Vom Hang der Sozialdemokraten zur Regulierung und damit Benachteiligung der Konkurrenz profitieren halb staatliche Unternehmen wie Deutsche Telekom und Post. Sichtbar wird das durch die Verlängerung des Briefmonopols, das der Post hohe Erträge sichert. Dass die Genossen stärker als Konservative auf staatliche Programme zur Ankurbelung der Wirtschaft setzen und deshalb Bauwerte profitieren, bewahrheitet sich in dieser Legislaturperiode aber nicht. Und auch das Klischee, wonach Linke die Wirtschaft mehr als Rechte lenken, sollte nicht zu sehr bemüht werden. Mit seiner Hilfe für die angeschlagene Maxhütte in der Oberpfalz steht Stoiber dem Einsatz Schröders für den konkursreifen Baukonzern Holzmann nicht nach.

Weil Stoiber als erstes nach seinem Sieg gegen CDU-Widersacherin Angela Merkel versprach, den Atom-Ausstieg von SPD und Grünen rückgängig zu machen, gehören die Versorger-Aktien Eon und RWE zu den Favoriten bei einem Sieg des CSU-Mannes. Die Aktien litten, als sich vor knapp vier Jahren der Wahlerfolg Schröders abzeichnete und Jürgen Trittin Umweltminister wurde. "Stoiber hat klar gesagt, den Atomausstieg rückgängig zu machen. Das hebt die Stimmung für RWE und Eon", meint Kai Franke von der BHF-Bank.

Ansonsten ist Aktienresearchleiter Franke skeptisch für weitere Favoriten: "Selbst wenn Stoiber die Gesundheitsreform zurückdreht, werden große Pharmawerte kaum profitieren. Denn ein Unternehmen wie Schering erwirtschaftet 80 Prozent des Umsatzes im Ausland und profitiert deshalb kaum von Veränderungen in Deutschland."

Stoiber subventioniert junge Biotech-Firmen

Als Stoiber-Aktien sehen Analysten Technologie- und Medienwerte. Hintergrund: Im "Gen-Valley" Martinsried bei München subventioniert der Ministerpräsident junge Biotech-Firmen. Und kein Geheimnis ist, dass die Landesregierung wiederholt dem angeschlagenen Kirch- Konzern, zu dem das Medienunternehmen Pro Sieben Sat 1 gehört, aus der (Kredit-) Klemme geholfen hat.

Autowerte rechnen Analysten beiden Kandidaten zu. "Schröder und Stoiber schwenken die Fahne für die Automobilindustrie und haben es als Ministerpräsidenten auch schon gemeinsam bewiesen", meint Franke. Zwar führten SPD und Grüne die Ökosteuer ein, doch Stoiber versprach nicht, die von Autoherstellern und-nutzern gehasste Abgabe abzuschaffen. Der CSU-Mann will sie lediglich so wie bislang geplant nicht fortsetzen.

"Die Grenzen zwischen den großen Parteien sind stark verschwommen. Es wird viel gesagt. Auf einem anderen Papier steht, was tatsächlich umgesetzt wird", meint Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe. Dass die Effekte gering bleiben, wenn Stoiber die Wahl gewinnt, glaubt Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin. "Schröder macht nicht das, was man von ihm erwartet hat. Vielmehr ist er ein Kapitalmarkt-freundlicher Kanzler. Das zeigt die Steuerbefreiung für Verkäufe von Firmenbeteiligungen."

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