Epcos mit Klassenerhalt
Altana löst Degussa im Dax ab

Nur sehr kurzfristig haben die Aktienmärkte auf die jüngsten Änderungen in den wichtigsten deutschen Kursbarometern reagiert. Die zunächst deutlichen Kursausschläge bei den Papieren der von Auswechslungen betroffenen Firmen gingen im Laufe des Vormittags in der allgemein schlechten Börsen-Stimmung unter.

Reuters FRANKFURT. Die zunächst deutlichen Kursausschläge bei den Papieren der von Auswechslungen betroffenen Firmen gingen im Laufe des Vormittags in der allgemein schlechten Börsen-Stimmung unter.

Dabei hatte die Deutsche Börse am Abend zuvor mit einer kleinen Überraschung aufgewartet: Die Degussa AG - und nicht wie von vielen Marktteilnehmern erwartet Epcos - wird im September aus dem marktbestimmenden Deutsche Aktienindex (Dax) herausgenommen. Dafür in das wichtigste deutsche Kursbarometer aufgenommen wird die Aktie der Altana AG.

Mit einem Kursverlust von rund sechs Prozent startete die Degussa-Aktie in den Handel, während Epcos zunächst in etwa gleicher Höhe gewann. Der Titel des Münchener Technologiekonzerns war in den vergangenen Tagen ähnlich wie MLP immer wieder als Dax-Absteiger mit entsprechenden Verlusten gehandelt worden. "Das sind ganz ordentliche Kursgewinne. Viele müssen ihre Shorts covern", sagte ein Händler zu Handelsauftakt.

Auf die Aufnahme von Altana in den Dax war bereits seit längerem spekuliert worden, weshalb der Titel mit rund 53,50 Euro nahezu unverändert notierte. "Damit hat jeder gerechnet, das ist keine Überraschung", hieß es an der Börse. Altana-Chef Nikolaus Schweickart bezeichnete die Dax-Aufnahme als weiteren "Meilenstein" in der Firmengeschichte. "Wir verbinden damit einen weiteren Schub in Richtung Internationalisierung."

Auch die Aktien der Firmen, die in den Nebenwerte-Index MDax aufsteigen sollen, reagierten kaum. Die Deutsche Börse hatte mitgeteilt, dass die finanziell angeschlagenen Gesellschaften Gold-Zack, Cargolifter und Babcock Borsig den MDax verlassen müssen und dafür die Titel der Immobilienbank Aareal, der Klöckner-Werke und der Mannheimer Versicherung aufgenommen werden.

Börsenvorstand Christoph Lammersdorf begründete die für viele überraschende Dax-Herausnahme von Degussa damit, dass der Streubesitz ("Freefloat") des vor der Übernahme durch die RAG stehenden Konzerns nur noch bei rund sieben Prozent liege. "Die Marktkapitalisierung lag soweit unten im Ranking, dass sich Degussa nicht mehr qualifiziert hat", sagte Lammersdorf im Gespräch mit Reuters.

Auch sie die Liquidität der Degussa-Aktie zuletzt zu gering gewesen, fügte Lammersdorf hinzu. "Wir müssen die Funktionalität des Handels gewährleisten." Die Börse überprüft regelmäßig die Zusammensetzung ihrer Indizes und nimmt gegebenenfalls auf Basis von Börsenumsatz und Marktkapitalisierung Änderungen vor.

Der für die Auswechslungen zuständige Arbeitskreis Aktienindizes habe "natürlich" auch die Wackelkandidaten Epcos und MLP erörtert, sei aber zu dem Schluss gekommen, die Titel im Dax zu belassen. "Die waren beide erstmals auf einem Abstiegsplatz, und die Marktbewegungen könne eine solche Situation schnell verändern.", sagte Lammersdorf. "Wir wollten nicht sprunghaft reagieren", fügte der Börsenvorstand hinzu.

Die Börse kündigte zugleich Änderungen bei ihren Regeln zu Auswechslungen in den Indizes an. Demnach können Aktien aus Dax, MDax sowie den Neue-Markt- und Kleinwerte-Barometern Nemax50 und SDax herausgenommen werden, wenn ihr Streubesitz unter fünf Prozent fällt oder das Unternehmen in einem Insolvenzverfahren abgewickelt wird. Ebenfalls absteigen kann eine Firma, wenn sie auf der Börsenrangliste bei der Marktkapitalisierung - also dem Börsenwert - nicht mehr zu den 45 schwersten Werten zählt.

"Wir müssen die Veränderungen vornehmen, wie sie vom Kapitalmarkt erzeugt werden", begründete Lammersdorf die Neuregelungen. Häufige Auswechslungen etwa infolge der neuen Bestimmung zur Marktkapitalisierung seien nicht unbedingt zu erwartet. "Wir haben das rückwärts gerechnet. Das wäre beim Dax in der Vergangenheit nichtb zu häufigen Veränderungen geführt."

Mit der Insolvenz-Regel reagiere die Börse auf die jüngsten "Zeichen der Märkte", fuhr Lammersdorf fort. "Ein Index fokussiert sich ganz deutlich auf das, was in der Wirtschaft passiert." Analystin Claudia Volk von der WestLB beurteilte die Neuerungen indes durchaus kritisch: "Durch die Ergänzungen hat die Transparenz der Indexregeln nicht gewonnen", sagte sie. Auch könne es zu häufigeren Umstellungen kommen als bisher, auch wenn die Börse weiter versuchen wird, die Indizes stabil zu halten.

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