Epochalen Bedeutung der Baureihe W136
Ohne Kupplung schalten

Claus Hipp, geschäftsführender Gesellschafter des Babynahrungsherstellers, erinnert sich an sein erstes Auto: einen Mercedes 170 D mit bescheidenen 38 PS.

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, mag sich Claus Hipp gedacht haben, als sein Vater dem Abiturienten 1959 den Familien-Mercedes überließ. An der schicken Limousine rumzuschrauben oder sie gar aufzumotzen, das kam für den damals 20-Jährigen jedenfalls nicht in Frage. Und heute kann sich der Chef von Deutschlands größtem Babynahrungshersteller nicht mal mehr an die Pferdestärken des 170 D erinnern.

Manch ein Kommilitone mag den Jurastudenten um das reiche Elternhaus beneidet haben, wenn dieser im Mercedes vorfuhr. Die Hipps hingegen pflegten zur schwarzen Edelkarosse eine rein pragmatische Beziehung: "Weil Wohnort und Studienort nicht beisammen waren", spendierte Vater Georg dem Erben seinen ersten motorisierten Untersatz und kaufte sich selbst einen neuen.

Fünf Jahre pendelte Claus Hipp problemlos zu Vorlesungen und Seminaren. Der Stern auf dem Kühler bürgte eben für beste Markenqualität, lange Lebensdauer, eine sichere Karosserie. Und für motorisierte Innovationen: Schließlich fuhr Hipp das D-Modell, den ersten Seriendiesel der jungen Bundesrepublik.

Überhaupt schwärmen autophile Historiker heute von der epochalen Bedeutung der Baureihe W136, die sich hinter dem 170er-Mercedes verbirgt. Ihr Erbe führt in direkter Linie zu allen Oberklasse-Limousinen des Konzerns. Auf dem Weg zum W211, der aktuellen E-Klasse, streift man so berühmte Autos wie Adenauers Dienstkarosse, den Heckflossen- Benz und den Strich-acht-Mercedes.

Bei Claus Hipp, sonst von der Landwirtschaft über Musik bis Malerei für fast alle Hobbys zu begeistern, hinterließ das Erstgefährt offenbar kaum einen bleibenden Eindruck. "Man konnte es ohne Kupplung schalten", erfährt man noch vom heute 64-Jährigen, und dass er in dem Wagen aus vielen Situationen heil herausgekommen sei.

So ist Claus Hipp der Marke Mercedes treu geblieben. Den Dieselantrieb allerdings tauschte der Unternehmer mit dem Ruf für ökologisch saubere Geschäfte gegen eine Salatöl-taugliche Maschine.

Im Studienort München fährt er heute lieber Fahrrad. Und wenn er über Pferdestärken plaudern soll, schwärmt Hipp, der passionierte Reiter, lieber über sein bescheidenes Gestüt.

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