Er eröffnete Deutschlands erstes Multimedia-Hotel
Otto Lindner jun.: Der sportliche Vier-Sterne-Junge

Er wirkt jungenhaft, leger, trägt lieber Hose und Pulli als den smarten Businessanzug (obwohl der ihm gut steht). Otto Lindner jun., Vorstandschef von Deutschlands einziger Hotelgruppe in Familienbesitz, braucht Bewegungsfreiheit: "Ich bin gern dort, wo es schwierig wird."

DÜSSELDORF. Seine Spezialität: Hotels übernehmen, ohne sich selbst dabei zu übernehmen. Zehn der inzwischen 19 Lindner-Häuser sind Hotels, die er sich aneignete, als es ihnen ziemlich schlecht ging.

Lindner jun. ist offensichtlich der richtige Mann für solche Gelegenheiten - sogar in der Schweiz, die sich bekanntlich schwer tut mit dem Verkauf an Ausländer. Lindner rettete nicht nur das altehrwürdige Leukerbad im Wallis (zwei Hotels plus Alpentherme), sondern auch das Grand Hotel Beau Rivage in Interlaken. Zusammen mit dem Lindner-Golfhotel Rhodania in Crans Montana wären das jetzt vier Häuser in der Schweiz. Otto Lindner grinst: "Mein Hoteldirektor in Leukerbad heißt Schweizer, ist doch ein gutes Zeichen, oder?"

Der Slogan der Lindner Hotel AG heißt denn auch: "Nicht nur besser. Anders." Nicht überliefert ist, ob das schon das persönliche Motto des Juniors war, als er Mitte der achtziger Jahre als Assistent der Geschäftsleitung bei seinem Vater Otto im ersten Hotel in Düsseldorf anfing. Da hatte der damals 24-Jährige für sich schon die Elemente Luft und Wasser erobert: als Berufspilot und Wasserballer - zehn Jahre spielte er in der Bundesliga.

Erfahrungen am Steuerknüppel und im sportlichen Team helfen sicher auch, wenn man auf festem Boden agieren und reagieren muss. Otto Lindner jun. startete im Hotel-Management von Düsseldorf aus durch. Lindner: "Was ich vor fünf Jahren umgesetzt habe, das entspricht heute meinen Personalkosten." Das waren damals 70 Millionen Mark. Der Lindner-Umsatz in diesem Jahr dürfte die gleiche Summe in Euro betragen.

Damit gibt er sich aber nicht zufrieden. Gerade schaut er sich in Hamburg, München und Berlin um, allerdings nicht unbedingt im Super-Luxus-Bereich. "Wir sind die Vier-Sterne-Jungs", betont Lindner gern, der sich bei Immobilien- und Finanzgeschäften ebenso wie in Architektur- und Rechtsfragen auf das Expertenwissen von vier Brüdern und das des agilen Patriarchen und Architekten Otto Lindner sen. im Firmen- und Familiengeflecht verlassen kann.

Was macht der Mittelständler denn anders als die großen Konkurrenten? Er eröffnete Deutschlands erstes Multimedia-Hotel und Europas erstes in ein Sportstadion integriertes Event-Hotel in der BayArena in Leverkusen. Fahrräder vermieten viele Wettbewerber. Aber vor Lindners Herbergen können die Gäste kostenlos einen BMW-Roller testen. Im schweizerischen Leukerbad hat er die Bäderabteilung um Ayurveda, Thalasso und andere Wellness-Angebote erweitert und gleich eine eigene Linie von Kosmetikprodukten aufgelegt. Das Neueste wird heute zur Jahrespressekonferenz häppchenweise auf Bananenblättern serviert: Lifestyle-Catering als jüngster Geschäftszweig.

Für ihr "innovatives Konzept" zeichnete bereits das Magazin "Business Traveller" die Lindner-Gruppe aus; für den deutschen Fachverlag war Otto Lindner jun. 1999 "Hotelier des Jahres".

In diesem Sommer wird der geborene Löwe 40 Jahre alt. Kommt der Unternehmer und Familienvater (drei Kinder) denn nie ins Schwitzen? Doch, wenn er wie im letzten Herbst in der Schweiz die hauseigene Sauna testet. Wer denn der nette junge Mann gewesen sei, wollte später eine ältere Dame vom Hotelpersonal wissen. Als sie erfuhr, mit wem sie relaxt hatte, fragte sie, ob der Hotelbesitzer nichts Besseres zu tun habe. "Eigentlich hat sie ja Recht", schmunzelt Lindner.

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