Er hat viel Mut zum unternehmerischen Risiko
Evotec-Chef Carsten Henco - Ein Naturwissenschaftler mit Biss

Der promovierte Chemiker und Chef der Hamburger Evotec will in die Weltliga der Biotech-Branche vorstoßen. Für den Aufbau des Unternehmens bringt Henco vollen Einsatz. Arbeit am Wochenende ist für Henco allerdings Tabu.

Karsten Henco war nicht mehr zu bremsen. Die Frage eines britischen Journalisten lieferte ihm das Stichwort. In bestem Geschäftsenglisch redete der Chef der Hamburger Biotech-Schmiede Evotec auf der gestrigen Pressekonferenz über komplizierte biotechnische Prozesse. Erst ein Handzeichen einer Mitarbeiterin konnte den promovierten Biochemiker stoppen. Artig setzte Henco seinen Vortrag in Deutsch fort.

Dass der 48-jährige Manager derzeit verhandlungssicher Englisch spricht, ist nicht verwunderlich. Evotec hat mit der Übernahme des britischen Konkurrenten Oxford Asymmetry International für fast eine Milliarde Mark den Sprung in die Weltliga der Biotech-Branche geschafft. Der Mega Deal, der ausschließlich in Evotec-Aktien bezahlt werden soll, dürfte nicht der letzte im englischsprachigen Raum bleiben.

Denn die kleine Biotechfirma, die für Pharmariesen wie Pfizer, Novartis und Smith-Kline Beecham Wirkstoffe erforscht, will demnächst mit einer Tochtergesellschaft in den USA Fuß fassen. Dann soll die derzeit nur am Neuen Markt notierte Gesellschaft auch an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet werden.

Für den Aufbau des Unternehmens bringt Henco vollen Einsatz

Der in Hannover geborene Henco bewies schon früh unternehmerisches Gespür. Mitte der achtziger Jahre schmiss er seinen gut bezahlten Posten bei BASF und gründete mit zwei ehemaligen Studienkollegen ein eigenes biotechnisches Unternehmen, Diagen. Als die inzwischen in Qiagen umfirmierte Diagen 1993 aus akutem Geldmangel ihre Forschungseinheit Evotec nicht weiter führen wollte, witterte der leicht untersetzte 1,75 Mann seine Chance. Henco übernahm die Firma und suchte nach Geldgebern, um das Unternehmen neu zu gründen. Dabei stieß er auf Freimut Leidenberger und Henrich Schulte. Henco überzeugte die beiden Hamburger Mediziner davon, dass sich das von Evotec entwickelte "Screening" weltweit durchsetzen würde. Schließlich stieß das Verfahren für die Untersuchung von Wirkstoffen, dass die Forschungs- und Entwicklungskosten drastisch senkt, auf reges Interesse vieler Pharmakonzerne. Leidenberger und Schulte waren begeistert und liehen Henco 12,7 Millionen Mark. Erst später folgten Risikokapitalfirmen und Banken.

Die Aufbauarbeit zu einem weltweit führenden Forschungsunternehmen verlangt von Henco vollen Einsatz. Ein normaler Arbeitstag beginnt morgens um sieben und endet abends um 22 Uhr. Freitags fliegt Henco mit der letzten Maschine nach Düsseldorf, wo seine Frau und seine beiden Kinder leben. Montags geht?s mit dem ersten Flieger wieder zurück nach Hamburg. Arbeit am Wochenende ist für Henco allerdings Tabu. "Da bin ich", sagt er schmunzelnd, "fast militant."

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