Er meckert nicht über seine Trainer und hetzt nicht gegen Kollegen
Pavel Nedved: Star ohne Allüren

Pavel Nedved ist der Star im Fußball-Team Tschechiens. Der Mann mit der blonden Schüttelfrisur will aber keine Sonderbehandlung. Er will nur eins, den EM-Titel.

HB PORTO. Pavel Nedved ist ein altmodischer Fußballer. Er lässt sich klaglos auswechseln. Er heult nach Niederlagen. Er meckert nicht über seine Trainer und hetzt nicht gegen Kollegen. Andere tun das aber mit ihm, Francesco Totti zum Beispiel. Der Profi vom AS Rom hält nichts davon, dass Nedved in diesem Jahr zu Europas Fußballer des Jahres gekürt wurde. Dem Tschechen fehle die Fantasie, dessen berüchtigte Drehung mit dem Ball bezeichnete er als «Löffelchen-Nummer.»

Ob, beziehungsweise wie sehr sich Nedved über die Äußerungen Tottis geärgert hat, ist nicht bekannt. Denn wie gesagt. Der Mittelfeld-Star von Juventus Turin spricht nicht über Kollegen. Ein wenig Genugtuung dürfte Nedved aber eine Woche nach dem Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Portugal empfunden haben. Da wurde Totti wegen Spuckens gegen den Dänen Christian Poulsen für drei Spiele gesperrt. Nicht mal eine Woche später war die EM für die Italiener trotz eines 2:1-Sieges gegen Bulgarien nach der Vorrunde beendet.

Italien wäre Tschechiens Angstgegner im Viertelfinale gewesen, das haben alle im Team so empfunden. Nun bekommen sie es mit Dänemark zu tun. Am Sonntagabend geht ein ausgeruhter Nedved in das wichtige Spiel in Porto. Nationaltrainer Karel Brückner hatte seinen Star im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland (1:2) geschont. «Ich werde alles tun, damit Tschechien die Europameisterschaft gewinnt», versprach Nedved den Menschen in der Heimat.

Für dieses Ziel wird Nedved köpfen, flanken und rennen. Der 31-Jährige legt einen verbissenen Eifer an den Tag, wenn es um den Sport geht. «Er hat überragende Fähigkeiten», sagt Brückner über ihn. Schon als kleiner Junge war sein Ehrgeiz groß. Nach der Schule marschierte er täglich ohne Umwege auf den Trainingsplatz des deutsch-tschechischen Grenzstädtchens Cheb.

Als Jugendlicher wurde Nedved von Skoda Pilsen engagiert, mit 20 Jahren ging es weiter zu Sparta Prag. Gleich nach der EM 1996, bei der Tschechien im Endspiel gegen Deutschland den Kürzeren gezogen hatte (1:2), wechselte der Blondschopf nach Italien. Erst zu Lazio, wo er den Europapokal der Pokalsieger gewann, dann nach Turin.

Nach einer überragenden Saison im vergangenen Jahr musste Nedved zum ersten Mal eine bittere Pille schlucken. Im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid sah er die Rote Karte. Das Endspiel gegen den AC Mailand verlor seine Mannschaft - ohne ihn.

«Natürlich bleibe ich in Turin», hatte Nedved gesagt, als es darum ging, ob er wechseln wolle. «Ich habe doch hier noch was zu erledigen: die Champions League gewinnen.» Auch mit der tschechischen Nationalmannschaft hat er noch etwas zu erledigen: Die Europameisterschaft gewinnen.

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