"Er soll so bleiben"
Rummenigge verteidigt Kahn

Nach Kahns Ausraster gegen den Leverkusener Stürmer Thomas Brdaric gibt es statt Schelte sogar Rückendeckung von Bayern München. "Er soll so bleiben wie er ist", verteidigt der Vorstandsvositzende Rummenige den "Fußball-Rambo".

HB/dpa MÜNCHEN. Nur drei Monate nach der Weltmeisterschaft hat Oliver Kahn sein altes Image als Fußball-Rambo wieder, doch beim FC Bayern München ruft das niemanden auf den Plan. Im Gegenteil: Statt den Nationaltorhüter nach dessen Würgegriff gegen den Leverkusener Stürmer Thomas Brdaric öffentlich zur Ordnung zu rufen, gab es vom Vorstandsvorsitzenden des Weltpokalsiegers sogar uneingeschränkte Rückendeckung für den einmal mehr ausgerasteten Kapitän. "Oliver Kahn soll sich bloß nicht ändern. Er soll so bleiben, wie er ist. Er ist 100 % Bayern München", sagte Karl-Heinz Rummenigge.

Trainer Ottmar Hitzfeld zeigte sogar Verständnis dafür, dass sich Kahn als Unschuldslamm gebärdete und dünnhäutig seinen Rücktritt als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft anbot, falls ihm nach der Unsportlichkeit die Vorbildfunktion abgesprochen werden sollte. "Wenn Oliver Kahn überall in Deutschland ausgepfiffen und zum Sündenbock hingestellt wird, ist es absolut legitim, über einen Rücktritt als Kapitän der Nationalmannschaft nachzudenken", bemerkte Hitzfeld und stellte demonstrativ fest: "Bei uns bleibt er Kapitän."

Teamchef Völler setzt auf Kahns Einsicht


DFB-Teamchef Rudi Völler fand die Rot-würdige Aktion gegen Brdaric - wurde von Schiedsrichter Hellmut Krug (Gelsenkirchen) lediglich mit der Gelben Karte geahndet - zwar "nicht in Ordnung". Doch für den 42- Jährigen ist Kahns Rücktrittsangebot als DFB-Kapitän trotzdem kein Thema. Völler setzt vielmehr auf Einsicht seines Führungsspielers: "Er wird darüber nachdenken und es in Zukunft etwas anders machen."

Doch wird sich der Wiederholungstäter Kahn tatsächlich ändern, solange er in der Bundesliga jedes Mal ungestraft davon kommt und ihn kein Platzverweis mit anschließender Sperre zu einer wirklichen Denkpause zwingt? Die von Völler prophezeite Einsicht zeigte Kahn nach dem Akt der Selbstjustiz gegen Bayer-Stürmer Brdaric, der ihm trotz Spielunterbrechung den Ball ins Tor geschossen hatte, spontan jedenfalls nicht. "Solche Dinge gehören dazu», meinte Kahn, «Fußball ist ein Männersport."

"Mein Image ist mir nicht so wichtig" behauptete der 53-malige Nationalspieler sogar, nachdem ihn die Vergangenheit eingeholt hatte. Dem widersprach jedoch Franz Beckenbauer am Dienstag in der Münchner "Abendzeitung": "Er ist eigentlich ganz sensibel, er will ja auch wie jeder geliebt werden", meinte der Bayern-Präsident.

Kahn ist wieder Feindbild Nummer 1


Zu Saisonbeginn war das der Fall gewesen. Am 1. Spieltag wurde Kahn beim Auswärtsspiel der Bayern in Mönchengladbach sogar von den Borussen-Fans als WM-Held gefeiert. Seine überragenden Leistungen in Japan und Südkorea trugen Deutschlands Nummer 1 Beifall statt der gewohnten Schmährufe ein. Doch spätestens seit der Entgleisung vom vergangenen Samstag ist der weltbeste Torhüter bei Auswärtsspielen wieder das Feindbild Nummer 1 im Trikot des Rekord-Meisters.

Im Champions-League-Spiel der Bayern am Dienstag gegen den AC Mailand wurde Kahn schon wieder von der Vergangenheit eingeholt. Erstmals nach dem verlorenen WM-Finale gegen Brasilien kreuzten sich die Wege des Torhüters und des neuen Milan-Stars Rivaldo. Im Endspiel von Yokohama war Kahn in der 69. Minute bei einem Schuss des Brasilianers jener verhängnisvolle Fehler unterlaufen, den Ronaldo mit dem 1:0 bestrafte und der Deutschland auf die Verliererstraße brachte. "Der Fehler wurde bitter bestraft", meinte Kahn vor dem Wiedersehen mit Rivaldo: "Aber das ist Vergangenheit." Doch einen wie ihn holt sie offenbar immer wieder ein.

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