Erben der Firmengründer sprechen sich gegen Übernahme aus
Fusion von HP und Compaq droht zu scheitern

Der Plan von HP-Chefin Carly Fiorina, den Computerkonzern Compaq zu übernehmen, geht offenbar nicht auf. Die einflussreichen Aktionäre der HP-Gründerfamilien wollen den Zusammenschluss verhindern.

tor/rut NEW YORK. Die Übernahme des Computerherstellers Compaq durch den Konkurrenten Hewlett-Packard (HP) wird immer unwahrscheinlicher: Die David and Lucile lehnt die Transaktion ab. Die Stiftung ist mit einem Anteilsbesitz von 10,4 % der größte Einzelaktionär von HP. Zuvor hatten sich bereits die anderen Familienerben der Firmengründer William Hewlett und David Packard gegen die Fusion ausgesprochen. Damit wollen Vertreter von etwa 18 % des Aktienkapitals gegen die Pläne von HP-Chefin Carly Fiorina votieren.

Analysten glauben, dass die Entscheidung der unter Aktionären und Mitarbeitern hoch angesehenen Familien Signalwirkung für andere Anteilseigner von HP hat und deshalb bei der entscheidenden Abstimmung keine Mehrheit für die Übernahme zu Stande kommt. "Es ist vorbei. Die Fusion machte von Anfang an keinen Sinn", sagte Ashok Kumar, Analyst beim Finanzdienstleister US Bancorp Piper Jaffrey. Auch an der Börse wachsen die Zweifel an der mit einem Volumen von 25 Mrd. $ größten Fusion in der Technologiebranche: Während der HP-Kurs im nachbörslichen Handel um 8 % anstieg, sackte die Notierung von Compaq um 12 % ab.

Ein Scheitern der Fusion hätte für beide Unternehmen gravierende Folgen. Die ohnehin umstrittene HP-Chefin Fiorina wäre vermutlich ihren Job los. Zu stark hat sie sich mit der Fusion identifiziert, zu viele ihrer Vorhaben sind bereits gescheitert. HP müsste außerdem eine Vertragsstrafe von 675 Mill. $ an den Wunschpartner zahlen. Für Compaq wäre das allerdings kaum mehr als ein Trostpflaster. Der nach Dell zweitgrößte Computerbauer der Welt schreibt tiefrote Zahlen. Mit dem Bau von Personalcomputern (PC), dem Kerngeschäft von Compaq, lässt sich kaum noch Geld verdienen. Die Branche steckt in der größten Absatzkrise seit 15 Jahren. Diesem verlustreichen Konkurrenzkampf wollten HP und Compaq gemeinsam entfliehen. Die lukrativeren Märkte für Netzwerkrechner und IT-Dienstleistungen sind jedoch bereits von mächtigen Konkurrenten wie IBM oder Sun Microsystems besetzt.

Beide Partner "enttäuscht"

Die Lage auf dem umkämpften PC-Markt hat offenbar auch die Familienerben vor der Fusion zurückschrecken lassen. Sie befürchten, dass das profitable Druckergeschäft von HP durch die Übernahme eines PC-Herstellers leiden könnte. "Nach einer eingehenden Analyse haben wir uns vorläufig entschieden, dass es für die Stiftung besser wäre, wenn Hewlett-Packard die Fusion nicht weiterverfolgt", begründete die Vorsitzende der Packard Foundation, Susan Packard Orr, die Ablehnung. Das Vermögen der Stiftung ist durch den Kursverfall der HP-Aktie nach Verkündung der Fusionspläne im September auf nur noch 6 Mrd. $ gesunken. Im vergangenen Jahr war es noch mehr als doppelt so groß.

Die beiden Fusionspartner zeigten sich "enttäuscht" von der Entscheidung der Packard Foundation. "Wir werden jedoch die Fusionspläne mit aller Kraft weiterverfolgen", sagte eine HP-Sprecherin. Ein Termin für die Abstimmung der Aktionäre wird nicht vor Februar erwartet. Selbst wenn es HP-Chefin Fiorina noch gelingen sollte, die Mehrheit der Anteilseigner auf ihre Seite zu ziehen, ist die Fusion damit noch nicht unter Dach und Fach. Die Kartellbehörden in den USA und Europa müssten der Transaktion noch zustimmen. In Brüssel regt sich bereits Unmut darüber, dass die US-Konzerne ihre Vorhaben noch immer nicht offiziell angemeldet haben.

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