Erblast des Krieges
Chemische Sensoren helfen bei der Minensuche

Noch ist die Suche nach Sprengfallen in den Krisengebieten dieser Welt Handarbeit. Mit neuen Techniken könnte die gefährliche Arbeit künftig sicherer werden.

DÜSSELDORF. Hendrik Ehlers weiß, wie man eine Mine anpackt: Der Deutsche entschärft seit Jahren im afrikanischen Busch die hinterhältigen, oft nur wenige Zentimeter großen Sprengfallen. "Zunächst knote ich eine 50 Meter lange Schnur an der Mine fest. Dann gehe in Deckung und ziehe ich dran, um sicher zu gehen, dass an der einen nicht noch mehr dranhängt." Der Rest ist Fingerspitzengefühl und "ruhiges Blut".

Wenn Ehlers so weit ist, hat er schon viel erreicht: Er weiß, dass es in einem Gebiet eine Mine gibt und - er hat sie gefunden. Doch das dauert lange. Die Informationen über die genauen Positionen verminter Gebiete sind oft ungenau. Das manuelle Minensuchen ist heute nach wie vor das sicherste und effizienteste Vorgehen. Ist ein Feld identifiziert, durchstochern die Minensucher mit Suchnadeln vorsichtig den Boden - Zentimeter um Zentimeter.

Metalldektektoren sind zu ungenau

Technische Hilfsmittel wie Metalldetektoren reagieren allerdings auch auf Nägel, Coladosen oder schlicht eisenhaltigen Boden - und verursachen dementsprechend viele Fehlalarme. Experten wie Ehlers, der Projekte der Düsseldorfer "Stiftung Menschen gegen Minen" (MgM) koordiniert, wünschen sich daher Techniken, mit denen sie die Minen gezielt finden können.

Es gibt auf der Welt rund 700 Minenarten. Doch alle haben eines gemeinsam: Sie bestehen aus Sprengstoff, und den gilt es zu erkennen oder vielmehr "zu riechen". Das Fraunhofer Institut für Chemische Technologie arbeitet daher an einer künstlichen Nase, die den Sprengstoff TNT riechen soll. Die Sonde besteht aus drei Elektroden, an die Spannung angelegt wird. Ist TNT in der Luft, findet eine chemische Reaktion statt, der Strom an der Elektrode wächst und das Gerät schlägt Alarm. In zwei Jahren soll es einsatzreif sein.

Praktiker wie Ehlers oder Sara Sekkenes von der Organisations Norwegian Peoples Aid (NPA) sind jedoch noch skeptisch: Die Ergebnisse seien noch nicht überzeugend. Erfolgversprechender ist der Einsatz von Röntgentechnologie oder der auf einem ähnlichen Prinzip beruhenden Neutronenrückstrahltechnologie. So gibt es bereits einen mobilen Röntgen-Scanner, der einen großen Vorteil hat: Er kann im Gegensatz zu allen anderen Technologien eine vergrabene Mine bildhaft darstellen.

Experten wünschen sich Lösung aus dem Baukasten

Andere einfache technische Lösungen für die Minensuche zeichnen sich bislang nicht ab. Bei der "International Campaign to Ban Landmines", die 1997 für ihr Engagement den Friedensnobelpreis erhielt, wünschen sich die Experten ein Art "Werkzeugkasten" für die Minensuche. Je nach geographischer Beschaffenheit oder den finanziellen Möglichkeiten sollten sich die Minensucher die passende Technik auswählen können.

Rund 70 Millionen Landminen sind auf der Erde vergraben. Die Liste der betroffenen Länder ist lang: Sie umfasst rund 91 Staaten und reicht von Estland über den Irak bis nach Mosambik. Hilfsorganisationen wie "Menschen gegen Minen" schätzen, dass rund 100 000 Minen jährlich entschärft werden. Doch es kommt gleich wieder ein Vielfaches dieser Menge hinzu. Selbst wenn ab heute keine Mine mehr verlegt würde, bräuchte man wohl mehrere hundert Jahre um alle zu finden und zu räumen.

Ob High Tech bei der Minensuche wirklich weiterhelfen wird, ist jedoch nicht sicher. "Viele Länder der Welt haben nicht die Möglichkeiten, diese Geräte zu kaufen und einzusetzen", gibt Sara Sekken zu bedenken.

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