Erbschaftssteuer
Gesellschaftliche Verpflichtung – oder Abzockerei des Staates?

In den USA wird heftig über die Abschaffung der Erbschaftssteuer gestritten. Die Debatte verläuft quer durch alle gesellschaftlichen Reihen. Und so kommt es, dass sich selbst Bill Gates für eine Beibehaltung der Steuer stark macht.

WASHINGTON. Der Vater des reichsten Mannes der Welt hat eine klare Meinung zur amerikanischen Erbschaftsteuer: "Die Reichen sollten diese Steuer zahlen, weil sie den Menschen dies schuldig sind", predigt Bill Gates senior seit Jahren. Denn deren Wohlstand sei nur möglich, weil die amerikanische Gesellschaft den Kapitalismus unterstütze. Und der Staat, so sekundiert Sohn und Microsoftgründer Bill Gates junior, schaffe die Infrastruktur, damit an den Uni-Labors und Hochschulen pfiffige junge Menschen den Grundstein für ihr späteres Vermögen legen könnten. Deshalb müsse die Erbschaftsteuer in den Vereinigten Staaten beibehalten werden - quasi als Dankeschön an die Menschen.

Bis auf weiteres bleibt sie das auch. Im US-Senat ist der Versuch der Republikaner gescheitert, über das Gesetz zur Abschaffung der Steuer abzustimmen. Drei Stimmen fehlten den Konservativen, um es zum Schwur kommen zu lassen. Wegen der nur knappen Niederlage werden sie wahrscheinlich noch in diesem Jahr einen weiteren Vorstoß unternehmen. Sie tun dies ungeachtet der Aufrufe einer illustren Schar von Wohlhabenden im Land, der neben Gates etwa auch der Investor Warren Buffett und der Schauspieler Paul Newman angehören. Doch die Republikaner sind überzeugt: Die Erbschaftsteuer richtet mehr Schaden an, als sie Nutzen stiftet.

Mit dieser Argumentation treffen sie einen wunden Punkt. Denn die große Bereitschaft manch reicher Amerikaner, freiwillig Erbschaftsteuer zu zahlen, ist nach Auffassung von Kritikern pure Heuchelei. Die Wohlhabenden würden sich tatsächlich sämtlicher legaler Tricks bedienen, um die Steuer zu vermeiden oder zu reduzieren. Da werden Trust-Funds angelegt, Steuermodelle entwickelt oder vorzeitige Schenkungen an die künftigen Nutznießer getätigt, um die Erbschaftsmasse zu senken. Zahlen würden am Ende nur jene, die nicht so geschickt waren, die Schlupflöcher zu nutzen. Gerecht sei dies deshalb wahrlich nicht.

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