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Erdbeben der Stärke 5,4 in Baden-Württemberg

Ein Erdbeben der Stärke 5,4 auf der Richterskala hat am frühen Sonntagmorgen tausende Baden-Württemberger aus dem Schlaf gerissen. Das Epizentrum lag bei Waldkirch nahe Freiburg. Die Erdstöße seien bis zu 250 Kilometer weit spürbar gewesen.

dpa FREIBURG. Ein Erdbeben der Stärke 5,4 auf der Richterskala hat am frühen Sonntagmorgen tausende Baden-Württemberger aus dem Schlaf gerissen. Das Epizentrum lag bei Waldkirch nahe Freiburg. Die Erdstöße seien bis zu 250 Kilometer weit spürbar gewesen.

Das sagte der Seismologe Wolfgang Brüstle vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau. Trotz der Schwere des Erdbebens habe es "nur erstaunlich geringe Schäden gegeben". Tausende besorgte Bürger meldeten sich allerdings telefonisch bei den Polizeidienststellen und legten mancherorts die Notrufleitungen lahm.

In der Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes im ehemaligen Krankenhaus von Furtwangen stürzte das Dach eines Flurs ein. In Immendingen wurden durch Mauerrisse und verrutschte Kaminaufsätze mehrere Häuser beschädigt. Vielerorts wackelten Regale, Wandschmuck und Bücher fielen herunter, Fassadenputz bröckelte, vereinzelt landeten Dachziegel auf Straßen und Bürgersteigen. Nach Angaben des Landesamtes ist bei Beben dieser Stärke im Umkreis von 40 Kilometern um das Epizentrum mit Gebäudeschäden zu rechnen.

Um 2.52 Uhr kam es in zwölf Kilometern Tiefe zu ruckartigen Verschiebungen von Gesteinsschollen. Mehrere Sekunden lang bebte die Erde. Auch tausende Bewohner in der Schweiz und in Frankreich wurden verängstigt. "Ich kam mir vor wie auf einer stark schleudernden Waschmaschine", berichtete eine Anruferin aus Freiburg. "Ich dachte zuerst, es sei eine Explosion unten im Haus." Selbst in Stuttgart - mehr als 100 Kilometer von Waldkirch entfernt - liefen einige Bewohner erschreckt auf die Straße.

In den folgenden Stunden wurden mehrere Dutzend kleine Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 2,7 gemessen. Auch für die kommenden Tage sei - zumindest in und um Waldkirch - mit weiteren kleinen Erschütterungen zu rechnen, sagte Brüstle.

Experten des Potsdamer Geoforschungszentrum sollen die Ursachen des Erdbebens untersuchen. Dazu brach die so genannte Task Force Erdbeben am Sonntag Richtung Südbaden auf. "Durch Messung und Untersuchung der Nachbeben erhalten wir detaillierte Informationen zum Bebenmechanismus", sagte der Leiter der Task Force, Professor Jochen Zschau. "Wir können daraus auch ableiten, wie der Erdbeben- Riss in der Erdkruste verläuft und wie er sich weiter entwickeln kann."

Die vergleichsweise geringen Schäden seien auch auf die guten Baunormen in Baden-Württemberg zurückzuführen, sagte Zschau. "Allerdings hat das Beben auch nicht direkt ein Stadtgebiet getroffen. Es wäre dann nicht so glimpflich abgelaufen." Der Oberrheingraben gehöre zu den seismisch aktivsten Zonen Deutschlands. Dort kommt es immer wieder zu kleineren Erdstößen.

Der Experte Ralph Ortlieb vom Landesamt in Freiburg betonte: "Auch wenn es subjektiv so erscheinen könnte, hat die Zahl der Erdbeben in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg nicht zugenommen." Ein ähnlich schweres Erdbeben hatte es zuletzt am 22. Februar 2003 gegeben: In den Vogesen westlich von Straßburg bebte es mit einer Stärke von 5,4. In Baden-Württemberg wurden damals in mehr als 40 Gebäuden Risse an Mauern und Kellern registriert. Bei einer Versicherung gingen mehr als 80 Schadensmeldungen ein.

Am 22. März 2003 beschädigte ein Erdbeben der Stärke 4,4 mit Epizentrum in Albstadt (Zollernalbkreis) einige Gebäude. Selbst im 70 Kilometer entfernten Stuttgart zitterten Bürogebäude und Wohnhäuser minutenlang. Das größte Beben der vergangenen Jahrzehnte im Südwesten erschütterte am 3. September 1978 den Zollernalbkreis mit einer Stärke von 5,7 auf der Richterskala. 25 Menschen wurden verletzt. Es entstand ein Sachschaden von mehr als 100 Mill. Mark.

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