Erdbeben in China
„Nicht das Beben tötete die Kinder“

Das Erdbeben in China ließ Schulen wie Kartenhäuser zusammenfallen, begrub tausende Kinder unter den Trümmern. Nun mischt sich in die Trauer der verzweifelten Eltern Wut. Entgegen der Vorschrift waren die zerstörten Schulen - Neubauten - vielerorts nicht erdbebensicher. Doch die Klagen gegen Baumängel und Korruption sind wenig erfolgversprechend.

CHENGDU. Sie hat noch immer ihr bunt besticktes Trachtenkleid an. Doch Dreck und Blut haben dem roten Kostüm die Fröhlichkeit genommen. Und die Augen der Schülerin erzählen von einem Horror, der kaum vorstellbar ist. "Wir hatten uns gerade vor der Schule für eine Theateraufführung aufgestellt", sagt das Mädchen, das aus dem zerstörten Ort Beichuan ins nächste Krankenhaus gebracht worden ist. "Da stürzte hinter mir das ganze Gebäude ein." Durch die Wucht wurde die erste Etage komplett in die Erde gerammt. Seit Tagen versuchen Rettungskräfte, die 500 Kinder zu bergen, die unter den Trümmern liegen. Hoffnung auf Überlebende gibt es kaum noch.

Die meisten Schulen waren zum Zeitpunkt des Bebens voll. Rund 1 000 Schüler und Lehrer wurden allein in Dujiangyan begraben. Darunter auch Zhous Sohn. Noch immer harren überall Eltern vor den Schultrümmern aus, rufen die Namen ihrer Kinder in den Schutt. Oder weinen einfach nur: "Holt sie bitte da raus."

Doch die Trauer mischt sich längst mit Wut. "Unser Mädchen wurde nicht durch das Beben getötet", wettert etwa Bi Kaiwei. Seine 13jährige Tochter und die anderen Kinder seien vom Pfusch am Bau umgebracht worden. "Und die Offiziellen wussten, dass die Gebäude unsicher sind", lautet der Vorwurf, der inzwischen überall laut wird.

Auch in Dujiangyan. Wu Siuping, dessen Tochter in der Mittelschule begraben liegt, zeigt auf die Trümmer und sagt: "Schauen Sie, die Säulen waren mit Sand und Dreck gefüllt, nicht mit Zement." Und ein anderer Vater erklärt: "Da wollte jemand Geld sparen." Das Bauministerium hat eine Untersuchung angeordnet, die klären soll, warum so viele Schulen in Sichuan wie Kartenhäuser eingestürzt sind. Nach Angaben der Behörden fielen 6 900 Schulen in der Region einfach in sich zusammen.

Dabei hat China die klare Vorgabe, dass alle Neubauten erdbebensicher sein müssen. "Die Vorschriften sind gut und solide", sagt auch Susan Tubbesing vom kalifornischen Erdbebenforschungsinstitut. Aber die Schulbauten sind Sache der Kommunen.

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