Erde erwärmt sich in nächsten 100 Jahren um 5,8 Grad
Klimawandel vermutlich dramatischer als bisher angenommen

ap SHANGHAI. Der Klimawandel in den kommenden 100 Jahren könnte dramatischer ausfallen als bisher erwartet. Wissenschaftler aus aller Welt warnten in einem am Montag veröffentlichten Bericht vor einer starken Erwärmung der Erdatmosphäre, die zu Veränderungen der Wetterlage führe. Die Forscher erklärten nach einer von den Vereinten Nationen organisierten Konferenz in Schanghai, Dürren könnten bislang fruchtbare Gebiete befallen, während ein Abschmelzen des Polareises einen Anstieg der Meeresspiegel auslösen könnte. Von diesen Klimaveränderungen seien die Ärmsten der Welt am stärksten betroffen.

"Dies gibt den Regierungen der Welt neue Impulse, Wege zu finden, um zu ihren Verpflichtungen zu stehen und die Emission der Treibhausgase zu reduzieren", sagte der Vorsitzende des UN-Komitees für Klimaveränderungen, Robert Watson. Sein Komitee organisierte die Konferenz in Schanghai, deren Teilnehmer für die kommenden 100 Jahre von einer Erwärmung der Erdatmosphäre um 5,8 Grad Celsius ausgehen. In dem Bericht hieß es weiter, neue Forschungsergebnisse zeigten deutlich, dass der Temperaturanstieg auf die Luftverschmutzung zurückgehe und nicht auf natürliche Faktoren. "Der Grad der Klimaveränderung in diesem Jahrhundert ist größer als der in den vergangenen 10 000 Jahren", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Treffens, Sir John Houghton.

"Die Armen in den Entwicklungsländern werden am schwersten betroffen sein", sagte Watson, Wissenschaftberater der Weltbank. Im schlimmsten Fall könnten die Meeresspiegel in den kommenden 1 000 Jahren bis zu drei Meter steigen, hieß es. Küstenregionen in China, Ägypten und anderen Ländern könnten überschwemmt werden. China leide bereits unter der Klimaveränderung; dort sei nach einer schweren Dürre im vergangenen Jahr die Ernte um zehn Prozent zurückgegangen.

China liegt bei den Treibhausgasen auf Rang zwei

China ist der zweitgrößte Produzent von Treibhausgasen nach den USA. Amerikanische Autos, Fabriken und Kraftwerke stoßen ein Viertel der weltweiten Treibhausgase aus. Watson erklärte, China habe mehr als die USA für ein umweltverträgliches Wirtschaftswachstum getan. An den Forderungen der USA war im vergangenen November die Klimakonferenz in Den Haag gescheitert, bei denen sich die Teilnehmer auf eine Reduzierung der Treibhausgase um 5,2 % bis 2010 einigen wollten. Die Unterhändler wollen die Verhandlungen im Mai in Bonn wieder aufnehmen.

Die Konferenz in Schanghai bildete den Auftakt für eine Reihe von Treffen unter Leitung der UN, mit denen die Verhandlungen neue Impulse bekommen sollen. Bei anderen Konferenzen wollen sich die Teilnehmer mit den sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der globalen Erwärmung beschäftigen. Die Serie von Treffen endet im April mit der Veröffentlichung eines umfassenden Berichts in Kenia. Watson erklärte, die Regierungen müssten den ärmeren Ländern umweltfreundliche Technologien zur Verfügung stellen, obwohl diese nicht dafür zahlen könnten.

Siehe auch: "Der Charme der Kohlendioxid-Zertifikate"

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