Erdgasvorräte in Nordamerika gehen zur Neige
Wertpapier-Analysten empfehlen Aktien von Energieunternehmen

Für Analysten nordamerikanischer Finanzhäuser stellen Energieaktien eine der solidesten und interessantesten Anlagemöglichkeiten dar. Fachleute warnen vor schrumpfenden Erdgasvorkommen in Nordamerika und raten Anlegern daher zum Einstieg in Aktien von Erdgasproduzenten.

FRANKFURT/M. Aktien nordamerikanischer Erdgasproduzenten scheiden derzeit die Geister der Experten. Während die meisten Analysten die Lage am nordamerikanischen Erdgasmarkt eher gelassen betrachten, lässt Marshal Adkins, Energie-Analyst des Finanzhauses Raymond James & Associates die Alarmglocken läuten. "Das Angebot an Erdgas fällt mit einer Geschwindigkeit wie wir es noch niemals zuvor gesehen haben", warnt Adkins. Die in den USA zuletzt stark gestiegenen Erdgasvorräte würden über die tatsächliche Situation hinwegtäuschen.

"Wer heute an der Aktienbörse investieren will, sollte sein Geld vor allem in Energieaktien stecken", rät der Experte. Diese Titel dürften 2002 und 2003 eine weit überdurchschnittliche Wertentwicklung aufweisen. Auch Fadel Gheit, Energie-Analyst des Finanzhauses Fahnestock & Co. in New York, geht davon aus, dass Energieaktien sowohl kurz- als auch langfristig eine deutlich überdurchschnittliche Wertentwicklung aufweisen werden.

Das Kurspotenzial der Erdgasaktien und der Aktien von Energieserviceunternehmen wird maßgeblich vom Trend der Rohöl- und Erdgaspreise bestimmt. Nach schwachem Start in das laufende Jahr hat sich der Gaspreis an den nordamerikanischen Märkten zuletzt kräftig erholt. Nachdem noch im Januar 2,19 $ pro MMBtu (Million British termal units) gezahlt wurden, kam es bis Mitte Mai zu einem Anstieg auf 3,88 $, bevor eine Minuskorrektur auf 3,34 $ einsetzte. Noch in den Jahren 2000 und 2001 waren die Erdgaspreise an der New York Mercantile Exchange im Jahresmittel bei 4,32 bzw. 4,03 $ gehandelt worden. An den Terminbörsen wird Erdgas in MMBtu notiert. Eine Kilowattstunde entspricht dabei 0,003412 MMBtu.

Die Preise für Erdgas seien vor allem wegen der zuletzt in Rekordnähe gestiegenen Bestände leicht zurückgefallen, sagt Guy Gleichmann, Energie-Fachmann von Barkley Financial Corporation in Fort Lauderdale. Die Meldung über einen unerwartet starken Anstieg der Gasvorräte sei für die Optimisten wie ein Dolchstoß gewesen.

Experten über Gasmarkt uneins

Bei der Einschätzung des künftigen Preistrends am Gasmarkt sind Analysten geteilter Meinung. Steve Turner und Doug Leggate von Commerzbank Securities prognostizieren für 2002 und 2003 einen Durchschnittspreis von 3,20 $/MMBtu. Etwas optimistischer ist Patricia M. Mohr von der Scotiabank in Toronto, die einen Durchschnittspreis von 3,30 $ für dieses Jahr und von 3,62 $ für das Jahr 2003 erwartet.

Nach Ansicht von Marshall Adkins sieht die Lage am Erdgasmarkt derzeit bedenklicher aus, als von den Marktteilnehmern registriert werde. Seine Durchschnittsprognose für den Gaspreis:: 3,50 $ für 2002 und 3,75 $ für 2003. Die Witterung könne solche Prognosen rasch hinfällig machen. Gas notierte im vergangenen Winter - einem der mildesten in der Geschichte - über 4 $. "Gibt es in diesem Jahr einen normalen Winter, kann Gas über 5 $ steigen", lautet die Warnung.

Bei einer detaillierten Analyse der Lage sei festzustellen, dass neu entdeckte Gasvorkommen trotz deutlich gestiegener Bohraktivitäten zu keiner Ausweitung der Gesamtvorkommen geführt hätten. "Die Gasreserven in Nordamerika reichen nach heutigem Kenntnisstand nur noch für sieben bis zehn Jahre", sagt Adkins gegenüber dem Handelsblatt. Der Analyst geht davon aus, dass die Bohrtätigkeit in den nächsten Jahren kräftig zunehmen wird. Diese Suche treibe die Explorationsgesellschaften aber in immer unwegsamere und nur schwer zugängliche Gebiete. So würden die Erdgasbohrungen vor der US-Küste im Golf von Mexiko in immer tieferen Gewässern durchgeführt.

"In den nächsten Jahren wird die Nachfrage das Angebot an Bohrtürmen und Bohrgeräten übersteigen", sagte Mark Siegel, Chairman des Energieservice-Unternehmens Patterson-UTI, in Frankfurt. Die Kaufliste von Adkins umfasst Patterson, Nabors, BJ Services, National Oilwell und Rowan. Bei Fahnestock gelten unter anderem Comstock Resources und Valero als kaufenswert.

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