Erdrückende Beweise gegen Heckenschützen
Washington atmet wieder auf

Die Angst vor dem Heckenschützen ist vorbei: Die Polizei in Washington ist sich völlig sicher, dass ihr mit John Allen Muhammad und John Lee Malvo die gefürchteten Serientäter ins Netz gegangen sind und sich die Bürger sich wieder frei bewegen können. Ermittlungsbeamte sprachen am Freitag von "erdrückenden Beweisen" gegen den 41-jährigen Golfkriegsveteranen und dessen 17- jährigen Begleiter, denen nun Anklagen wegen mehrfachen Mordes und die Todesstrafe drohen.

HB/dpa WASHINGTON. Als Hauptbeweisstück gilt ein im Wagen der beiden gefundenes Gewehr, bei dem es sich nach den Ergebnissen ballistischer Untersuchungen um die "Sniper"-Tatwaffe handelt. Über die Motive herrschte unterdessen weiter völliges Rätselraten. Obwohl der zum Islam konvertierte Muhammad Sympathien für die Flugzeugentführer vom 11. September äußerte, hat die Polizei nach eigenen Angaben keinerlei Hinweise auf eine Verbindung zu einer Terrororganisation.

Vertreter der Staatsanwaltschaften wollten noch am Freitag aus den von der Mordserie betroffenen Rechtsgebieten über das weitere Vorgehen beraten. Die dem Duo zugeschriebenen Anschläge mit insgesamt zehn Toten und drei Schwerverletzten haben sich in den Staaten Maryland und Virginia sowie in der Bundeshauptstadt Washington ereignet. Malvo wird außerdem ein Raubmord in Alabama angelastet. Vor allem Virginia ist an einer Durchführung der Prozesse interessiert, weil dort die Hürden für die Verhängung der Todesstrafe besonders niedrig sind und auch Minderjährige exekutiert werden können.

Bevölkerung feiert ihre wiedergewonnene Freiheit

Die Bevölkerung im Großraum Washington feierte unterdessen ihre wiedergewonnene Freiheit. "Sniper caught" - Heckenschütze gefasst - hieß es in Riesenlettern auf Plakaten, die an die Zeitungsboxen entlang der Straßen geklebt waren. Zeitungen titelten mit Riesenschlagzeilen wie "Gott sei Dank, es ist vorbei".

Nach über drei Wochen der Angst und des Terrors füllten sich leer gewordene Restaurants, Cafes und Einkaufszentren wieder. Schulkinder durften endlich im Freien toben, nachdem der Unterricht wegen der drohenden Gefahr hinter abgeschlossenen Türen stattgefunden hatte und alle Aktivitäten draußen eingestellt worden waren. Auch der Betrieb an den Tankstellen nahm spürbar zu: Viele Autofahrer hatten die Zapfsäulen nach wiederholten Anschlägen beim Tanken gemieden.

Täter am Donnerstag gefasst

In der Nacht zum Donnerstag hatte die Polizei mitgeteilt, dass das im Auto von Muhammad und Malvo gefundene Sturmgewehr der Marke "Bushmaster. 223" bei mindestens 11 der 13 Anschläge benutzt wurde. "Wir fühlen uns gut. Wir haben die Waffe, sie ist nicht mehr auf der Straße", sagte Fahndungsleiter Charles Moose, im Zuge der Ermittlungen international ein bekanntes Gesicht geworden, auf der Pressekonferenz. Seine Stimme war tränenerstickt, als er über die Opfer der Anschläge sprach und hinzufügte: "Ich wünschte, wir hätten die Täter schneller gefasst."

Bereits vor der Pressekonferenz hatten sich die Hinweise gehäuft, dass die am frühen Donnerstagmorgen Verhafteten tatsächlich die Heckenschützen sind. Nach Medienberichten deuten darauf auch eine "Scharfschützen"-Erfahrung Muhammads sowie eine Art Schießscharte in dem Fahrzeug hin, in dem das Duo gestellt wurde. Danach wies das Auto im Kofferraum zwei große Löcher auf - eines für den Gewehrlauf und eines für das Zielfernrohr. Die Polizei schließt daraus, dass zumindest bei mehreren der Anschläge aus dem Kofferraum heraus geschossen wurde. Sie nannten das Fahrzeug in diesem Zusammenhang eine "wahre Tötungsmaschine".

Muhammad, dessen Nachname auch als Williams bekannt ist, und Malvo wurden bereits am Donnerstag einem Bundesrichter im Staat Maryland vorgeführt, aber noch nicht im Zusammenhang mit den "Sniper"-Attacken angeklagt. Muhammad wurde zunächst wegen verbotenen Waffenbesitzes in einem Fall angeklagt, der nicht im Zusammenhang mit den "Sniper"- Attacken steht und seinen Ausgangspunkt im US-Westküstenstaat Washington hat.

Malvos erster Auftritt vor Gericht fand hinter verschlossenen Türen statt, weil es sich um einen Minderjährigen handelt. Dem Vernehmen nach wird er vorerst als "wichtiger Zeuge" im "Sniper"-Fall festgehalten. Sein Verhältnis zu Muhammad ist unklar: Nach Medienangaben ist Muhammad entgegen ersten Berichten nicht der Stiefvater des Teenagers.

Wie der Sender CNN meldete, glänzte der Armeemechaniker Muhammad während seiner insgesamt mehrjährigen Militärzugehörigkeit durch seinem "geschickten" Umgang mit M-16-Gewehren. Er habe mehrfach Auszeichnungen als Scharfschütze erhalten, hieß es. Die M-16 ist die militärische Version des Gewehres der Marke "Bushmaster.223".

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