Ereignisse überschlagen sich
Jagd auf den „Sniper“

18 Tage lang, so schien es, trat die US-Polizei bei der Jagd nach dem Heckenschützen auf der Stelle. Noch am Samstag hatte der unheimliche Mörder den über 1000 Fahndern erneut gezeigt, dass er unberechenbar ist: Erstmals schlug er an einem Wochenende zu und verletzte einen Restaurantbesuches lebensgefährlich.

HB/dpa WASHINGTON. Am Montagmorgen (Ortszeit), nach Tagen der Angst, Panik und Frustration, kommt dann erstmals konkrete Hoffnung auf ein Ende des Terrors auf und die Ereignisse überschlagen sich. Zwei Männer wurde festgenommen, einer von ihnen ist der Fahrer eines weißen Lieferwagens: Hunderttausende Amerikaner verfolgen die Bilder auf den Fernsehschirmen. Vor allem besorgte Eltern drücken die Daumen und senden Stoßgebete zum Himmel, dass der Polizei endlich der Todesschütze ins Netz gegangen sein möge. Zugleich aber bange Zweifel, es könne sich alles in Luft auflösen und ein Unschuldiger oder "Wichtigtuer" ins Netz gegangen sein - jemand, der der Polizei einen Streich spielen und sich damit Schlagzeilen sichern wollte.

Allerdings hatte sich schon am Sonntagabend erste Bewegung in diesem Kriminalfall angedeutet, der seit dem Beginn der Mordserie am 2. Oktober die Lebensgewohnheiten von Millionen Menschen im Raum Washington geändert hat. Die Polizei im Bundesstaat Maryland, wo sich mehrere der insgesamt 12 Anschläge mit neun Toten und drei Schwerverletzten ereignet haben, gab bekannt, dass der Schütze bei seinem jüngsten Attentat auf den Restaurantbesucher eine Botschaft mit einer Telefonnummer hinterlassen habe.

"Wir wollen mit Ihnen sprechen, rufen Sie die Nummer an", beschwor Polizeichef Charles Moose den Unbekannten via Fernsehen. Seine Äußerungen waren kryptisch und sorgten für Hochkonjunktur bei den zahlreichen Kriminologen, die von den TV-Sendern als "Experten" angeheuert wurden. Will der Täter aufgeben, legt er bewusst eine Spur, um sein Katz-und Maus-Spiel mit der Polizei noch aufregender zu machen, oder hat er vielleicht indirekt den Wunsch, geschnappt zu werden? Viele Spekulationen und wenige Antworten: Aus Polizeikreisen verlautete lediglich, der Täter habe eine "umfangreiche, bedeutende" Nachricht plus der Telefonnummer hinterlassen.

Dann kommt der Montag, ein grauer nieseliger Morgen. Augenzeugen beschreiben es später genau, einer hat sogar eine Videokamera dabei. Ein weißer Transporter hält an einer Tankstelle in Richmond (Virginia) an einer offenen Telefonzelle. Man sieht einen Arm aus dem Fenster heraus nach dem Hörer greifen. "Plötzlich rasen von allen Seiten Polizeiwagen herbei. Es waren bestimmt 30 oder mehr", sagt Augenzeuge R.E. Dotson. Dann geht offenbar alles blitzschnell. "Die Autos umzingeln die Telefonzelle. Beamte reißen die Tür auf, ziehen einen Mann heraus und werfen ihnen zu Boden", schildert Dotson. "Es war offenbar alles gut vorbereitet."

Zeugen beschreiben den Unbekannten als "nicht weiß und nicht schwarz" und nähren damit die Hoffnung, dass es sich wirklich um den "Sniper" handeln könnte. Augenzeugen an einem früheren Tatort hatten nämlich die Hautfarbe des Mörders als "oliv" beschrieben - ein Hinweis darauf, dass er ein Hispanier sein könnte. Und dann eine zweite optimistisch stimmende Nachricht: Es gibt eine zweite Festnahme, irgendwo in Virginia, "in Zusammenhang mit den Ereignissen an der Telefonzelle", wie ein Polizeisprecher sagt. Auch das könnte hinkommen: Zeugen wollen an verschiedenen Tatorten einen weißen Lieferwagen mit einem Fahrer und einem Beifahrer gesehen haben.

Ein Duo also und kein Einzeltäter? Die Polizei lässt die Öffentlichkeit rätseln. Pressekonferenzen verzögern sich immer wieder, während die Spekulationen ins Kraut schießen. Polizeichef Moose sorgt dann für zusätzliche Verwirrung: Er übermittelt kurz nach Bekanntwerden der Festnahmen eine neue Botschaft an den "Sniper", kündigt eine Antwort auf eine Nachricht an, die inzwischen vom Heckenschützen eingegangen zu sein scheint. Wann, wo und wie? Die zwischen Hoffen und Bangen hin- und hergerissene Bevölkerung muss zumindest vorerst weiter warten.

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