Erfahrener Sanierer an die Spitze gestellt: Grundig-Insolvenz immer wahrscheinlicher

Erfahrener Sanierer an die Spitze gestellt
Grundig-Insolvenz immer wahrscheinlicher

Nach dem Abspringen des zweiten Investors innerhalb von einem Monat scheint die Pleite von Grundig immer unausweichlicher. Der Aufsichtsrat berief am Dienstag bereits den erfahrenen Sanierer und Insolvenzexperten Eberhard Braun an die Spitze des fränkischen Unterhaltungselektronikanbieters mit rund 3500 Mitarbeitern.

Reuters MÜNCHEN. "Ich gehe davon aus, dass eine Insolvenz nicht mehr abzuwenden ist", sagte Aufsichtsratsmitglied Thomas Schwarz am Dienstag in München im Anschluss an eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung. Diese Sorge teile auch das gesamte Kontrollgremium. Der stellvertretende Aufsichtsratschef Hartmut Langhorst sagte, der neue Vorstandssprecher Braun habe die Aufgabe, Grundig als Ganzes zu erhalten. Vor dem Hintergrund der nicht verlängerten Kredite der Gläubiger solle eine Lösung bis Ende der Woche gefunden werden. In Kreisen der beteiligten Banken hieß es indes, eine Rettung von Grundig in letzter Minute sei zumindest zum derzeitigen Stand äußerst unwahrscheinlich.

Die seit Jahren laufende Suche von Grundig nach dem dringend benötigten Investor ist eine lange Reihe nicht erfüllter Ankündigungen. Am Montag war mit dem türkischen TV-Gerätehersteller Beko innerhalb von einem Monat der zweite Interessent für eine Übernahme Grundigs abgesprungen. Anfang März hatte bereits die taiwanische Sampo den zuvor besiegelten Kaufvertrag platzen lassen. Ohne einen finanzstarken Partner gilt die 1945 gegründete Gruppe als nicht überlebensfähig.

"Herr Braun ist ab sofort Sprecher des Vorstands", sagte Langhorst. In der aktuellen Situation sei es wichtig, profunden Sachverstand ins Unternehmen zu holen. Ob damit die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bereits vorweg genommen werde, ließ der stellvertretende Aufsichtsratschef offen. Braun hatte sich unter anderem als Insolvenzverwalter des Regionalflugzeugbauers Fairchild Dornier einen Namen gemacht. Der bisherige Vorstandschef Hans-Peter Kohlhammer werde Grundig als Berater weiter zur Verfügung stehen.

"Wir sehen aktuell keine Lösung mehr", hieß es unterdessen in Kreisen der Gläubigerbanken. "Grundig hat jetzt ein enormes Problem - es sei denn, sie finden noch jemanden, der ihnen Geld gibt." Dies umfasse auch die Möglichkeit, dass der Rosenheimer Antennenbauer Anton Kathrein, der mit 89 % der Anteile an Grundig Haupteigner ist, selbst Kapital zuschieße. Dies gilt aber als unwahrscheinlich. Kathrein hatte auf Grund einer USA-Reise nicht einmal an der Aufsichtsratsratssitzung teilgenommen - obwohl er Vorsitzender des Gremiums ist.

Nach Angaben aus Finanzkreisen waren am Vortag die bereits mehrfach verlängerten Kreditlinien Grundigs ausgelaufen. Insgesamt gehe es um ein Volumen von 210 Mill. ?, hieß es. Zum Banken-Pool gehören Dresdner Bank, Deutsche Bank, Bayern und die öffentliche Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA). Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) bezeichnete die Vorgänge "als bedauerlich". Der Freistaat werde alles Machbare tun, um eine Lösung für Grundig zu unterstützen. Ziel müsse weiter der Einstieg eines Investors sein.

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