Erfahrung aus Fehlern
Nachfolger brauchen ihr eigenes Revier

Heinz Schnabl ist der typische "Unternehmenspatriarch" im besten Sinne des Wortes. Der "Patron". Der geschäftsführende Gesellschafter der Codello Lifestyle GmbH-Accessoires in Hechendorf bei München kümmerte sich bis vor vier Jahren um alles selbst - von der Kollektionsentwicklung bis zum Vertrieb, besuchte die wichtigen Modemessen. Rat in Modefragen holte er sich bei Ehefrau Annelie Schnabl, die gleichfalls im Familienunternehmen mitarbeitet.

HB DÜSSELDORF. Der ehemalige Karstadt-Manager hatte 1980 den Schritt in die Selbständigkeit gewagt und das 1928 von Rinaldo Codello, einem Münchner mit italienischer Mutter, gegründete Unternehmen übernommen, weil die Familie keinen Nachfolger hatte. Mit 60 steht Heinz Schnabl, Vater von Michael und Miriam Schnabl, selbst vor der Nachfolgeregelung für den Hersteller von textilen Mode-Accessoires wie Tücher, Schals, Krawatten, Handschuhe, Mützen, Gürtel, Taschen und Pelzen. Mit 40 Mitarbeitern setzte Codello im Vorjahr 9,5 Mill. Euro um und plant 2004 11 Mill. Euro.

"Es dauert erfahrungsgemäß fünf bis sieben Jahre, um einen Wachwechsel an der Spitze eines Unternehmens sorgfältig vorzubereiten und erfolgreich umzusetzen", betont Dietrich Reinhardt, Partner der I.M.C. International Executive Search & HR Solutions GmbH in Düsseldorf. Das gelte vor allem für Unternehmen, die stark von der Unternehmerpersönlichkeit geprägt würden. Gerade der Mittelstand müsse sich frühzeitig Gedanken über seine Nachfolge machen, um eine Phase der Verunsicherung zu vermeiden. Nach einer Studie der Beteiligungsgesellschaft Apax Partners, der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG, der WestLB und Finance Research über Familienunternehmen hängen "Erfolg oder Misserfolg des gesamten Unternehmens" oft davon ab, wie gut der Übergang gemeistert wird.

Heinz Schnabl veranschlagt dafür etwa acht Jahre. Seinen Stolz darüber, dass er Codello in gutem Zustand an die eigenen Kinder übergeben kann, verhehlt er nicht. "Wir haben klein angefangen", erzählt er. Sohn Michael habe schon früh in die verschiedenen Bereiche reingeschnuppert, sich step-by-step eingearbeitet. Im Jahr 2000, als Wachstum und Auslandsexpansion das Arbeitspensum so stark erhöhten, dass es auf mehrere Schultern verteilt werden musste, stellte Heinz Schnabel die Weichen neu: Sohn Michael, gelernter Einzelhandelskaufmann mit Handelserfahrung und Studium an der renommierten Lehranstalt des deutschen Textileinzelhandels (LDT) in Nagold, nahm dem Vater in den folgenden vier Jahren die Bereiche Verkauf, Expansion, Marketing und EDV ab. "Es war für mich wichtig, ein eigenes Aufgabengebiet zu haben", berichtet der 28-Jährige. Die Themenaufteilung sei mehr oder weniger stillschweigend erfolgt.

Nachfolger muss auch Fehler machen

Was man beim Übergang besonders beachten muss? Heute meint Schnabl Senior, er hätte schon gleich am Anfang mehr Verantwortung an den Sohn abgeben sollen. "Man muss den Nachfolger auch Fehler machen lassen", rät er. "Nichts vermittelt mehr Erfahrung als aus Fehlern zu lernen."

Aus dem Einzelhandel brachte Schnabl Junior neue Ideen mit und forcierte bei Codello ein Lifestyle- Konzept, das den persönlichen Lebensstil der Kunden unterstützt. Die Teile der Kollektion sind aufeinander abgestimmt, die Marke erhielt ein schärferes Profil.

Der Vater behielt die Verantwortung für Einkauf, Produktion, Design und Finanzen. Der Wandel vom patriarchalischen Führungsstil zur flacheren Organisation setzt voraus, so betont Michael Schnabl, "dass ich mich mit dem Vater gut verstehe". Die Zusammenarbeit harmoniert in der Familie. "Wir reden täglich miteinander." Dass er das Vertrauen, das der Vater in ihn gesetzt hat, erfüllen konnte, ist für Schnabl Junior sehr wichtig. Und auch, dass gelegentliche Fehler akzeptiert und verziehen werden.

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