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Erfahrung, Ausdauer und ein bisschen Glück

Klappt der Börsengang, hält sich das neu am Neuen Markt gelistete Unternehmen über dem Einstandskurs, klopfen sich Unternehmenschefs, Risikokapitalgeber und Konsortialbanken tüchtig auf die Schultern. Warum auch nicht? Schließlich ist das eine klassische Win-win-win-Situation.

Doch in den vergangenen Monaten verschob sich so mancher Börsengang, vielleicht sogar bis zum Sankt-Nimmerleinstag. Und auch wenn die Aktien ihren Einstandskurs nie wieder erreichen, macht sich Ärger und Wut breit: Das junge Unternehmen bekommt nicht so viel Geld wie erwartet, bekommt keine Verschnaufpause bei der Finanzierung. Die Kapitalgeber müssen ordentlich Geld nachschießen, und die Konsortialbanken können ihre Börsenprospekte in den Papierkorb schmeißen.

Doch wer ist nun schuld?

Wie beim missglückten Aufstieg in die erste Fußballbundesliga, schieben sich Mannschaft und Trainer, Präsident und Sponsoren die Schuld in die Schuhe.

Der Jungunternehmer fühlt sich vom Risikokapitalgeber schlecht beraten, in die Publizität gedrängt. Der Risikokapitalgeber ärgert sich über Erfahrungsdefizite beim Management des jungen Unternehmens und bei der Konsortialbank.

Die Konsortialbank schimpft über zu wenig Börsenkenntnis bei den Risikokapitalgebern und ihren Schützlingen, schimpft über schlecht informierte Analysten und sowieso über die schlechte Stimmung bei den Anlegern.

Dabei haben es doch eigentlich alle gewusst: Börsengänge sind auch nach drei Jahren Neuer Markt noch keine leichte Übung. Keiner der Akteure kann auf langjährige Erfahrung zurückgreifen. Nicht die, die zum ersten mal ein Unternehmen gründen. Nicht die, die zum ersten Mal ein junges Unternehmen finanzieren. Nicht die, die zum ersten Mal ein Unternehmen an der Börse platzieren. Nicht die, die zum ersten Mal ein börsennotiertes Unternehmen beurteilen.

Deswegen ist der Neue Markt noch lange nicht zweifelhaft. Nur die Akteure könnten mal endlich zugeben, dass ein bisschen mehr Erfahrung, Ausdauer und ein bisschen Glück dazu gehört, in der ersten Liga zu spielen.

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