Erfolg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft als Konjunkturlokomotive – Spitzenpreise für TV-Spots
Wirtschaft hofft auf deutsche WM-Euphorie

Die Fußball-WM hat die Erwartungen der Unternehmen übertroffen. Vor allem die TV-Stationen sind unerwartet erfolgreich. Sporthändler erwarten in den nächsten Tagen einen Nachfrageschub.

hz/jojo/pes DÜSSELDORF. Einen solchen Erfolg der deutschen Mannschaft hatten ARD und ZDF nicht erwartet: Die Spiele der deutschen Elf gehören zu den meistgesehenen Fernsehsendungen in diesem Jahr - weit vor Olympischen Spielen oder dem Zuschauer-Schlager "Wer wird Millionär?" auf RTL. "Damit haben wir nicht gerechnet", freut sich ein Sprecher des ZDF-Werbefernsehens. Die Mainzer Vermarkter hatten mit wesentlich geringeren Zuschauerzahlen geplant. "Die Kunden hätten sicherlich noch mehr Werbung bei uns geschaltet, wenn sie den Erfolg der WM vorhergesehen hätten", ist sich der Sprecher sicher.

So waren die WM-Partien ohne Beteiligung der deutschen Mannschaft weder bei der ARD noch beim ZDF ausgebucht, obwohl zumindest die Mainzer schon im April ihren Kunden 40 % Rabatt für Werbung bei nicht-deutschen Spielen eingeräumt hatten. Bei den unerwartet zahlreichen Spielen der Deutschen kassieren ARD und ZDF dagegen absolute Spitzenpreise. Die ARD verlangte bis zu 144 000 Euro für eine halbe Minute.

Glück für die Sender, dass sich die Kicker bis zum Finale halten: "Ohne Deutschland ist die WM für Werbungtreibende nur halb so viel Wert", sagt der Chef der zweitgrößten deutschen Media-Agentur Mediacom Europe, Jürgen Blomenkamp. Eigentlich ist der Mittler zwischen Werbekunden und Fernsehsendern wenig begeistert von der WM. "Die Winterolympiade hatte unter Vermarktungsgesichtspunkten deutliche Vorteile, denn die Übertragungen liefen abends zur Prime Time." Würde die Fußball-WM mit weniger Zeitverschiebung stattfinden, hätten die Medien in Deutschland wesentlich mehr profitiert: "Bei Live-Übertragungen abends wären die Werbeausgaben dreimal so hoch", glaubt Blomenkamp.

Das bekommt Kirch-Sender Sat 1 zu spüren. Die tägliche Zusammenfassung "ran WM-Fieber" am Abend leidet unter schwankenden Zuschauerzahlen. "Wir können keine Quoten-Explosionen vermelden, aber wir sind zufrieden", beruhigt eine Sprecherin des Kirch-Werbevermarkters Seven One Media. Haben tagsüber die Deutschen gespielt, schauen abends bis zu 25 % der für die Werbeindustrie interessanten Zuschauer die Zusammenfassung. An anderen Abenden sind es zum Teil magere 8 %.

Nicht nur die TV-Sender profitieren vom Erfolg von Rudis Team. Ein WM-Sieg der Deutschen dürfte auch der deutschen Konjunktur gut tun. "Ein Zusammenhang zwischen Erfolg im Fußball und wirtschaftlicher Entwicklung ist historisch betrachtet nicht zu leugnen", weiß Arbeitgeberpräsident und Ex-Mittelstürmer Dieter Hundt. Der Titel könnte einen Schub für die Stimmung in der Bevölkerung und für das Konsumverhalten bedeuten. Auch die Ökonomen der niederländischen Großbank ABN Amro sind zu der Einsicht gelangt, dass es das Beste wäre, wenn die Deutschen den Titel holen. Die Banker gelangen zu diesem Urteil nicht aus sportlichen Gründen, sondern machen sich zugunsten der Weltwirtschaft für einen deutschen Gewinn stark. Ein WM-Sieg würde die deutschen Verbraucher stimulieren und zugleich den Handel mit deutschen Produkten beleben. "Wenn die Deutschen den Titel mit nüchternem, einfachem Spiel gewinnen, wird möglicherweise auch das ausländische Interesse an deutschen Produkten steigen", erläutern die Analysten.

Deutsche Siege mit mehreren Toren Differenz seien gar nicht nötig. "Siege mit nur einem Tor Unterschied sind gut für deutsche Exporteure", glauben die Banker. Es würde bestätigen, was ausländische Verbraucher über Erzeugnisse "Made in Germany" schon wüssten: "Die sind vielleicht nicht immer extravagant und elegant, aber sie sind gut, haltbar und wirkungsvoll".

Ein Volltreffer war die WM in jedem Fall für die Sportartikel-Hersteller. Adidas-Salomon profitiert vor allem von einer riesigen Nachfrage nach Deutschland-Trikots sowie dem WM-Ball "Fevernova". "Die Bälle waren schon vor WM-Beginn ausverkauft", betont Hartmut Fröhlich, Vorstand der Sporthändler-Kette Intersport. Fröhlich hofft, dass durch den Finaleinzug jetzt ein lebhaftes Fußball-Geschäft beginnt. Denn bislang habe das Turnier in den Läden zwar zu einer "positiven Grundstimmung" der Käufer, aber keineswegs zu einem Fußball-Boom geführt.

Außergewöhlich erfolgreich zeigt wieder einmal Sportartikel-Produzent Puma: Die Herzogenauracher mussten Sonderschichten einlegen, um mehr als 10 000 Trikots von Afrika-Meister Kamerun termingerecht in deutsche Geschäfte zu bringen. "Das wird ein Kultshirt", freut sich ein Puma-Sprecher, dass das Kamerun-Leibchen mittlerweile auch in Szenegeschäften angeboten wird. Und das, obwohl Kamerun längst ausgeschieden ist.

Quelle: Handelsblatt

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